Am Sonntag, den 7. Mai 2026, fand im Wiescheider Treff ein bemerkenswertes Erzählcafé statt, das die Herzen der Theaterliebhaber in Langenfeld-Wiescheid höher schlagen ließ. Martin Bornemann, ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler, entführte die Zuhörer in die Vergangenheit und präsentierte die faszinierende Geschichte des Theatervereins Othello, der von 1905 bis 1956 aktiv war. Unterstützt wurde er dabei von den Nachfahren des Gründers, August Klein: Urenkelin Susanne Schmitz-Hof, ihre Mutter Christel Schmitz und Marlies Sawinsky, eine ehemalige Kinderdarstellerin. Diese familiäre Verbindung verlieh dem Vortrag eine besonders persönliche Note.
Der Theaterverein Othello war nicht nur ein Ort der Kreativität, sondern auch ein Schmelztiegel der Gesellschaft. Bauern, Handwerker, Arbeiter und Hausfrauen fanden hier eine Bühne, um ihre Talente zu zeigen. Insgesamt 125 Stücke wurden während der aktiven Jahre aufgeführt! Die Proben fanden regelmäßig einmal pro Woche statt, und die Mitglieder waren keine faulen Zauberer, sondern packten selbst bei Requisiten, Bühnenbildern und Kostümen mit an. Das alles geschah ohne technische Hilfsmittel, was das Publikum immer wieder aufs Neue beeindruckte. Wer zu spät kam, musste ein Bußgeld zahlen, und wer sich beim Lernen seiner Rolle nicht Mühe gab, bekam eine Rüge. So sorgte eine strenge Disziplin für ein florierendes Vereinsleben.
Ein Blick in die Theatergeschichte
Die Wurzeln des Laienspiels, wie es auch im Othello gelebt wurde, reichen weit zurück. Laientheater, das oft als Volkstheater bezeichnet wird, hat eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurückgeht. Ursprünglich waren alle theatralen Aufführungen von Laien, die keine professionelle Ausbildung genossen hatten. Das Laienspiel ist also nicht nur ein Begriff, sondern ein Stück kulturelles Erbe, das in vielen deutschen Städten, so auch in Köln, lebendig gehalten wird. Besonders interessant ist der Unterschied zwischen Laienspiel und Amateurtheater. Während Amateurtheater oft eine stärkere Orientierung am Berufstheater zeigt, sind Laienspieler meist Liebhaber, die für ihre Auftritte sogar teilweise selbst zahlen.
Das Publikum des Erzählcafés zeigte sich nach Bornemanns Vortrag begeistert von der Bedeutung der Recherche für die Gegenwart. Die Diskussionen nach dem Vortrag verdeutlichten, wie wichtig es ist, die Geschichte lebendig zu halten. Dazu trägt auch die Broschüre mit 55 Seiten über die alten Zeiten bei, die sicherlich das Interesse vieler Menschen wecken wird. Das Laienspiel lebt nicht nur von den Aufführungen selbst, sondern auch von der Leidenschaft, die die Darsteller und ihre Unterstützer in die Sache stecken. In jeder Aufführung, die in Gemeindesälen, Wirtshäusern oder sogar Kirchen stattfindet, spiegelt sich das Engagement der Beteiligten wider.
Die Zukunft des Laienspiels
Es ist beeindruckend, wie sich aus den Anfängen des Laienspiels im ländlichen Raum bis heute eine Vielzahl an Formaten entwickelt hat. Von den klassischen Passionsspielen bis hin zu modernen Mischformen – das Laienspiel hat sich stets weiterentwickelt. In den letzten Jahrzehnten haben sich viele Natur- und Freilichtbühnen in Deutschland etabliert, die das Laienspiel fördern. Die Idee des Nationaltheaters im 19. Jahrhundert führte zwar zu einer gewissen Marginalisierung des Laienspiels, doch heute erlebt diese Form des Theaters eine Renaissance. Es bleibt zu hoffen, dass die Begeisterung für das Laientheater auch in Zukunft Bestand hat und weitere Generationen inspiriert.
Insgesamt war das Erzählcafé im Wiescheider Treff ein schöner Beitrag zur kulturellen Landschaft. Es ist eine Herzensangelegenheit, die Geschichten der Vergangenheit lebendig zu halten und das Laienspiel als Teil unserer Identität zu feiern. Wer weiß, vielleicht sehen wir bald wieder ein neues Stück des Theatervereins Othello – die Bühne wartet auf ihre nächsten Stars!