Die Drogenpolitik in Köln hat in den letzten Monaten eher an Dramatik gewonnen, als dass sie sich beruhigt hätte. Oberbürgermeister Torsten Burmester von der SPD steht in der Kritik, weil er verspricht, die Dealer am Neumarkt zurückzudrängen, doch die Realität sieht anders aus. Der bestehende Drogenkonsumraum in der Innenstadt hat einfach nicht die Wirkung, die man sich erhofft hatte. Die Öffnungszeiten sind begrenzt und die Suchtkranken suchen sich alternative Orte, um ihren Konsum abzuwickeln – und das sind nicht immer die besten Plätze. Hauseingänge oder Gehwege werden zur neuen Anlaufstelle. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein!
Im August 2027 soll ein modernes Suchthilfezentrum am Perlengraben eröffnet werden. Das klingt vielversprechend, denn es soll rund um die Uhr geöffnet sein. Aber, und das ist ein großes Aber: Das Gesundheitsamt hat es momentan schwer, das notwendige Personal zu finden. Da stellt sich die Frage: Wird das Zentrum, wenn es endlich eröffnet, auch wirklich die Unterstützung bieten können, die dringend benötigt wird? Die Politik ist sich dieser Problematik bewusst und fordert die Rücknahme der Entscheidung, den Konsumraum am Wochenende zu schließen. Doch die Situation hat sich bereits verschlechtert, entgegen aller Versprechungen des Oberbürgermeisters. Irgendwie fühlt es sich an, als würde man zwei Schritte zurück machen, während die Probleme vor der eigenen Haustür weiter wachsen.
Die Herausforderungen der Drogenpolitik
Die Diskussion um Drogen und deren Konsum ist nicht neu, doch die Zahlen sind alarmierend. Laut dem Zentrum für Suchtforschung hat sich die Zahl der Kokain-Konsumierenden in Deutschland in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Jährlich konsumieren etwa 1,6 % der Erwachsenen mindestens einmal Kokain. Die kurzfristigen Wirkungen – gehobene Stimmung, erhöhte Leistungsfähigkeit – sind verlockend, aber das Tief danach, das mit Niedergeschlagenheit und Erschöpfung einhergeht, ist ein harter Preis. Langfristig drohen Aggression und Angstzustände, ganz zu schweigen von den physischen Risiken wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Und doch, paradoxerweise, war es in den 1970ern die Politik, die mit Strafandrohung und abschreckenden Botschaften versuchte, den Drogenkonsum zu kontrollieren. Absicht war es, die Konsumierenden von der Sucht abzuhalten, doch tatsächlich sorgte diese Strategie häufig für mehr Probleme.
In den 1980ern kam der Wandel – die akzeptierende Drogenarbeit trat in den Vordergrund. Der Fokus lag darauf, das Überleben der Abhängigen zu sichern und Sucht zu vermeiden. Heute fordert der Fachverband Drogen- und Suchthilfe mehr Suchtprävention und Drogenkonsumräume mit medizinischer Aufsicht. Ein Konzept, das auf Akzeptanz und Aufklärung setzt, könnte der Schlüssel sein. Und trotz dieser Erkenntnisse bleibt die Situation in Köln angespannt. Werden diese neuen Strategien rechtzeitig umgesetzt, bevor die Lage weiter eskaliert? Ein staatliches „Drug-Checking“, das Drogen auf gefährliche Beimischungen prüft und Konsumierende über Risiken aufklärt, könnte ein weiteres Puzzlestück sein. Doch bis es so weit ist, bleibt abzuwarten, wie die Stadt die Herausforderungen bewältigen kann.
Nun, was bleibt uns zu tun? Die Zeit drängt und die Probleme sind offensichtlich. Köln steht vor einer Weggabelung: Entweder wird die Drogenpolitik überdacht und notwendige Maßnahmen ergriffen, oder die Stadt wird weiter in ein Chaos taumeln, das keiner von uns wirklich möchte. Der Ball liegt jetzt bei der Stadtverwaltung und den Entscheidungsträgern. Wir werden sehen, wie sie die Herausforderung annehmen.