Abschied von einer Wegbereiterin: Christiane Lehmann und das Handwerkerinnenhaus in Nippes
Das Handwerkerinnenhaus in Nippes hat eine Ära zu Ende gebracht. Christiane Lehmann, die Seele und treibende Kraft hinter vielen Initiativen, hat offiziell ihren Abschied gefeiert. In einer bewegenden Rede während des Abschlussprogramms bedankte sich Lehmann für die Möglichkeit, Mädchen und Frauen auf ihrem Weg zu begleiten und gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen. Ihre Worte hallten im Raum wider: „Wir haben gemeinsam viel erreicht, und die schnelle Einarbeitung der Mädchen in handwerkliche Materie war oft beeindruckend!“
Lehmann, die 1997 als ABM-Kraft in das Handwerkerinnenhaus kam, war eine Schlüsselfigur, als es darum ging, einen Anbau für die Mädchen-Werkstatt zu schaffen. Über die Jahre hinweg hat sie unermüdlich daran gearbeitet, Angebote für Mädchen zu entwickeln. Das Projekt „Pfiffigunde“, das Mädchen mit Schulmüdigkeit und -verweigerung unterstützt, war eine ihrer Herzensangelegenheiten. Tatsächlich nahmen in 29 Jahren rund 2000 Mädchen sowie trans-, intergeschlechtliche und nonbinäre Jugendliche an den Kursen teil. Das ist eine beeindruckende Bilanz!
Ein Blick auf die Zukunft
Was viele vielleicht nicht wissen: Das Handwerkerinnenhaus bietet mittlerweile mehr als nur handwerkliche Kurse an. Mit dem „Mädchenprojekt Zukunft“ werden jährlich über 1300 Mädchen und junge Frauen erreicht. Diese Programme sind nicht nur erprobt und ausgezeichnet, sondern helfen auch, Schulabsentismus präventiv zu bekämpfen. Die Zusammenarbeit mit fast 30 Schulen in der Region ist ein weiterer Beweis für die Relevanz dieser Arbeit. Gendersensible berufliche Orientierung in Handwerk und Technik – das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung!
Die Herausforderungen sind jedoch nicht zu unterschätzen. Lehmann äußerte in ihrer Rede besorgt, dass gesellschaftliche Entwicklungen, wie Rückschritte bei Geschlechterrollen und Gewalt gegen queere Personen, nicht ignoriert werden dürfen. Das Handwerkerinnenhaus steht für eine intersektionale Perspektive und berücksichtigt Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung, Klassismus und Rassismus. Es ist wichtig, dass die Stimme dieser Themen in der Gesellschaft gehört wird.
Ein Abschied mit Auszeichnung
Bei der Verabschiedung waren auch politische Vertreter anwesend, unter ihnen die NRW-Familienministerin Verena Schäffer. Sie würdigte das Handwerkerinnenhaus als bedeutende Einrichtung für die Gleichstellung und die Förderung von Mädchen und Frauen. Und das ganz zu Recht! Co-Vorständin Ramona Klingenhoff hob Lehmanns Talente und ihren Einfluss auf das Haus hervor. 2024 wird sie mit dem städtischen Else-Falk-Preis für Gleichstellung ausgezeichnet – eine Ehrung, die sie mit typischer Bescheidenheit annahm.
Die Veränderungen, die in den letzten Jahren in der Gesellschaft stattgefunden haben, sind nicht zu übersehen. Gesetze wie die Ehe für alle und die Einführung eines dritten Geschlechts im Personenstandsrecht sind Schritte in die richtige Richtung. Dennoch bleibt noch viel zu tun, um Akzeptanz und Gleichstellung für LSBTIQ*-Personen zu fördern. Initiativen wie das Handwerkerinnenhaus sind daher unverzichtbar, um diese Themen weiter in den Vordergrund zu rücken und positive Veränderungen zu bewirken.
Und so schließt sich ein Kapitel, während ein neues beginnt. Die Geschichten, die im Handwerkerinnenhaus geschrieben werden, sind nicht nur Geschichten von Mädchen und Frauen, sondern von einer Gesellschaft, die sich kontinuierlich weiterentwickelt. Lehmann hat ihren Teil dazu beigetragen – und das wird nicht vergessen.
