In der Kölner Südstadt hat sich im Sozialpsychiatrischen Zentrum Innenstadt (SPZ) etwas ganz Besonderes ereignet. Sechs Hühner haben im April ihr neues Zuhause bezogen – und was für ein Zuhause! Ein neues und sicheres Gehege wurde errichtet, nachdem vor einem Jahr ein Marder das vorherige Hühnerleben brutal beendet hatte. SPZ-Leiter Robert Schlappal erzählt, dass die Idee für eine neue Unterkunft schon länger in den Köpfen der Verantwortlichen herumspukte, es aber an Geld und Manpower fehlte. Doch jetzt ist alles anders. Unterstützt wurde das Projekt von Ford, die großzügige 2000 Euro zur Verfügung stellten und auch tatkräftig mit anpackten. Ein echtes Gemeinschaftsprojekt!
Die Hühner sind nicht nur für die Eierproduktion da – das ursprüngliche Ziel, das 2015 ins Leben gerufen wurde, hat sich gewandelt. Jetzt geht es um viel mehr: Die Tiere fördern die Bindung zwischen den Besuchern und Nachbarn, stärken das Gemeinschaftsgefühl und helfen Menschen mit psychischen Erkrankungen, eine Tagesstruktur und Selbstwirksamkeit zu erfahren. Täglich besuchen zwischen 20 und 40 Menschen das SPZ, ein Ort, an dem nicht nur Therapie, sondern auch das Zusammensein im Mittelpunkt steht.
Ein kleiner Helfer
Besonders erfreulich ist das Engagement eines Nachbarsmädchens namens Edda. Die zehnjährige Edda kümmert sich ehrenamtlich um die Hühner und hat sogar ein Patenhuhn, das auf den Namen Frida hört. Ihre Begeisterung für die Tiere ist ansteckend und zeigt, wie wichtig solche sozialen Projekte für die Gemeinschaft sind. Hier wird nicht nur etwas für die eigene Seele getan, sondern auch für die, die weniger Glück hatten.
Es ist interessant zu sehen, wie das Thema Tierhaltung in sozialen Projekten immer mehr an Bedeutung gewinnt. In Niedersachsen beispielsweise gibt es ein ernstes Problem mit Animal Hoarding, wo Menschen Tiere aus Vernachlässigung retten. Laut dem Tierschutzbund stiegen die Fälle in Deutschland 2024 auf über 140, was einen Rekordwert darstellt. Hier stehen oft psychische Erkrankungen der Halter im Hintergrund – eine Thematik, die auch im SPZ eine Rolle spielt. Hier wird nicht nur an der Gesundheit der Menschen gearbeitet, sondern auch an der der Tiere, die oft unter mangelhafter Versorgung leiden, wenn sie in falsche Hände geraten.
Therapeutische Hühner
Ähnlich wie im SPZ wird auch bei der Caritas-Tagesstätte für psychische Gesundheit in Dillingen mit Hühnern gearbeitet. Dort sind 15 Junghühner im „Garten der Begegnung“ untergebracht. Verena von Janotta, die als Heilerziehungspflegerin fungiert, sieht in den Tieren eine Möglichkeit, positive therapeutische Effekte zu erzielen. Klienten dürfen die Hühner füttern und sich um sie kümmern – eine Aufgabe, die nicht nur Freude bringt, sondern auch soziale, emotionale und motorische Fähigkeiten fördert. Das Hühnergehege wird mittlerweile sogar um eine Hühnerschaukel ergänzt, die die Tierchen zum Schwingen bringt – eine einfache, aber geniale Idee!
Die Verknüpfung von Mensch und Tier in therapeutischen Kontexten zeigt, wie wichtig es ist, neue Wege in der psychosozialen Unterstützung zu finden. Die Hühner bringen nicht nur Farbe und Leben in den Alltag, sie helfen auch dabei, die Herausforderungen des Lebens zu meistern. Egal ob im SPZ oder bei der Caritas – die tiergestützte Therapie hat sich als wertvolles Instrument etabliert und öffnet Türen zu neuen Erfahrungen und Begegnungen.