Die Luft in Köln ist voller Veränderungen, und ganz besonders in Weidenpesch wird jetzt ein neues Kapitel aufgeschlagen. Ab dem frühen Herbst wird die Salvatorkirche am Schlesischen Platz 4 von der äthiopisch-orthodoxen Kirche übernommen. Temur J. Bagherzadeh, der Pfarrer der Gemeinde St. Dionysius in Longerich und Lindweiler, hat bereits einige Überlegungen zur künftigen Nutzung der Kirche angestellt, die 1958 eröffnet wurde und bis 2015 zum Kloster der Salvatorianer gehörte.
Die St. Mikaelskirche, die 2009 erworben und 2010 eröffnet wurde, hat sich als zu klein für die wachsende Gemeinde herausgestellt. Daher wird die Salvatorkirche jetzt für die äthiopischen Gottesdienste genutzt. Diese finden jeden Sonntag ab 6.30 Uhr statt. Der Mitnutzungsvertrag beginnt am 1. September und läuft zunächst ein Jahr. Eine interessante Regelung: Während der Probephase sind keine festen Umbauten erlaubt, nur der Boden wird mit Teppich ausgelegt. Der Vertrag bezieht sich ausschließlich auf die Kirche selbst, die Nebengebäude, in denen sich eine Flüchtlingsunterkunft befindet, bleiben außen vor.
Vielfalt und Gemeinschaft
Die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde in Köln, die seit 20 Jahren besteht, zählt etwa 500 Familien und gehört damit zu den größten ihrer Art in Deutschland. Merawi Tebege, der Erzpriester der Gemeinde, hebt hervor, dass die Gottesdienste in Ge´ez, einer alten liturgischen Sprache, gehalten werden. Das macht die Gemeinde vor allem zu einem Ort für Äthiopier, die aus unterschiedlichsten Gründen in Deutschland leben. Die Kirche wird oft als bunt und singend beschrieben – ein Ort voller Energie!
Ein Highlight, das man nicht verpassen sollte, ist das Patronatsfest, das mit einer Prozession, Essensständen und einem kleinen Markt in Weidenpesch gefeiert wird. Dieses Jahr findet es am 20./21. Juni statt – vorläufig zum letzten Mal in Longerich. Am 12. Juli ist zudem das Pfarrfest mit äthiopischer Beteiligung geplant, was sicherlich ein Fest der Sinne wird! An einem Info-Abend zur Mitnutzung der Salvatorkirche waren rund 35 Gäste anwesend, die sich über die aufregenden Pläne informieren konnten. Bagherzadeh hat dabei betont, dass diese Entwicklung neue Wege eröffnet – ein positives Signal für alle.
Ein Ort des Gebets und der Kultur
Die Salvatorkirche wird nicht nur als Gottesdienstort genutzt, sondern wird auch ein kultureller Mittelpunkt für die äthiopische Community in Köln. Die Gemeinde schöpft ihre Kraft aus den biblischen Geschichten des Alten und Neuen Testaments und ist bekannt für ihre Hilfsaktionen zugunsten Äthiopiens, die die Verbindung zur Heimat lebendig halten. Die Sankt Michaelskirche am Lindweilerweg 9 bleibt der liturgische Mittelpunkt, wo sich die Mitglieder regelmäßig zum Gottesdienst und anschließendem gemeinsamen Mahl versammeln.
Die nächsten Monate versprechen spannend zu werden. Man darf gespannt sein, wie sich die Salvatorkirche entwickeln wird und welche neuen Impulse die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde in Weidenpesch setzen wird. Wenn alles gut geht, wird diese Kirche bald ein Ort sein, an dem die Traditionen und die Kultur der äthiopischen Christen in Köln blühen können.