In den letzten Jahren hat sich in Köln-Kalk ein besorgniserregendes Phänomen entwickelt: Die Jugendkriminalität. Ein echtes Thema, das nicht nur die Nachbarschaft, sondern auch die Gesellschaft beschäftigt. Clemens Kroneberg, ein Experte auf dem Gebiet der Dunkelfeldforschung, hat Tausende von Jugendlichen zu ihren Erlebnissen befragt – und was er herausfand, ist alles andere als einfach. Die Gründe, warum Jugendliche in die Kriminalität abrutschen, sind vielfältig und oft tief verwurzelt in persönlichen Erfahrungen und dem sozialen Umfeld.

Die Studien zeigen, dass individuelle Neigungen, wie Impulsivität und moralische Einstellungen, sowie Gewalterfahrungen im Elternhaus entscheidende Faktoren sind. Das ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass in benachteiligten Nachbarschaften häufig Situationen entstehen, die Gewalt begünstigen. Armut allein ist jedoch nicht der alleinige Übeltäter; auch wohlhabende Jugendliche können soziale Defizite aufweisen. Ein gewisses Suchtpotenzial, das durch Drogenkonsum und Provokationen in der Umgebung verstärkt wird, ist nicht zu unterschätzen. Es gibt Vorbilder, die im Viertel Drogen dealen – für viele Jugendliche scheint das ein attraktiver Lebensweg zu sein.

Die Realität der Gewaltakzeptanz

In Stadtteilen mit hoher Kriminalität wird Gewalt oft als Mittel zur Erlangung von Respekt akzeptiert. Merkwürdigerweise lehnt die Mehrheit der Jugendlichen in problematischen Gebieten Gewalt ab. Doch eine Minderheit sieht das anders und bejaht die Gewalt. Das ist ein Dilemma – wie geht man damit um? Auf der anderen Seite ist der Zusammenhang zwischen Migration und Kriminalität nicht so klar, wie man denken könnte. Polizeistatistiken können oft verzerrt sein, da die höhere Kriminalität in Stadtteilen mit einem höheren Migrantenanteil auch durch verstärkte Polizeipräsenz erklärt werden kann.

Die Dunkelfeldforschung ist hier von großer Bedeutung, da sie ein umfassenderes Bild der Kriminalität vermittelt. Das Bundeskriminalamt (BKA) erfasst mit den sogenannten Viktimisierungssurveys das Aufkommen an Opfererfahrungen und liefert wichtige Daten, die über das „Hellfeld“ hinausgehen. Diese Erhebungen, wie die bundesweite Umfrage „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“ (SKiD), helfen, die tatsächlichen Bedingungen besser zu verstehen. Die erste SKiD-Erhebung fand 2020 statt und die nächste steht für 2024 an. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, um die Entwicklungen im Bereich der Kriminalität und das Sicherheitsempfinden in der Bevölkerung zu erfassen.

Hilfsangebote und Präventionsstrategien

Wenn man sich die Situation genauer anschaut, wird klar: Es braucht mehr als nur eine oberflächliche Betrachtung. Helfersysteme, wie die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, haben oft mit Sprachbarrieren zu kämpfen, was die Hilfe erschwert. Die Etikettierung von Stadtteilen als „Brennpunkte“ hat ebenfalls negative Auswirkungen – ressourcenstärkere Familien ziehen weg, während die, die bleiben, oft in einem Teufelskreis gefangen sind. Hier kommt die Berichterstattung ins Spiel: Sie sollte die Mehrheit der Jugendlichen, die Gewalt ablehnen, ins Rampenlicht rücken und nicht nur die negativen Aspekte beleuchten.

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Es gibt verschiedene Vorschläge zur Bekämpfung von Jugendkriminalität: soziale und emotionale Kompetenztrainings, eine Stärkung der Helfersysteme, mehr Streetworker und Schulsozialarbeit. Programme wie „Kurve kriegen“ in Nordrhein-Westfalen zeigen, wie eine Zusammenarbeit zwischen Schule, Polizei und Sozialarbeit fruchtbringend sein kann. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass Datenschutzfragen, die die Netzwerkarbeit zwischen den Akteuren erschweren, nicht zum Stolperstein werden.

Der Weg zu einer sicheren und gewaltfreien Jugend ist lang und steinig. Aber mit der richtigen Unterstützung und einem klaren Blick auf die komplexen Zusammenhänge kann vielleicht ein Umdenken stattfinden. Es ist ein Aufruf, die Augen zu öffnen und die Jugendlichen nicht nur als Täter, sondern auch als Betroffene zu betrachten – denn letztlich sind sie die Zukunft unserer Gesellschaft.