In der ruhigen GAG-Siedlung an der Thorwaldsenstraße und Nobelstraße in Köln-Vingst regt sich Unmut. Die Anwohner sind besorgt über die rasenden E-Scooter-Fahrer, die durch ihre Straßen flitzen, als gäbe es kein Morgen. Besonders Familien mit Kindern und Hundebesitzer fühlen sich oft wie in einem Slalomkurs, wenn die Elektroflitzer an ihnen vorbeirauschen. Das ständige Klingeln von Fahrrädern und Scootern wird zum nervtötenden Hintergrundrauschen, und man fragt sich, wo das alles enden soll.
Eine anonym bleibende Anwohnerin schildert die brenzligen Situationen, die sich beinahe täglich abspielen. „Es ist wie ein Spiel mit dem Feuer“, sagt sie. „Die Kinder haben kaum Zeit, um auszuweichen, und auch ältere Menschen stehen oft ratlos da.“ Ihre Forderung nach mehr Kontrollen in der Siedlung zeigt, wie ernst die Lage ist. Doch die GAG, die Eigentümerin der Wohnanlage, winkt ab und sieht sich nicht verantwortlich – schließlich handelt es sich um Privatgelände. Und die Stadt Köln? Die verweist auf die bestehenden Regeln für E-Scooter und schiebt die Verantwortung der Polizei zu.
Rücksichtnahme – ein Fremdwort?
Ein Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme sollte eigentlich für mehr Sicherheit sorgen, doch das funktioniert offensichtlich nicht immer. Die Anwohnerin hat sogar die Stadt angeschrieben, in der Hoffnung auf Unterstützung, aber eine Antwort blieb aus – das frustriert. Momentan gibt es in der Siedlung zwar keine speziellen Probleme, wie das Ordnungsamt mitteilt, aber die Beschwerden über rücksichtsloses Fahren häufen sich. Ein Teufelskreis, der nicht zuletzt durch die hohe Anzahl an Jugendlichen, die oft ohne Führerschein unterwegs sind, verstärkt wird.
Im Jahr 2022 wurden in Deutschland fast 12.000 Unfälle mit E-Scootern registriert – das sind 27% mehr als im Vorjahr. Ein alarmierender Anstieg, der zum Nachdenken anregen sollte. Und während die Bundesregierung neue Regelungen plant, die 2027 in Kraft treten sollen, bleibt die Situation in der GAG-Siedlung weiterhin angespannt. Künftig sollen E-Scooter mit Blinkern ausgestattet sein, und die Halter werden stärker in die Verantwortung genommen. Aber was nützt das, wenn die Leute sich nicht an die Regeln halten?
Eine Frage der Sicherheit
Die Anwohner fordern eine bessere Kontrolle der Ausleihe von E-Scootern. Schließlich sind es oft Jugendliche, die die Grenzen des Erlaubten ignorieren. Mit der geplanten Erhöhung von Verwarnungsgeldern für das Fahren auf Gehwegen und das Mitfahren mehrerer Personen wird ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht. Aber das alleine wird nicht ausreichen, um das Chaos auf zwei Rädern in den Griff zu bekommen. Die Stadt plant zwar Mobilstationen, um den ruhenden Verkehr besser zu ordnen und die Barrierefreiheit zu gewährleisten, doch die Frage bleibt: Wird das ausreichen, um die Anwohner zu beruhigen?
In der GAG-Siedlung ist die Zukunft ungewiss. Ob die geforderten Maßnahmen und neuen Regelungen tatsächlich zu mehr Sicherheit führen werden, bleibt abzuwarten. Die Anwohner hoffen auf ein Umdenken – sowohl bei den Fahrern als auch bei den Verantwortlichen. Denn eines ist klar: Sicherheit darf nicht auf der Strecke bleiben.