In Nippes, wo das Leben pulsiert und die Nachbarn sich gut kennen, hat Wolfgang Schubert ein weiteres Mal mit Graffiti zu kämpfen. Mitte April entdeckte er die bunten Schmierereien auf der Mauer der Alhambra-Anlage im Inneren Grüngürtel. Diese Mauer, die das liebevoll gestaltete Brunnen-, Baum- und Beet-Ensemble vom benachbarten Spielplatz trennt, wurde nun zum Ziel von Sprayern. Schubert, der Teil einer engagierten Gruppe ist, die sich um die Pflege dieser Anlage kümmert, ist sichtlich unzufrieden mit der Verunstaltung und der Ignoranz gegenüber dem denkmalgeschützten Ensemble. „Es ist einfach traurig“, sagt er, während er auf die großflächigen, zweidimensionalen Namens-Tags zeigt, die das Bild der Anlage trüben.
Die Alhambra-Anlage, die 1924 von Stadtplaner Fritz Schumacher entworfen wurde, hat eine bewegte Geschichte. Vor nicht allzu langer Zeit wurde sie aufwändig saniert, nicht zuletzt mit Unterstützung der Kölner Grün-Stiftung, die sich um die Erneuerung von Bänken, Mülleimern und Wegen kümmerte. Das Ziel hinter dieser Sanierung? Den seit Jahrzehnten trockenen Brunnen wieder zum Sprudeln zu bringen, was auch schon durch die Sanierung von Rohren und Treppenstufen angegangen wurde. Doch die neuen Graffiti stellen einen Rückschlag dar. Ein Hinweiszettel der Nachbarschafts-Gruppe, der um Respektierung des Erscheinungsbildes bat, wurde ebenfalls übersprüht. Das sorgt für Frustration unter den Anwohnern, die sich um ihr Viertel kümmern.
Die städtischen Maßnahmen gegen Sprayereien
Die Stadt Köln hat bereits reagiert und plant, die Graffitis durch die Abfallwirtschafts-Betriebe (AWB) entfernen zu lassen. Ein wichtiger Schritt, der jedoch nicht ohne Herausforderungen ist. Die Kölner Anti-Spray-Aktion (Kasa), die seit 25 Jahren aktiv ist und fast 40 Einrichtungen, Verbände und Institutionen umfasst, war über die Vorfälle nicht informiert. KVB-Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks betonte bei einer Veranstaltung zum 25-jährigen Bestehen der KASA, dass die Ausbreitung von Graffiti und Farbschmierereien in Köln eingedämmt werden müsse. Zwischen 2012 und 2022 reinigte die KVB über 100.000 Quadratmeter von Graffiti und investierte stolze 2,13 Millionen Euro in die Reinigung und Erneuerung. Die Kosten für die Reinigung der Alhambra-Mauer sind über einen Rahmenvertrag mit den AWB abgedeckt, der insgesamt 20.000 Quadratmeter und etwa 400 Reinigungs-Aufträge umfasst. Das klingt nach einer Menge Arbeit!
Die Sachbeschädigung wurde der Polizei gemeldet, und die Reinigung der Mauer ist grundsätzlich möglich. Die letzte Reinigung fand am 29. März 2025 statt. Die Anwohner hoffen, dass bald wieder ein einladendes Bild an der Alhambra zu sehen ist, denn das Viertel hat mehr zu bieten als nur bunte Farbschmierereien.
Graffiti als urbanes Phänomen
Das Thema Graffiti ist nicht nur in Nippes ein heißes Eisen. Es ist ein urbanes Phänomen, das mittlerweile auch wissenschaftliches Interesse weckt. Bisher fehlten geeignete Datenkorpora für eine systematische Erforschung. Das „Informationssystem Graffiti in Deutschland“ (INGRID) wurde ins Leben gerufen, um diese Lücke zu schließen. Mit über 100.000 digitalisierten Graffitis aus behördlichen und privaten Beständen, die seit 1980 gesammelt wurden, ermöglicht INGRID die Analyse von Entwicklungen und Veränderungen im Phänomen Graffiti über längere Zeiträume. So können Forscher die Bildästhetik, Schriftlichkeit, aber auch die sozialen Funktionen und Bedeutungen von Graffiti untersuchen. Ein spannendes Feld, das uns vielleicht neue Perspektiven auf die urbanen Kunstformen eröffnet.
In Nippes bleibt die Hoffnung, dass die Alhambra-Anlage bald wieder in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlt, ohne die ungewollten Farbtupfer, die sich über die Mauer gelegt haben. Die Gemeinschaft zeigt sich stark, und das Engagement für den Erhalt der Anlage bleibt ungebrochen.