Ein Stück Kölner Geschichte ist zu Ende gegangen: Am Sonntagabend hat das Schlösselchen in Sülz seinen letzten Abend gefeiert. Nach über 30 Jahren unter der Leitung des aktuellen Betreiberpaars wird der Mietvertrag nicht verlängert, und eine Fortführung als Kneipe am Standort ist nicht vorgesehen. Die Wurzeln des Schlösselchens reichen bis in die frühen 1950er-Jahre zurück, und die Betreiber übernahmen das Lokal im Jahr 1992. Die Entscheidung zur Schließung fiel „altersbedingt und schweren Herzens“, wie sie selbst erklärten.

Die Abschiedsfeier war ein emotionaler Moment, voller Erinnerungen und Geschichten, die in den Wänden des kleinen Lokals stecken. Stammgäste und Freunde kamen zusammen, um die gemütliche Atmosphäre und den unvergesslichen Charakter des Schlösselchens ein letztes Mal zu genießen. Mit einem Hinweis auf einen Song der Kölner Band Brings verabschiedeten sich die Betreiber von ihren treuen Gästen. Auf dem Instagram-Account wurden zudem einige Reaktionen vom Abschiedsabend geteilt, die die Verbundenheit der Gäste mit der Kneipe widerspiegeln.

Ein unvergesslicher Treffpunkt

Die Kneipe war nicht nur ein Ort für gesellige Abende, sondern auch für viele Kölner ein beliebter Treffpunkt. Besonders bekannt war das Schlösselchen für sein Reißdorf-Kölsch, das für nur 1,80 Euro pro Stange angeboten wurde. Mit einer Größe von 30 Quadratmetern bot es Platz für unzählige Geschichten und Begegnungen. Regina Gentges, die seit 1992 in der Kneipe arbeitete und sie 2009 übernahm, hat das Lokal mit Herzblut geführt. Ihre Entscheidung zur Schließung war auch von gesundheitlichen Problemen geprägt.

Doch das Schlösselchen ist nicht das einzige Traditionslokal in Köln, das schließen musste. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband warnt vor dem Verlust von Kultur durch das Kneipensterben in der Stadt. Statistiken zeigen einen dramatischen Rückgang der Schankwirtschaften, von fast 800 Kneipen im Jahr 2015 auf nur noch 630 im Jahr 2024. Diese Entwicklung wird unter anderem auf das veränderte Freizeitverhalten der Jugend zurückgeführt. Auch andere Traditionslokale wie das „Kurkölner“ und das „Alt-Sülz“ mussten bereits ihre Türen schließen.

Die Räumlichkeiten des Schlösselchens werden nun in eine Wohnung umgewandelt, was den Verlust eines weiteren Stücks Kölner Kultur bedeutet. Während die Zahl der Bars und ähnlicher Vergnügungsorte wächst, wird die reine Schankwirtschaft immer seltener. Ein Abschied, der nicht nur die Betreiber, sondern auch viele Kölner tief bewegt.

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