Zollstock am Scheideweg: Der Traum vom Neuer Weyerstraßerweg bleibt unerfüllt
In Zollstock, wo die Straßen eng und die Geduld oft noch enger ist, wird seit Ewigkeiten über den Ausbau des Neuer Weyerstraßerwegs diskutiert. Man könnte fast sagen, es ist eine Geschichte so alt wie der Stadtteil selbst. Insbesondere der Abschnitt zwischen dem Oberen Komarweg und der Spedition Schenker ist ein Nadelöhr – zwei Autos passen kaum aneinander vorbei. Die Stadt hat bereits vor mehr als 20 Jahren beschlossen, hier Abhilfe zu schaffen. Geplant sind zwei Fahrstreifen sowie ein Rad- und Gehweg, um endlich den Zweirichtungsverkehr zu ermöglichen und eine bessere Verbindung zum Zollstockgürtel und dem Autobahnanschluss zu schaffen. Das Ziel? Den Stadtteil von lästigem Lkw-Verkehr zu entlasten. Ein nobler Plan, der jedoch in der Umsetzung bisher gescheitert ist.
Die Lokalpolitiker und der Allgemeine Bürgerverein Zollstock setzen sich seit Jahrzehnten für dieses Projekt ein, doch die betroffenen Grundstückseigentümer sind bisher nicht bereit gewesen, ihre Flächen zu verkaufen. Der Stand der Dinge bleibt unverändert. Auch die CDU-Fraktion ließ im März 2022 erneut nach dem Sachstand fragen – ohne neue Erkenntnisse. Die Verwaltung hat in der letzten Sitzung vor der Sommerpause mitgeteilt, dass es keinen neuen Fortschritt gibt. Um den Ausbau voranzubringen, werden Teilflächen von neun Flurstücken benötigt, insgesamt etwa 1400 Quadratmeter. Ein gewaltiges Stück Erde, das zwischen 2009 und 2016 vergeblich versucht wurde zu erwerben. Es gab nicht einmal Antworten auf die Kaufangebote.
Ein schmaler Grat für Radfahrer
Radfahrer dürfen den Neuer Weyerstraßerweg immerhin in beide Richtungen nutzen, was ihnen ein kleines Stück Freiheit in diesem engmaschigen Verkehrsgewirr verschafft. Doch auch hier gibt es Herausforderungen. Die Bezirksvertretung hatte 2015 einstimmig einen Fahrradschutzstreifen zwischen dem Pförtnerhäuschen der Spedition und dem Oberen Komarweg beschlossen. Aber aufgrund der geringen Fahrbahnbreite wurde dieser nie eingerichtet. Es bleibt also spannend, wie sich die Situation entwickeln wird.
Die Stadtverwaltung plant, sich erneut um den Ankauf der Flächen zu bemühen. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Anlauf. Schließlich ist der Wille da, die Lebensqualität in Zollstock zu erhöhen und eine städtische Infrastruktur zu schaffen, die sowohl den Autofahrern als auch den Radfahrern gerecht wird. Ein städtisches Projekt, das schlussendlich auch die Bürger entlasten soll, steht auf der Kippe. Denn wie lange können die Anwohner noch mit den bestehenden Verhältnissen leben?
Stadtentwicklung im großen Stil
Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass die Herausforderungen in Zollstock nicht isoliert sind. Die nationale Stadtentwicklungspolitik, initiiert vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, hat sich zum Ziel gesetzt, Städte und Gemeinden lebenswert zu gestalten. Ein ambitioniertes Unterfangen, das den Austausch zwischen verschiedenen Akteuren im Bereich Stadtentwicklung fördert. Die Initiative thematisiert aktuelle Trends und bietet Plattformen für einen lebendigen Austausch. Vielleicht ist der Neuer Weyerstraßerweg ja auch Teil eines größeren Plans, der langfristig für mehr Lebensqualität sorgt.
Wer mehr über die nationale Stadtentwicklungspolitik erfahren möchte, findet weitere Informationen auf der Themenseite. Wer weiß, vielleicht gibt es da Anregungen, die auch Zollstock helfen könnten, endlich einen Schritt in die Zukunft zu machen.
