In Mülheim, in der Genovevastraße, gibt es eine Kita, die sich wie ein kleines Weltzentrum anfühlt. Hier leitet Anastasia Gioti seit über zehn Jahren eine Einrichtung, die 70 Kinder aus 18 verschiedenen Nationen betreut. Ein bunter Haufen, könnte man sagen! Unter diesen Kindern haben 28 bulgarische Wurzeln. Doch die größte Herausforderung, die sich den ErzieherInnen hier präsentiert, ist die Sprachbarriere. Für viele der Kleinen ist Deutsch ein echtes Mysterium, eine fremde Sprache, die es zu erlernen gilt.

Die Kita hat sich das Ziel gesetzt, Teilhabe und Werte zu vermitteln, eine positive Esskultur zu fördern und die ökologische Bildung in den Alltag der Kinder zu integrieren. Das klingt alles ganz toll, aber die Kritiker sind laut. Sie merken an, dass nicht alle Kölner Kitas Kinder unter drei Jahren aufnehmen, was dazu führt, dass viele Kinder ohne deutsche Muttersprache in eine Art Sprach- und Bildungstrümpel geraten. Marcel Helbig, ein Sozialwissenschaftler, betont zudem die wachsende Kluft zwischen den Kitas, die oft von den unterschiedlichen Bildungsniveaus der Eltern abhängt.

Die Bedeutung der frühen Bildung

Ein Blick in die Grundschule Langemaß zeigt, dass über 90 Prozent der Kinder dort eine Migrationsgeschichte haben – viele sind Roma aus Bulgarien. Die Schulleiterin, Anika Bialk, berichtet von einem hohen Anteil an Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Die Schule hat ein Team aus Sozialarbeitern, Sonderpädagogen und Ehrenamtlichen, das den Familien unter die Arme greift. In der Nelson-Mandela-Hauptschule in Buchheim wird sogar Frühstück für die Schüler bereitgestellt, denn viele kommen hungrig zur Schule.

Die Herausforderungen sind vielfältig und oft überwältigend. Andrea Badjie, die Schulleiterin der Hauptschule, muss häufig als „Brandlöscher“ agieren. Hier gibt es zusätzliche Ressourcen, da der Sozialindex hoch ist. Bildungsforscher Helbig empfiehlt eine frühere Anbindung an Kitas und eine intensivere Förderung ab dem dritten Lebensjahr. Gioti selbst betont, dass Kinder die deutsche Sprache viel leichter erlernen, wenn sie schon vor ihrem dritten Geburtstag in die Kita kommen.

Sprachförderung als Schlüssel

Die Sprachförderung spielt eine zentrale Rolle in diesem Prozess. ErzieherInnen unterstützen Kinder mit nicht-deutscher Herkunftssprache und betrachten die Erstsprache als Fundament für den Erwerb der deutschen Sprache. Kinder, die ihre Herkunftssprache beherrschen, erleben kognitive Vorteile und entwickeln ein besseres Sprachbewusstsein. Die Wertschätzung der Mehrsprachigkeit stärkt das Selbstkonzept und die Identität der Kinder – das ist nicht zu unterschätzen!

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Allerdings ist die Realität oft eine andere. Viele Kinder sprechen zu Beginn ihrer Kita-Zeit nur eine Handvoll Wörter. Während deutsche Kinder im Schnitt etwa 900 Wörter im Gepäck haben, sind es bei den Kindern mit Migrationshintergrund oft nur 50 oder sogar weniger. Das stellt die ErzieherInnen vor große Herausforderungen, denn verständliche Anweisungen auf Deutsch zu geben, kann zur Geduldsprobe werden. Eine sprachförderliche Grundhaltung ist daher unerlässlich. Dazu gehört, Zeit für Gespräche zu nehmen, langsam zu sprechen und Themen aufzugreifen, die die Kinder interessieren.

Die Rolle der Eltern und kulturelle Diversität

Die Kommunikation mit den Eltern gestaltet sich oft schwierig, vor allem aufgrund sprachlicher Hürden. Aber es gibt Lösungen! Mehrsprachige Informationsstrukturen und moderne Übersetzungstechnologien können helfen, Brücken zu bauen. Sensibilität für kulturelle Diversität ist entscheidend für eine erfolgreiche Integration. Wenn ErzieherInnen Interesse an der Sprache und Kultur der Kinder zeigen, schaffen sie eine Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen. Spiele aus den Heimatländern und die Berücksichtigung kultureller Feste können ebenfalls zur Sprachförderung beitragen.

Die sprachliche Vielfalt in Kindertagesstätten ist besonders in städtischen Räumen verbreitet. Das zeigt sich auch in den Zahlen: 2022 besuchten im Bundesdurchschnitt 23,8 Prozent der Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren eine Kita und sprachen zuhause überwiegend eine andere Sprache als Deutsch. In Städten wie Bremen liegt dieser Anteil sogar bei über 43 Prozent. In Nordrhein-Westfalen, wo Mülheim liegt, sind es immerhin 29,2 Prozent. Das sind Zahlen, die einen nachdenklich stimmen sollten.

Die Kita und die Schulen müssen sich an die lokalen Bedarfe anpassen, um den Kindern den bestmöglichen Start in die Grundschule zu ermöglichen. Doch die Frage bleibt: Wie kann das Bildungssystem die Herausforderungen der Mehrsprachigkeit besser meistern? Ein Thema, das uns alle betrifft und auf das wir nicht nur in Mülheim aufmerksam machen sollten.