Heute ist der 2.06.2026 und die Stimmung im Kölner Stadtteil Zollstock ist ein wenig gedämpft. Die Enttäuschung sitzt tief, seitdem Ende 2024 der Lidl-Markt am Höninger Weg seine Türen geschlossen hat. Die Anwohner im Norden Zollstocks haben die Entwicklungen mit Argusaugen verfolgt, schließlich sollte auf dem Gelände des ehemaligen Supermarktes neuer Wohnraum entstehen. Geplant sind rund 150 Mietwohnungen, doch der Fortschritt lässt auf sich warten.

Das alte Lidl-Gebäude steht nach wie vor leer und es gibt keine sichtbaren Fortschritte in Form vorbereitender Bauarbeiten. Stattdessen ist das Gelände eine Art Parkplatz für defekte oder beschädigte Autos geworden – ein Anblick, der sicher nicht zur Aufwertung des Stadtteils beiträgt. Die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Rodenkirchen hat daher bereits eine Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Ein Baustopp der besonderen Art

Am 30. Januar 2023 wurde immerhin ein Vorbescheid für das Bauvorhaben erteilt. Dieser sieht unter anderem vor, dass 30% der Wohnungen gefördert werden müssen, es begrünete Dächer und unversiegelte Flächen geben soll. Doch der Bauantrag selbst fehlt bis heute. Das Bauaufsichtsamt hat sogar ein Ordnungsverfahren eingeleitet, weil das Gelände als Pkw-Abstellfläche genutzt wird. Ein Antrag auf eine temporäre Nutzungsänderung für einen Abschleppdienst wurde eingegeben, allerdings sind die Unterlagen unvollständig – ein Immissionsschutzgutachten fehlt. Die Nutzung als Abstellfläche könnte zwar zulässig sein, wenn die Auflagen des Immissionsschutzes eingehalten werden, doch das ist alles andere als sicher.

Der Investor hat auf Fragen zum aktuellen Stand des Projekts nicht reagiert. Dabei gab es im September 2024 erste Details zu den Planungen. Neben den 150 Mietwohnungen sollen auch Flächen für Nahversorgung und Gewerbe entstehen. Arztpraxen und Büros sind ebenfalls geplant. Die Wohnungen werden zwischen 28 und 75 Quadratmetern groß sein, barrierefrei und mit Balkonen ausgestattet. Geplant sind Gebäude mit fünf bis sieben Geschossen, mehrere Aufzüge und eine zweigeschossige Tiefgarage mit rund 170 Stellplätzen. Das Grundstück von 7500 Quadratmetern wurde auf Erbpachtbasis für 99 Jahre von der katholischen Kirche erworben. Ein Baubeginn ist für Anfang bis Mitte 2027 vorgesehen, mit einer Bauzeit von etwa zwei Jahren. Doch bis dahin bleibt die Frage: Wann passiert hier endlich etwas?

Ein Blick in die Zukunft

Die Situation auf dem ehemaligen Lidl-Gelände in Zollstock spiegelt wider, wie schwierig es oft ist, Wohnraum in einer wachsenden Stadt zu schaffen. Der Bedarf ist da, die Pläne sind gemacht, aber die Umsetzung? Irgendwie fehlt es an der entscheidenden Dynamik. Gerade in einem Stadtteil, der durch seine Mischung aus Wohn- und Gewerbeflächen so lebendig ist, wäre eine zügige Lösung wünschenswert. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen bald aktiv werden und die Anwohner nicht länger auf den Wohnraum warten müssen. Für die Zollstocker wäre ein modernes Wohnkonzept mit einem Hauch von Lebensqualität mehr als nur ein Lichtblick – es wäre eine Bereicherung für die gesamte Nachbarschaft.

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