Am vergangenen Sonntag, dem Hochfest des Heiligsten, hielt Domkapitular Markus Hofmann eine bewegende Predigt, die so ganz im Zeichen von Heiligkeit und innerer Ruhe stand. Er sprach über Heiligkeit als einen Weg, den die Heiligen vollendet haben. Dabei holte er den Propheten Elia ins Spiel, der am Berg Horeb die tiefgreifende Erkenntnis machte, dass Gott nicht im Sturm oder Erdbeben zu finden ist – nein, er ist im sanften Säuseln verborgen. Ein Bild, das zum Nachdenken anregt und uns einlädt, die Hektik des Alltags hinter uns zu lassen.
Besonders berührte Hofmann die Erinnerung an Edith Stein, die in Köln lebte und eine tiefe Verbindung zum Herzen Jesu hatte. Ihre Worte, die sie in einem letzten Brief aus dem Konzentrationslager Westerbork an ihre Lieben richtete, sind nach wie vor ein eindringlicher Appell: „Wir vertrauen auf euer Gebet. Es sind hier so viele Menschen, die Trost brauchen.“ Wie stark! Selbst in der dunkelsten Zeit fand sie Trost im ruhigen Herzen Jesu, das, wie Hofmann es ausdrückte, „still und beständig wacht aus Liebe zu dir und zu mir“. Diese innige Verbindung wird in ihrem Gebet zur heiligen Kommunion deutlich: „Du senkst voll Liebe deinen Blick und füllst mit Frieden tief das Herz.“
Ein Leben in der Suche nach Wahrheit
Edith Stein wurde am 12. Oktober 1891 in Breslau als jüngstes von elf Kindern in einer jüdisch-orthodoxen Familie geboren. Ihr Vater verstarb, als sie noch ganz klein war. Ihre Mutter führte den Holzhandel weiter und sorgte dafür, dass die Kinder eine solide Ausbildung erhielten. Was für eine Herausforderung! Nach ihrem vorzeitigen Schulabbruch im Jahr 1906 zog sie zu ihrer Schwester nach Hamburg – der erste Schritt in ein Leben, das bald von außergewöhnlicher Bedeutung sein sollte.
Das Studium der Philosophie an den Universitäten Breslau, Göttingen und Freiburg prägte Edith Stein entscheidend. Sie promovierte 1916 bei Edmund Husserl und war bis 1918 seine wissenschaftliche Assistentin. Doch ihre Reise war nicht ohne Hürden. Als Jüdin wurde sie 1933 entlassen, nachdem die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Ihr mutiger Brief an Papst Pius XI. zeugt von ihrem unerschütterlichen Glauben und ihrem Einsatz gegen die Verfolgung von Juden.
Der Weg zur Heiligkeit
Edith Stein trat am 14. Oktober 1933 in den Kölner Karmel ein und nahm den Ordensnamen Teresa Benedicta a Cruce an. In dieser Zeit fand sie einen Weg, der tief in ihrer Seele verankert war. Ihre Beschäftigung mit den Schriften des heiligen Johannes vom Kreuz und ihr unvollendetes Werk „Kreuzeswissenschaft“ zeigen, wie sehr sie in dieser Welt der Dunkelheit Licht suchte. Doch die Schatten waren schon lang und ihre Geschichte nahm eine tragische Wendung.
Am 2. August 1942 wurde sie zusammen mit ihrer Schwester Rosa von der Gestapo verhaftet. Die Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau folgte am 7. August 1942. Am 9. August, ihrem Gedenktag, wurde sie vergast. Die Tragik ihres Schicksals wird durch die Tatsache verstärkt, dass Papst Johannes Paul II. sie 1987 seligsprach und 1998 heilig sprach. 1999 wurde sie zur Mit-Schutzpatronin Europas erklärt – ein Zeichen der Hoffnung und des Glaubens, das über die Jahrhunderte hinweg besteht.
Was bleibt, ist die Frage nach der Art und Weise, wie wir unsere eigene Heiligkeit suchen. Hofmann forderte dazu auf, wie Edith Stein zu beten – nicht mit perfekten Worten, sondern mit der Glut eines von Liebe brennenden Herzens. Diese Botschaft ist zeitlos und erinnert uns daran, dass wahre Heiligkeit aus einer tiefen, inneren Verbindung zu Gott und zu den Mitmenschen entsteht. Vielleicht ist es genau das, was wir in unserer hektischen Welt mehr denn je brauchen.