Achim gegen die Falschparker: Der Radfahrer, der Kölns Straßen sicherer machen will
In Köln sorgt ein Radfahrer, Achim, für Aufsehen – und zwar nicht nur wegen seiner Leidenschaft für das Radeln. Der 60-Jährige dokumentiert akribisch Falschparker auf Radwegen und erstattet regelmäßig Anzeigen. Besonders dienstags, mittwochs und donnerstags zwischen 8 und 9 Uhr ist Achim auf der Butzweilerhofallee unterwegs. Dort, im Bereich der Agentur für Arbeit, parken oft bis zu sechs Autos auf dem Radweg. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich für alle Radfahrenden.
So mancher Autofahrer versucht, sich mit Ausreden wie „Die anderen parken doch auch hier“ oder „Ich wusste nicht, dass hier ein Radweg ist“ aus der Affäre zu ziehen, wenn Achim sie darauf anspricht. In der Regel bleibt das bei Achim nicht ohne Folgen: Über 120 Fotos hat er bereits gemacht und erstattet wöchentlich zwischen fünf und zehn Anzeigen bei der städtischen Bußgeldstelle. Doch die Reaktion der Stadt Köln? Leider gleich null, trotz seiner Vorschläge für farbliche Markierungen oder Poller. Ein Sprecher des Ordnungsamtes betont zwar, dass täglich gegen Falschparker vorgegangen wird, doch für Achim fühlt es sich an, als würde gegen Windmühlen gekämpft.
Falschparken gefährdet Radfahrer
Die Problematik ist nicht zu unterschätzen. Falschparker begehen eine Ordnungswidrigkeit und gefährden damit nicht nur sich selbst, sondern auch Unbeteiligte. Die Verkehrsdirektion der Polizei Köln weist darauf hin, dass über ein Viertel der Unfälle auf falsch geparkte Autos zurückzuführen ist, die Radfahrende zum Ausweichen in den Gegenverkehr zwingen oder Sichtbehinderungen verursachen. Da kann man sich schon mal fragen, ob die Autofahrer sich ihrer Verantwortung wirklich bewusst sind.
Im letzten Jahr gab es in Köln 229 Fahrradunfälle, darunter zehn Schwerverletzte. Die Zahl der getöteten Radfahrer ist bundesweit seit 2010 um 16,8 Prozent gestiegen – ein alarmierender Trend. 2018 starben in Köln sieben Radfahrende, während deutschlandweit 445 Menschen in ähnlichen Situationen ihr Leben verloren. Und das Falschparken trägt seinen Teil dazu bei, denn es führt nicht nur zu gefährlichen Situationen, sondern auch zu unnötigen Konflikten im Straßenverkehr.
Aktionen für mehr Sicherheit
Am 8. Juni führte Greenpeace eine Aktion durch, bei der Radfahrer die Fahrbahn blockierten, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Jürgen Borkowski von Greenpeace Köln betonte die Gefahren, die Falschparker für Radfahrende darstellen. Die wachsende Anzahl an Fahrradunfällen – im Jahr 2024 waren es 441 Radfahrer, die ihr Leben verloren, darunter 192 mit einem Pedelec – macht deutlich, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.
Besonders besorgniserregend ist, dass knapp zwei Drittel der tödlich verunglückten Radfahrenden 65 Jahre oder älter waren. Das zeigt, dass die Schwächeren im Straßenverkehr besonders gefährdet sind. Zudem waren 70,7 % der Unfälle mit einem anderen Verkehrsteilnehmer verbunden, häufig war dies ein Autofahrer. In diesen Fällen trugen Radfahrende nur in 24,7 % der Fälle die Hauptschuld. Das zeigt, dass die Verantwortung oft nicht bei den Radfahrenden liegt, die in ihren kleinen, wendigen Vehikeln für die Sicherheit anderer oft hohe Risiken eingehen müssen.
Achim und seine Mitstreiter setzen sich also nicht nur für ihre eigene Sicherheit ein, sondern für alle Radfahrenden in Köln. Es bleibt zu hoffen, dass die Stadt Köln und die Autofahrer endlich ein Umdenken vornehmen und die Straßenverhältnisse für alle Verkehrsteilnehmer verbessern. Denn Radfahren sollte nicht nur gesund und umweltfreundlich sein, sondern vor allem auch sicher!
