In den letzten Wochen hat die Kölner Unterwelt wieder einmal für Schlagzeilen gesorgt. Ein schwerkriminelles Milieu, das sich immer mehr dem Konzept „Crime as a Service“ bedient – also Verbrechen auf Bestellung. Man könnte fast sagen, dass die Kriminalität hier eine neue Qualität erreicht hat. Im November wurde Orhan A., ein 36-jähriger Rocker der Hells Angels, in Dellbrück Opfer eines Attentats. Ein blutiger Vorfall, der für ihn glücklicherweise glimpflich endete – zumindest körperlich. Denn die seelischen Narben bleiben.
Der mutmaßliche Täter, ein 28-jähriger Schwede, agierte als „Ersatzmann“. Zuvor war ein 17-jähriger Jugendlicher aus Schweden nach Köln geschickt worden, um Orhan A. zu erledigen. Das klingt fast wie in einem schlechten Film, aber die Realität ist oft grausamer. Der Teenager, der wegen seiner Taten vor das Kölner Landgericht muss, war ursprünglich im Februar 18 geworden, aber das bietet ihm keinen Schutz. Ihm wird vorgeworfen, sich zu einem Mord bereiterklärt und gegen das Waffengesetz verstoßen zu haben.
Ein gefährliches Spiel
Die Rekrutierung von Jugendlichen für solche Verbrechen nimmt rasant zu. Kinder und Jugendliche werden gezielt für Drogengeschäfte, Racheakte und Gewaltverbrechen angeworben. Ein alarmierendes Phänomen, das auch die Kölner Kriminalpolizei auf Trab hält. Oberstaatsanwalt Dominik Mies bestätigte, dass der 17-Jährige im Fall Orhan A. aus einem kriminellen Umfeld rekrutiert wurde. Er bekam nicht nur eine Wohnung, sondern auch eine Schusswaffe – eine schockierende Vorstellung, dass so etwas in unserer Stadt passiert. Die Belohnung für solche Taten? Oft nur ein paar hundert Euro oder kleine Geschenke. Ein trauriges Geschäft.
Im Kölner Drogenkrieg wurden im Jahr 2024 sogar mehrere Jugendliche für Explosionen und Foltertaten beauftragt. Die damit verbundenen Risiken scheinen viele nicht abzuschrecken. Und währenddessen gibt es Forderungen nach einer Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters. Politiker von CDU und AfD sehen in der höheren Strafbarkeit für Jugendliche einen Lösungsansatz, während das Bundesministerium der Justiz das bestehende Jugendstrafrecht für ausreichend hält. Man fragt sich, ob das wirklich der richtige Weg ist. Ist es nicht viel wichtiger, die Ursachen anzugehen?
Ein Netz aus Gewalt
Die Organisation hinter solchen Aufträgen ist oft komplex. Europol spricht von einem vierstufigen Modell: Auftraggeber, Organisator, Rekrutierer und schließlich der Täter. Dabei wird die Rekrutierung von Jugendlichen häufig aus dem Ausland, beispielsweise den Niederlanden oder Belgien, durchgeführt, um die Strafverfolgung zu erschweren. Jürgen Stock, ehemaliger Interpol-Chef, beschreibt diese Entwicklung als wachsendes Problem in Europa. Immer mehr Jugendliche werden in das kriminelle Milieu hineingezogen, und die Dunkelziffer ist vermutlich noch viel höher.
Zurück zu Orhan A. Nach dem Attentat, bei dem er mehrere Schüsse abbekam, lag er wochenlang im Koma. Er berichtet von anhaltenden gesundheitlichen Problemen und Erinnerungslücken, die ihn bis heute plagen. Sein Autohandel ist Geschichte, und die Aussicht auf ein normales Leben scheint für ihn in weite Ferne gerückt. Bei einem anderen Prozess, in dem er als Zeuge gegen den ehemaligen Bandidos-Boss Aykut Ö. aussagen musste, wurde deutlich, dass die Schatten der Vergangenheit ihn nicht loslassen.
Die Kölner Szenen sind komplex, und die Probleme vielschichtig. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, der nicht nur die Polizei, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes fordert. Die Frage bleibt: Wie kann man diesen Kreislauf durchbrechen? Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen die richtigen Schritte unternehmen, um die Jugendlichen vor dem Abgleiten in die Kriminalität zu bewahren. Ein schwieriges Unterfangen in einer Zeit, in der Verbrechen auf Bestellung immer alltäglicher werden.