Mobilität im Alter: Brücken bauen für ein selbstbestimmtes Leben
Es ist eine Tatsache, die uns alle betrifft: Bis zum Jahr 2040 werden fast 30 Prozent der Deutschen über 67 Jahre alt sein. Das ist nicht nur eine Zahl, sondern ein Zeichen dafür, dass wir uns Gedanken über die Mobilität und die Lebensqualität älterer Menschen machen müssen. Eine aktuelle Studie des DLR, veröffentlicht am 23. Juli, bringt es auf den Punkt: Es gibt massive Lücken in unserer Infrastruktur, die dringend geschlossen werden müssen. Die Studie spricht von der „Mobility Design Norm Gap“, einem Konzept, das die Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen älterer Menschen und den bestehenden Mobilitätsangeboten beschreibt.
Ein Blick auf unsere Verkehrssysteme zeigt, dass sie oft nicht altersgerecht gestaltet sind. Die Infrastruktur ist meist auf einen gesunden, männlichen Referenzmenschen ausgelegt – und das ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Die Bedürfnisse von Menschen ab 60 Jahren werden viel zu häufig übersehen. Das betrifft nicht nur die Straßen und Wege, sondern auch den öffentlichen Nahverkehr. Der sollte unbedingt barrierefrei sein! Denn was nützt der schönste Bus, wenn die Treppen zu steil sind oder der Einstieg zu hoch?
Handlungsbedarf ist gefragt
Die jüngsten schweren Unfälle, wie der tragische Vorfall mit einem 78-jährigen Kleinkraftradfahrer in Berlin-Tegel oder der Zusammenstoß eines 84-jährigen Autofahrers in Wuppertal, zeigen uns, dass Handlungsbedarf besteht. Auch in Köln-Zollstock sind die Herausforderungen nicht zu übersehen. Hier ist seit dem 2. Juli ein Aufzug stillgelegt, was einer 76-jährigen Bewohnerin das Leben unnötig erschwert. Ist das wirklich der Stand der Dinge, den wir akzeptieren wollen?
Ein Lichtblick sind technische Assistenzsysteme, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Herdwächter, die im Falle einer Überhitzung automatisch abschalten, könnten Leben retten. Rund 50 Prozent aller Wohnungsbrände entstehen schließlich in der Küche. Auch die sieben großen Krankenkassen, die ein Pilotprojekt zur E-Verordnung von Hilfsmitteln gestartet haben, könnten den Alltag erheblich erleichtern. Damit sollen jährlich etwa 33 Millionen Papierrezepte ersetzt werden – ein Schritt in die richtige Richtung!
Altersgerechte Mobilität gestalten
Ein Institut für Senioren-Assistenz hat spezielle Ausbildungsprogramme in der Pipeline, um die Mobilität älterer Menschen zu fördern. Am 12. August findet eine Informationsveranstaltung statt, die sicher viele Interessierte anziehen wird. Dabei ist es wichtig, dass alle Akteure an einem Strang ziehen, um altersgerechte Mobilitätsangebote zu schaffen. Auch die DLR-Studie „Im Alter gut unterwegs“ beleuchtet die Anforderungen älterer Menschen an Verkehrsmittel und zeigt, dass eine inklusive Gestaltung für ein besseres Reiseerlebnis sorgen kann.
Die gesamte Wegekette muss berücksichtigt werden – vom Fußweg über Bus und Bahn bis hin zu E-Bikes und automatisierten Fahrzeugen. Denn zu Fuß gehen ist für viele ältere Menschen die häufigste Fortbewegungsart. Aber dafür braucht es breite, gut beleuchtete Wege mit genügend Sitzgelegenheiten. 95 Prozent aller Fahrten mit Bus und Bahn beginnen schließlich mit einem Fußweg, der oft eine Hürde darstellt.
Klare Informationstafeln, verständliche Durchsagen und ein barrierefreier Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln sind unerlässlich. Geteilte, automatisierte Fahrzeuge könnten ebenfalls eine interessante Mobilitätsoption für ältere Menschen darstellen. Die Idee, diesen Bereich als wirtschaftliche Chance für Anbieter zu nutzen, ist vielleicht nicht nur ein guter Ansatz, sondern auch ein notwendiger. Es ist an der Zeit, dass wir handeln und die Mobilität älterer Menschen ernst nehmen.
