Heute ist der 10.05.2026 und in Chorweiler wird es ein bisschen magisch, wenn die Kirchenglocken von St. Peter und Paul zum Leben erwachen. Diese Glocken haben nicht nur eine lange Geschichte, sondern erzählen auch Geschichten, die tief in die Seele dieser Stadt eingewoben sind. Am vergangenen Samstag stand Andrea Töpfer vor dem Glaspavillon auf dem Vorplatz der Kirche und ließ die Zuhörer in die faszinierende Welt der Glocken eintauchen. Die acht Kirchenglocken, die hier läuten, sind Zeugen vergangener Zeiten und tragen Erinnerungen an Freude und Trauer in sich.

Besonders die größte und bekannteste Glocke, die Marienglocke, die 1498 von Johannes von Venlo gegossen wurde, hat es in sich. Andrea erzählte von zwei Sagen, die sich um diese Glocke ranken – eine handelt von Schweinehirten, die sie nach dem Dreißigjährigen Krieg fanden, und die andere von den Erzbischöfen aus Köln, die ein großes Interesse an ihrem Geläut hatten. Solche Geschichten verleihen den Glocken eine unverwechselbare Note und machen sie zu einem Teil des kulturellen Erbes der Region.

Ein Stück Frieden aus Chorweiler

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch eine besondere Glocke präsentiert: die Friedensglocke aus Chorweiler. Diese Glocke, die am 26. April 2014 gegossen wurde, kann bis zum 22. Mai besichtigt werden. Um sie zu schaffen, reiste der Glockengießer Bruder Michael Reuter mit seiner Crew aus der Benediktinerabtei Maria Lach an. Besucher hatten die Möglichkeit, Erde aus ihren Gärten oder Herkunftsländern mitzubringen, um sie in die Glockengussform zu füllen. Diese Heimaterde gab der geschmolzenen Bronze Halt und verankerte die Glocke mit den Wurzeln der Menschen, die sie umgeben.

Die Bedeutung von Kirchenglocken geht jedoch weit über das Lokale hinaus. Am 26. März 2025 wurde „Glockenguss und Glockenmusik“ sogar in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Bischof Dr. Georg Bätzing unterstrich, dass 85 Prozent der Glocken in Deutschland Kirchenglocken sind. Diese werden nicht nur für kirchliche Anlässe geläutet, sondern sind auch Teil des kollektiven kulturellen Gedächtnisses. Der Klang der Glocken ist ein textloser Naturton, der für Menschen aller Sprachen und Kulturen anschlussfähig ist – eine universelle Sprache, könnte man sagen.

Die Tradition des Glockengusses

Die Herstellung von Glocken ist eine Kunst für sich und wird traditionell im Lehmformverfahren durchgeführt, das im 12. Jahrhundert entwickelt wurde. Das Wissen um diese Technik und die damit verbundenen Bräuche sind wichtige Bestandteile unseres kulturellen Erbes. Es ist bemerkenswert, dass in Deutschland mehr als 90.000 Kirchenglocken existieren, die regelmäßig läuten. Doch die Geschichte der Glocken ist nicht immer eine friedliche; mehr als 80.000 Kirchenglocken wurden in den beiden Weltkriegen durch Einschmelzen und Bombeneinwirkung vernichtet. Ein trauriges Kapitel, das zeigt, wie zerbrechlich unser kulturelles Erbe sein kann.

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Diese Veranstaltung in Chorweiler hat nicht nur die Schönheit und den Klang der Glocken hervorgehoben, sondern auch die Verbindung der Menschen zu ihrer Geschichte und Kultur. Am Ende der Veranstaltung besichtigten 15 Besucher die Glockenstube und nahmen ein Stück dieser magischen Erfahrung mit nach Hause. Der Klang der Glocken wird weiterhin durch die Straßen von Chorweiler hallen und die Menschen an ihre Wurzeln erinnern – eine lebendige Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.