Heute ist der 20.06.2026 und wir sind im pulsierenden Stadtteil Kalk. Hier, wo der Bürgerpark der Dreh- und Angelpunkt für viele ist, sitzt Luigi La Vergata, ein 79-jähriger Mann, der den Sommer damit verbringt, den Jugendlichen beim Fußballspielen zuzusehen. Mit einem freundlichen Lächeln gibt er ihnen Tipps, als wäre er ihr persönlicher Coach. In den letzten 20 Jahren hat er sich hier einen Namen gemacht – viele nennen ihn den „Papa von Kalk“. Aber hinter der herzlichen Fassade verbirgt sich eine ernste Realität. Kalk ist nicht irgendein Viertel; es ist ein Hotspot für Drogenkriminalität, zwei seiner Quartiere zählen zu den zehn am stärksten betroffenen in Köln.

Die Situation ist komplex. Hohe Arbeitslosigkeit und ein großer Anteil an Menschen mit Migrationsgeschichte prägen das Bild. Ahmad, ein kurdischer Flüchtling aus Syrien, beschreibt Kalk als seine zweite Heimat. Dennoch sieht er den Drogenkonsum und -handel als große Probleme an. Er hat selbst eine bewegte Vergangenheit; als Dachdecker war er in Drogenkriminalität verwickelt und verbrachte anderthalb Jahre im Gefängnis. Das ist nicht die einzige Geschichte hier. Mofasser, ein 26-jähriger Flüchtling aus Afghanistan, hat ähnliche Gedanken. Er möchte wegen der Drogenproblematik und der Angst vor Gewalt aus Kalk wegziehen, doch die Wohnungssuche gestaltet sich als äußerst schwierig.

Herausforderungen für die Jugend

Die Streetworker Fézane Tobias, Markus Zettelmeyer und Karoline Mandel sind unermüdlich im Bürgerpark unterwegs. Ihr Ziel: die Jugendlichen unterstützen und ihnen eine Perspektive bieten. Drogenkriminalität ist in Kalk hochprofessionalisiert – Cafés und Kioske dienen als Umschlagplätze. Polizeibeamte haben es schwer, die Handelsstrukturen zu durchbrechen, denn die Verkäufer werden im Handumdrehen ersetzt. Die Polizei führt regelmäßige Kontrollen durch, seit Kalk videoüberwacht wird. NRW-Innenminister Herbert Reul sieht die Drogenkriminalität als einen zentralen Treiber von Unsicherheit und betont die Wichtigkeit von Präventionsmaßnahmen.

Das Thema Jugendkriminalität ist nicht neu. Studien zeigen, dass sozial benachteiligte Jugendliche oft in den Strudel der Delinquenz geraten. Die Ursachen sind vielfältig. Die Forschung hat ergeben, dass Peers einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten von Jugendlichen haben. Oftmals sind sie es, die den Weg in die Kriminalität ebnen oder aber auch helfen können, diesen zu verlassen. Das ist eine Herausforderung, der sich auch die Streetworker stellen müssen.

Prävention ist der Schlüssel

Die hohe Kriminalitätsrate in Kalk ist nicht nur ein Produkt der Drogenproblematik. Kriminologin Lisa Tölle weist darauf hin, dass die verstärkten Kontrollen ebenfalls zur Wahrnehmung der Kriminalität beitragen. Die Verbrechensstatistiken zeigen eine auffällige Häufung, die oft auf die Umstände und nicht die Individuen zurückzuführen ist. Studien belegen, dass eine gelungene Prävention entscheidend ist, um Jugendliche von einem kriminellen Weg abzuhalten. Programme, die auf die sozialen Hintergründe der Jugendlichen eingehen, könnten hier der Schlüssel sein.

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Das BKA hat das SKiD-Dashboard entwickelt, um Bürgern Zugang zu Daten über Sicherheit und Kriminalität zu ermöglichen. Hier können Auswertungen nach Geschlecht, Alter und Migrationshintergrund generiert werden. Das zeigt, wie wichtig es ist, die Zusammenhänge zu verstehen und gezielt anzugehen. Ergebnisse der Erhebungswellen von 2020 und 2024 geben Aufschluss über die gefühlte Sicherheit in den Stadtteilen und könnten helfen, die Maßnahmen der Polizei besser zu steuern.

Die Herausforderungen in Kalk sind groß, doch es gibt auch Hoffnung. Die engagierten Menschen, die hier arbeiten, kämpfen für eine bessere Zukunft. Auch wenn der Weg steinig ist, gibt es immer wieder kleine Lichtblicke. Das Leben hier ist bunt und vielschichtig, und manchmal ist es gerade die Mischung aus Problemen und Hoffnung, die das Viertel so einzigartig macht.