Ein Pfarrer mit Herz: Abschied von Michael Tillmann und der Weg zur neuen Hoffnung
In einem kleinen, aber feinen Abschnitt von Hürth, wo die Menschen sich ab und zu den Kopf über die neuesten Entwicklungen in ihrer Gemeinde zerbrechen, wird ein ganz besonderer Abschied gefeiert. Pfarrer Michael Tillmann, der seit 1997 mit Herz und Seele seine Gemeinde führt, steht vor seinem Ruhestand. Das ist ein Moment voller Emotionen – sowohl für ihn als auch für die Gläubigen, die ihn über die Jahre begleitet haben. Ursprünglich aus dem Sauerland stammend, hätte er wohl nie gedacht, dass ihn sein Weg über ein Chemie-Studium an die TU München letztendlich in die seelsorgerische Arbeit führen würde.
Sein erstes „Pfarrer-Dasein“ führte ihn nach Köln-Müngersdorf, wo er nicht nur als Seelsorger, sondern auch als Stadionkaplan aktiv war. Ja, der Pfarrer hat sogar die Kinder von Fußballlegende Pierre Littbarski getauft und Paare im Stadion getraut! Und während andere Kölner in ihren FC-Trikots durch die Straßen zogen, war Tillmann ganz klar auf der Seite von Bayer Leverkusen. Wer hätte gedacht, dass ein Pfarrer auch so eine sportliche Ader hat?
Ein innovativer Geist in der Gemeinde
Mit dem Blick für das Wesentliche hat Tillmann in seiner Zeit in Hürth neue Strukturen entwickelt – und das war dringend nötig. Der Priestermangel und die schrumpfenden Gemeinden erforderten kreative Lösungen. So entstand zwischen 2015 und 2020 das „Pastorale Experiment“, das nicht nur zur pastoralen Entwicklung beitrug, sondern auch ein Vorbild für das gesamte Erzbistum Köln wurde. Neun Gemeinden wurden zu einem Kirchengemeindeverband zusammengeführt, die Verwaltung zentralisiert, und ehrenamtliche Helfer übernahmen zusätzliche Aufgaben. Das alles, um den Geistlichen mehr Zeit für das zu geben, was wirklich zählt: die Seelsorge.
Mit einem offenen Ohr und dem Mut zur Veränderung begegnete Tillmann den Gläubigen stets auf Augenhöhe. „Ich wollte nie den Pfarrer heraushängen lassen“, sagt er über seine Philosophie. Das klingt fast schon nach einer Einladung, die Hemmschwellen abzubauen und die Menschen näher zusammenzubringen. Und jetzt plant er sogar eine Fusion des Gemeindeverbands mit der Frechener Gemeinde. Das zeigt, dass er den Weg der Gemeinschaft immer weitergehen möchte.
Ein Abschied mit Herz
Am 12. Juli wird er offiziell verabschiedet – ein Gottesdienst in St. Dionysius, gefolgt von einem bunten Pfarrfest. Und statt Geschenken wünscht sich der Pfarrer Spenden für das Projekt „Bildung gegen Armut“ in Kenia, das sozialschwache Schülerinnen und Schüler unterstützt. Ein Zeichen dafür, wie wichtig ihm das Thema Bildung und Unterstützung für andere ist, selbst in seinem Abschiedsmoment.
Die Verabschiedung findet um 11.15 Uhr statt – ein Termin, den sich viele Hürther nicht entgehen lassen wollen. Nach der Hl. Messe gibt es die Möglichkeit zur persönlichen Verabschiedung, beim anschließenden Gleueler Pfarrfest. Das wird sicherlich ein emotionales Fest, bei dem viele Erinnerungen geteilt werden. Schließlich hat Tillmann nicht nur die Gemeinde geprägt, sondern auch viele persönliche Geschichten mit den Menschen geteilt.
Ein neuer Lebensabschnitt
Doch es gibt auch eine andere, ernstere Seite. Tillmann wird bis zur Amtsübernahme seines Nachfolgers Krzysztof Zasanski im September als Pfarrverweser tätig sein. In der Zeit danach möchte er sich um seine Gesundheit kümmern. Eine Diagnose, die ihn vor eine große Herausforderung stellt: chronische Leukämie. Er ist auf Dialyse angewiesen und hofft auf eine Nierentransplantation im September. Ein neuer Lebensabschnitt, der nicht einfach sein wird, aber Tillmann wird sich der Herausforderung mit dem gleichen Engagement stellen, das er in seiner seelsorgerischen Arbeit gezeigt hat.
In einer Zeit, in der sich die Strukturen der Kirche wandeln, ist es wichtig, dass Menschen wie Tillmann an der Spitze stehen, die nicht nur die Tradition bewahren, sondern auch innovativ denken. Die Zukunft der Seelsorge wird sich verändern, und es ist zu hoffen, dass die von Tillmann angestoßenen Projekte weiterhin blühen und gedeihen. Denn letztlich geht es immer um das, was die Menschen verbindet – den Glauben, die Gemeinschaft und die Hoffnung auf eine bessere Welt.
