Kalk im Aufbruch: Gemeinsam für ein lebendiges Viertel
Im Herzen von Kalk brodelt es – und das nicht nur wegen der letzten Kaffeepause im lokalen Café. Jonas Zimmer, der Vorsitzende des Bürgervereins Kalk, hat die Nase voll. Der Stadtteil, so scheint es, wird mal wieder auf die hinteren Plätze verwiesen. „Wir brauchen mehr Investitionen in die kulturelle und soziale Infrastruktur“, sagt er und bringt damit auf den Punkt, was vielen im Viertel durch den Kopf geht. Es wird viel über Polizeipräsenz gesprochen, doch die strukturelle Vernachlässigung durch die Stadt ist das eigentliche Problem. Ein Gefühl, als hätte man Kalk aufgegeben. Projekte und Belastungen werden einfach hierher verlagert, während auf der anderen Rheinseite noch Platz für Neues geschaffen wird. Die Überlegung, den Hauptbahnhof ins Veedel zu verlegen, ist für ihn ein deutliches Zeichen dafür, dass die Stadt ihre Prioritäten ganz woanders setzt.
Zimmer kritisiert zudem die anhaltenden 30 Jahre Bauarbeiten, die dem Viertel zugemutet werden, um in der Innenstadt ein „grünes Paradies“ zu schaffen. „Warum muss Kalk darunter leiden?“, fragt er und gibt zu, dass das Kriminalitätsproblem im Viertel real ist. Doch das ist nur ein Symptom der Vernachlässigung. Viele Bewohner kämpfen mit Armut, während Immobilieninvestoren schon mit der Gabel auf den Tisch hauen. „Kaltmieten von knapp 20 Euro pro Quadratmeter? Das ist schlichtweg unmöglich für die meisten hier“, so Zimmer. Die Diskrepanz zwischen der Armut der Menschen und den steigenden Lebenshaltungskosten schürt nicht nur die Kriminalität, sondern sorgt auch für ein Bild der Unordnung, das viele im Viertel frustriert. Mangelnde Sauberkeit im öffentlichen Raum ist ein drängendes Problem. Und für die mehrsprachigen Bewohner gibt es kaum Informationen zur ordnungsgemäßen Abfallentsorgung. „Wir brauchen Informationskampagnen und mehr Präsenz vom Ordnungsamt“, fordert er.
Ein starkes Miteinander
Doch der Bürgerverein Kalk sieht nicht nur Negatives. Trotz aller Probleme ist das Viertel voller Leben und Möglichkeiten. Offenheit und Neugier sind die Zutaten, die den Zusammenhalt stärken können. Es gibt Initiativen, die darauf abzielen, Integration und sozialen Zusammenhalt zu fördern. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) stellt Fördermittel bereit, um Begegnungsräume für alle Menschen zu schaffen, egal woher sie kommen oder wie viel sie verdienen. In ganz Deutschland leben mittlerweile 2,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund – das sind 27,3 Prozent der Bevölkerung. Integration wird also immer wichtiger, nicht nur in Großstädten, sondern auch in kleineren Städten und Landkreisen.
Programme wie der Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“ unterstützen die bauliche Sanierung und den Ausbau sozialer Infrastrukturen, etwa von Bildungseinrichtungen und Bürgerhäusern. Von 2017 bis 2020 wurden jährlich 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und zahlreiche Maßnahmen in etwa 550 Kommunen umgesetzt. Das ist ein Zeichen, dass man die sozialen Strukturen stärken will – auch in Kalk. Diese Förderungen könnten dazu beitragen, dass der Stadtteil aufblüht und das Bild, das viele von ihm haben, sich zum Positiven wendet.
Der Weg zur Veränderung
Das Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“, das bereits 1999 ins Leben gerufen wurde, hat das Ziel, benachteiligte Stadtteile aufzuwerten. Bis 2019 wurden 965 Gebiete in 544 Kommunen gefördert. Das Programm verbindet bauliche Investitionen mit wichtigen sozialen Maßnahmen. Es geht um die Verbesserung der Lebensbedingungen und den Abbau sozialräumlicher Disparitäten. Die Bundesregierung hat die Mittel für diese Programme in den letzten Jahren aufgestockt – ein Schritt in die richtige Richtung, um die Quartiere sozial gerechter zu entwickeln. Dabei ist der Fokus klar: Es geht um die Schaffung von generationengerechten, familienfreundlichen und altersgerechten Infrastrukturen, die den sozialen Zusammenhalt fördern.
Das alles sind Schritte, die auch in Kalk ankommen sollten. Die Einbindung von Partnern aus der Wirtschaft und Gesellschaft ist dabei unerlässlich. Quartiersmanagement kann helfen, die Maßnahmen zu koordinieren und die Bewohner aktiv in die Veränderungen einzubeziehen. Denn nur gemeinsam kann man die Herausforderungen meistern und ein Viertel schaffen, das für alle lebenswert ist. Das Bild von Kalk könnte sich bald in ein positives Licht rücken, wenn die Stadt endlich die Weichen richtig stellt.
