Radpendlerroute in Bergisch Gladbach: Zwischen Natur- und Anwohnerinteressen
Die Vorzeichen für die Radpendlerroute in Bergisch Gladbach stehen fest. Während die Stadtverwaltung den Prüfauftrag zur Routenführung erhalten hat, gibt es bereits klare Entscheidungen, die das Projekt prägen werden. Ein unter Naturschutz stehendes Waldgebiet nahe Rodemich bleibt für die Radpendler tabu. Das hat die Verwaltung in Gesprächen mit den Naturschutzbehörden auch so bestätigt. Die Interessen der Natur haben hier eindeutig Vorrang, was die Route über die Straße Rodemich zwingend macht.
Die städtische Mobilitätsmanagerin Maren Hesselmann hat in einer Informationsveranstaltung die Pläne präsentiert. Die Anwohnerschaft hat jedoch Bedenken geäußert, insbesondere in Bezug auf den Wegfall von Parkmöglichkeiten. Das klingt nach einem echten Dilemma – einerseits die Notwendigkeit einer sicheren Radroute, andererseits die Sorgen der Anwohner. Johannes Fug vom Planungsbüro „Fischer Teamplan“ stellte drei Varianten für die Ausgestaltung der Straße Rodemich vor. Dabei soll es alternierende Parkplätze geben, um ausreichend Platz für die Radfahrenden zu schaffen und gleichzeitig Sichtfenster an Einmündungen freizuhalten. Sicherheit geht schließlich vor!
Die technische Seite der Planung
Die ermittelte Straßenbreite variiert zwischen 5 und 5,05 Metern. Das klingt auf den ersten Blick akzeptabel, doch bei parkenden Autos reduziert sich dieser Spielraum auf 3 bis 3,05 Meter – und genau hier wird’s eng. Die Mindestbreite von 3,05 Metern muss überall in Deutschland eingehalten werden, aber in einigen Abschnitten fehlen Centimeter zur Mindestbreite. Das bedeutet, dass dort das Parken nicht gestattet ist. Ein Punkt, der von Ragnar Migenda, dem ersten Beigeordneten der Grünen, klar betont wurde. Er erinnerte auch an die strengen Regelungen in Zollstock. Die Vorplanung führt die Radroute ab Rodemich über die historische Trasse der Straßenbahn bis zum Refrather Weg, und an der Hauptverkehrsachse in Höhe des Finanzamts wird sie bis zum Bus- und S-Bahnhof weitergeführt.
Die politischen Entscheidungsträger müssen nun über die Varianten in der Ausgestaltung der Routen entscheiden. Es gab jedoch bisher keine Aussagen zu möglichen Fahrradstraßen, was die Planer nicht verhindern konnten. Sie sind nicht die Einzigen, die in diesem Prozess ihre Stimmen erheben müssen. Ragnar Migenda hat auch einen eindringlichen Appell an die zügige Umsetzung der Radroute gerichtet. Und das aus gutem Grund: Die langen Sperrzeiten auf der S11 und die Baustellen auf der KVB-Strecke 1 haben die Notwendigkeit einer funktionierenden Radpendlerroute noch verstärkt.
Ein Blick über den Tellerrand
Doch wie sieht die übergeordnete Situation aus? Seit 2021 können Länder und Gemeinden Bundesmittel für Radverkehrsinfrastrukturprojekte vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) beantragen. Das Finanzhilfe-Sonderprogramm „Stadt und Land“ wurde bis 2030 verstetigt und sieht insgesamt rund 1,9 Milliarden Euro vor. Das klingt nach einer tollen Chance, die Fahrradinfrastruktur in Deutschland zu verbessern! Insbesondere im ländlichen Raum soll der Verkehr auf das Rad verlagert werden, was nicht nur den Radfahrenden zugutekommt, sondern auch der Umwelt.
Die Förderanträge, die an die Länder gerichtet werden müssen, können bis zu 75 Prozent der Kosten abdecken – in finanzschwachen Gemeinden sogar bis zu 90 Prozent. Das bietet eine echte Perspektive für Projekte wie die Radpendlerroute in Bergisch Gladbach. Geplant sind Investitionen in die Fahrradinfrastruktur, die nicht nur die Attraktivität, sondern auch die Sicherheit des Radfahrens erhöhen sollen. Das heißt konkret: Neu-, Um- und Ausbau von Radverkehrsnetzen, eigenständige Radwege und Fahrradstraßen, Radwegebrücken oder -unterführungen, Abstellanlagen und Fahrradparkhäuser. Das sind alles Maßnahmen, die das Radfahren in der Region erheblich verbessern könnten.
Und vielleicht, nur vielleicht, wird die Radpendlerroute in Bergisch Gladbach ein kleiner, aber feiner Baustein in einem großen Netz von Veränderungen, das sich um die Mobilität in unseren Städten dreht. Es bleibt spannend, wie sich die Dinge entwickeln werden.
