Am Dienstag, den 15. Juli 2026, wagte sich Philipp Türoff, der Geschäftsführer des 1. FC Köln, zum ersten Mal in die Welt der Justizvollzugsanstalten. Mit einem gewissen Kribbeln im Bauch besuchte er die JVA Ossendorf, um sich ein Resozialisierungsprojekt der FC-Stiftung anzuschauen. Ein spannendes Event, das nicht nur für die Gefangenen, sondern auch für die Besucher von Bedeutung war. Gemeinsam mit Vizepräsident Jörg Alvermann, der mit seinen 55 Jahren schon einiges erlebt hat, verschaffte sich Türoff einen Eindruck davon, wie Fußball als Brücke zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen fungieren kann.

In der JVA war die inklusive Fußball-Mannschaft des FC Germania Zündorf am Start und trat gegen eine Auswahl von Inhaftierten an. Nur die Gefangenen, die sich vorbildlich verhalten hatten, durften mitspielen – die Schwere des Verbrechens, das sie begangen hatten, spielte dabei keine Rolle. Türoff betonte während des Spiels die immense Bedeutung solcher Projekte für die gesellschaftliche Teilhabe. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Sport Menschen zusammenbringt, besonders in einem Umfeld, das oft von Isolation geprägt ist.

Gemeinschaft durch Sport

Die JVA Ossendorf beherbergt rund 1.000 Menschen, und viele von ihnen sehen sich mit einer hohen Rückfallquote konfrontiert: Etwa 50% der Inhaftierten werden nach ihrer Entlassung erneut straffällig. Das ist eine erschreckende Zahl, die deutlich macht, wie wichtig Resozialisierungsangebote sind. Sportliche Aktivitäten helfen hier ungemein. Sie fördern den sozialen Austausch und stärken die Gesundheit, während sie gleichzeitig soziale Normen vertiefen. In diesem Fall ist der Fußball nicht nur ein Spiel, sondern eine Möglichkeit, soziale Kompetenzen zu erlernen und Teil einer Gemeinschaft zu werden – ein Gefühl, das vielen Inhaftierten oft fehlt.

Die Bundesjustizministerin Stefanie Hubig, die von der Kölner Bundestagsabgeordneten Sanae Abdi eingeladen wurde, war ebenfalls anwesend und äußerte sich positiv über den Austausch zwischen den Gefangenen und Menschen mit Beeinträchtigungen. Ein Dialog, der für alle Beteiligten bereichernd ist. Die regelmäßigen Besuche der FC-Stiftung in der JVA Ossendorf sind nicht nur sporadische Events – sie sind Teil einer langfristigen Partnerschaft. Diese begann mit jährlichen Besuchen der FC-Frauen und wird nun von wechselnden Gruppen aus der FC-Familie fortgeführt.

Die Herausforderungen der Resozialisierung

Die Haftbedingungen und der Alltag in einer JVA können zu einem Rückgang sozialer Kompetenzen und psychischen Problemen führen. Häufig leiden die Inhaftierten unter sozialer Isolation, was die Rückkehr ins Leben nach der Haft deutlich erschwert. Hier setzt die FC-Stiftung an: Mit kreativen, musikalischen und sportlichen Angeboten wird versucht, den Gefangenen Perspektiven aufzuzeigen und sie in die Gesellschaft zurückzuführen. Denn nach der Entlassung ist der Weg zurück ins normale Leben oft steinig. Die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten kann eine Art von Therapie sein, die den Inhaftierten das Gefühl gibt, als Menschen wahrgenommen zu werden.

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Das Bundesministerium der Justiz hat in den letzten Jahren mehrere Neuerungen beschlossen, darunter eine Halbierung der Ersatzfreiheitsstrafe und die Möglichkeit, Strafen durch gemeinnützige Arbeit abzuleisten. Das zeigt, dass auch auf politischer Ebene ein Umdenken stattfindet, um den Inhaftierten eine echte Chance auf Resozialisierung zu geben. Wenn der Austausch zwischen der Gesellschaft und den Inhaftierten funktioniert, können alle davon profitieren – das ist die Hoffnung und das Ziel solcher Projekte.