Das geheimnisvolle Erbe eines Architekten: Ungers Kubus in Müngersdorf
In Köln-Müngersdorf steht er, der schwarze Kubus aus Eifeler Basalt, der durch das visionäre Auge von Oswald Mathias Ungers entworfen wurde. Dieser beeindruckende Bau, der 1989 als Privatbibliothek für über 10.000 Bücher über Architektur und Stadtplanung errichtet wurde, ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch ein Ort des Wissens und des Austauschs. Ungers, ein Sohn des Rheinland-Pfalz, wurde 1926 in Kaisersesch geboren und wuchs in Mayen auf. Seine Leidenschaft für Architektur ließ ihn an der Technischen Hochschule in Karlsruhe studieren, bevor er 1950 sein erstes Büro in Köln gründete.
Die Bibliothek ist Teil des „Ungers Archiv für Architekturwissenschaft“, das von Sophia Ungers und Anja Sieber-Albers geleitet wird. Hier finden Architekten und Wissenschaftler nicht nur ein umfangreiches Repertoire an Literatur, sondern auch Ungers‘ Nachlass, der Vorträge, Schriften, Unterlagen, Fotos und Skizzen umfasst. Der Innenraum des Kubus ist geometrisch strukturiert und spiegelt Ungers‘ charakteristischen Einsatz des Quadrats wider. Es ist ein Ort, an dem Architekturgeschichte lebendig wird und in dem Führungen angeboten werden, um die Schätze des Archivs zu erkunden.
Ein Erbe der Architektur
Die Stiftung UAA, die ihren Sitz im ehemaligen Wohn- und Bürohaus Ungers hat, ist eine unabhängige Institution zur Förderung der Architekturwissenschaft. Der denkmalgeschützte bauliche Komplex wurde zwischen 1958 und 1959 errichtet und in den Jahren 1989 und 1990 um einen Bibliotheksanbau erweitert. Hier wird das Erbe von Ungers nicht nur bewahrt, sondern aktiv weitergetragen. Die Stiftung versteht sich als Plattform für interdisziplinären Architekturdiskurs und bietet Wissenschaftler*innen und Studierenden eine wertvolle Ressource für Forschung und Lehre.
Die Kombination aus einem öffentlich zugänglichen „Haus-Museum“, Fachbibliothek und Architektennachlass ist deutschlandweit einzigartig. Während der Bibliotheksbestand und der Nachlass von Ungers für zahlreiche Projekte und Studien genutzt werden, plant die Stiftung Aktivitäten wie Ausstellungen, Vorträge und Workshops, um das Wissen über Architekturgeschichte und -theorie weiterzugeben.
Ein Blick auf Ungers‘ Lebenswerk
Oswald Mathias Ungers hinterließ nicht nur in Köln Spuren – seine bedeutendsten Bauten finden sich auch in Karlsruhe, Hamburg und Frankfurt. Die Residenz des Deutschen Botschafters in Washington und das Wallraff-Richartz-Museum in Köln zählen zu seinen bekanntesten Projekten. Sein Ansatz, den Genius Loci zu berücksichtigen, zeigt sich besonders in seinem Entwurf für die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe, wo er Elemente der gegenüberliegenden Kirche mit einfließen ließ.
Die „Villa Glashütte“ in Utscheid, die an Palladios Villa Rotonda erinnert, und seine Arbeiten in Trier, wie die Thermen am Viehmarkt, bezeugen Ungers‘ tiefes Verständnis für antike Architektur. Sophia Ungers, die Tochter des Architekten, hat sich der Aufgabe verschrieben, das Erbe ihres Vaters durch Führungen, Vorträge und Ausstellungen im Ungers Archiv lebendig zu halten. Eine kommende Ausstellung mit dem Titel „O.M. Ungers – Architektur als Idee“ wird vom 22. Mai bis 27. September 2026 im Museum für Angewandte Kunst Köln stattfinden.
Ungers‘ Arbeiten und seine Philosophie zur Architektur sind in zahlreichen Publikationen festgehalten. Von „10 Kapitel über Architektur“ bis hin zu den „Anmerkungen zu einem morphologischen Konzept“ – seine Gedanken sind weitreichend dokumentiert und bieten einen tiefen Einblick in sein Schaffen. Das Ungers Archiv selbst hat eine Vielzahl von Materialien, die die Entwicklung seiner Ideen und Konzepte illustrieren, bereitgestellt. Diese Quellen sind nicht nur für Fachleute von Bedeutung, sondern auch für alle, die sich für die Verbindung von Architektur und Kultur interessieren.
