Schlangen im Wandel: Wenn die heimischen Reptilien unsere Gärten erobern
In Deutschland gibt es so manches, das sich im Verborgenen abspielt. Dazu gehören auch unsere heimischen Schlangenarten, die sich immer mehr in die öffentliche Wahrnehmung drängen – und das nicht ohne Grund. Die Bundesrepublik, die ursprünglich sieben Schlangenarten beherbergt, sieht sich einer ganz neuen Realitätswelle gegenüber, die durch den Klimawandel und die damit einhergehenden Veränderungen in den Lebensräumen bedingt wird. Besonders in den warmen Gefilden Süddeutschlands, wie Bayern, machen sich die Reptilien aus Südeuropa breit.
Die Vierstreifennatter (Natrix maura), die vor allem in Italien und auf dem Balkan vorkommt, zeigt sich immer häufiger in Bayern. In den letzten fünf Jahren wurden etwa 15 Exemplare gesichtet. Man findet sie an Wiesen und Waldrändern, wie eine kleine, lebendige Erholung für die Augen der Naturfreunde. Diese Schlangen sind ungiftig und können sogar bis zu zwei Meter lang werden! Das macht sie zwar nicht unbedingt zur Hauptattraktion eines Zoos, aber sie sind definitiv ein Hingucker, wenn man sie mal zu Gesicht bekommt – auch wenn das gar nicht so einfach ist, denn Schlangen sind eher scheu und meiden den Menschenkontakt.
Ein neues Zuhause für alte Bekannte
Der Klimawandel ist ein großer Treiber dieser Migration. Steigende Temperaturen, Verlust von Lebensräumen in den Herkunftsregionen und die unbeabsichtigte Einschleppung über den Gartenhandel sind die Hauptgründe, warum wir immer mehr dieser faszinierenden Tiere hierzulande sehen. Die Vipernatter, eine weitere ungiftige Art, die bis zu einem Meter lang wird, könnte ebenfalls dazu stoßen. Doch die Frage bleibt: Können sich diese Arten auch dauerhaft in Bayern etablieren? Kalte Winter könnten ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.
Die Liste der heimischen Schlangenarten ist nicht sehr lang und umfasst die Kreuzotter, Aspisviper, Würfelnatter, Äskulapnatter, Schlingnatter, Ringelnatter und die seit 2017 als eigene Art geltende Barrenringelnatter. Unter diesen sind die Kreuzotter und die Aspisviper die einzigen giftigen Arten. Alle Schlangen in Deutschland sind jedoch gefährdet und gesetzlich geschützt. Das bedeutet, dass wir sie nicht nur bewundern, sondern auch aktiv schützen müssen.
Der schleichende Wandel
Die Bedrohungen durch den Klimawandel – wie steigende Temperaturen, Trockenheit und Nahrungsmangel – sind dabei nicht zu unterschätzen. Lebensräume wie Gärten und Parks sind betroffen und bieten oft nicht mehr die nötigen Rückzugsorte für diese scheuen Tiere. Und mal ehrlich, wer von uns denkt schon an Schlangen, wenn wir unseren Garten gestalten? Dabei können naturnahe Strukturen wie Steinhaufen, Totholz und artenreiche Gärten wahre Rückzugsgebiete schaffen.
Gerade jetzt, wo Hobbygärtner ab Oktober die Hecken und Büsche zurückschneiden dürfen, wäre es wichtig, ein wenig Rücksicht auf die heimische Tierwelt zu nehmen. Denn wir brauchen diese Tiere! Schlangen helfen, die Mäusepopulationen zu kontrollieren und tragen damit zu einem Gleichgewicht in der Natur bei. Es ist ein Geben und Nehmen, ein Zusammenspiel, das für viele von uns unsichtbar bleibt, aber doch so essenziell ist.
Wenn man darüber nachdenkt, haben Schlangen in vielen Kulturen eine tief verwurzelte symbolische Bedeutung. Ob in der Bibel, der griechischen Mythologie oder in der popkulturellen Aneignung, sie sind immer wieder ein faszinierendes und teils auch mysteriöses Element. Ihre Rolle in der Natur, die oft unterschätzt wird, ist jedoch nicht nur literarisch, sondern auch ganz real. Der Erhalt und die Pflege ihrer Lebensräume ist mittlerweile wichtiger denn je – und das geht uns alle an.
