Heute ist der 22.04.2026. In der Innenstadt Kölns überschattet ein spektakulärer Gerichtsprozess die lokale Nachrichtenlage: Ab Mittwoch verhandelt das Kölner Landgericht gegen Aykut Ö. (38), den ehemaligen Präsidenten der Bandidos. Die Anklage lautet auf Anstiftung zum versuchten Mord in zwei Fällen, und die Vorwürfe sind ebenso schwerwiegend wie brisant.
Die Taten, die Ö. zur Last gelegt werden, sind in einem Konflikt zwischen den Bandidos und den Hells Angels verankert, der die Kölner Unterwelt seit Jahren in Atem hält. Die Vorfälle reichen bis ins Jahr 2018 zurück, als ein Rollkommando auf Besucher eines Lokals in Ostheim das Feuer eröffnete und drei Männer Schussverletzungen erlitten. Ö. soll dabei einen Untergebenen mit einem Vergeltungsauftrag beauftragt haben, der letztlich in einer blutigen Racheaktion endete. Das Ziel war ein Hells-Angels-Mitglied, das nicht im angegriffenen Fahrzeug war, doch ein 21-Jähriger wurde verletzt.
Rückblick auf die Verbrechen
Im November 2018 und im Januar 2019 gab es weitere gewaltsame Auseinandersetzungen. Ö. wird ebenfalls für Schüsse auf ein Café in Buchheim angeklagt, das einem Hells-Angels-Mitglied gehörte. Nach einem Streit mit diesem Mitglied soll er einen Bandidos-Kameraden mit einer Maschinenpistole zum Café geschickt haben. Ein Kronzeuge, der ursprünglich gegen ihn aussagte, widerrief später seine belastenden Aussagen, was zu einer Anklage wegen versuchter Anstiftung zur Falschaussage gegen Ö. führte. Zudem wird ihm vorgeworfen, dem Kronzeugen über Mittelsmänner 150.000 Euro gezahlt zu haben, um dessen Aussage zu beeinflussen.
Die Kölner Staatsanwaltschaft beantragt die Sicherungsverwahrung, da Ö. als gefährlich für die Allgemeinheit gilt. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Aykut Ö. 2021 aus der JVA Euskirchen, wo er eine Strafe wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz absitzen sollte, floh und später in Südspanien festgenommen wurde. Er war während seines Aufenthalts im Fitnessstudio, als die Polizei zuschlug. Seine Festnahme in Marbella wurde am 19. Oktober 2023 von der Kölner Staatsanwaltschaft bestätigt, und er saß bis zu seiner Auslieferung am 11. Januar 2024 in Auslieferungshaft.
Die neuen Haftbefehle
Neben den bereits bekannten Vorwürfen gibt es zwei neue Haftbefehle gegen Ö. Im ersten Fall wird ihm vorgeworfen, Ende 2018 mehrere Personen beauftragt zu haben, auf ein Mitglied einer rivalisierenden Rockervereinigung zu schießen, nachdem es bereits zu Schüssen auf ein Café in Köln-Kalk gekommen war. Ein Mann überlebte schwer verletzt. Im zweiten Fall soll er im Januar 2019 andere Personen zu einem versuchten Mord angestiftet haben, nach einem Schusswechsel mit einem Hells Angels-Mitglied in der Kölner Innenstadt. Dabei wurde am selben Abend auf ein Café in Köln-Mülheim geschossen, glücklicherweise blieb es ohne Verletzte.
Insgesamt sind 26 Verhandlungstage angesetzt, und ein Urteil wird frühestens Ende August erwartet. Die Komplexität und Schwere der Vorwürfe versprechen einen Prozess, der sowohl die Kölner Öffentlichkeit als auch die Medien in Atem halten wird. Die Entwicklung der Ereignisse rund um Aykut Ö. wird genau verfolgt, und die Fragen, die sich aus diesem Fall ergeben, werfen einen langen Schatten auf die ohnehin schon turbulente Welt der Rocker und deren Auseinandersetzungen in der Domstadt.