Am 29. Januar 2025, nach einem spannenden Champions-League-Spiel, in dem Bayer Leverkusen mit 2:0 gegen Sparta Prag gewann, kam es zu einem Vorfall, der die Gemüter in Köln erregte. Drei Fans des 1. FC Köln, im Alter zwischen 17 und 20 Jahren, sahen sich vor dem Amtsgericht Köln mit dem Vorwurf des gemeinschaftlichen Raubes konfrontiert. Was war da nur passiert? Die Angeklagten hatten sich vorgenommen, Fans der Leverkusener am Bahnhof Deutz abzufangen, um ihnen die Fanutensilien abzunehmen. Ein eher unbedachter Plan, der aus einer launigen Kneipenrunde beim Fußballgucken entstanden war, nahm eine ernste Wendung.
Die drei jungen Männer warteten an den Gleisen der S-Bahn, schauten neugierig nach potenziellen Opfern und entdeckten schließlich einen Leverkusen-Anhänger. Vermummt umzingelten sie den unglücklichen Fan und zogen ihm, so der Vorwurf, den Schal ab. Der Vorfall wurde als Raub eingestuft, da eine Drohkulisse aufgebaut wurde. Doch der bestohlene Fan meldete sich bis heute nicht bei den Behörden – ein Umstand, der die Sache noch komplizierter machte. Ein Zivilpolizist hatte das Geschehen beobachtet, auch weil in der Vergangenheit bereits Übergriffe auf Leverkusen-Fans stattgefunden hatten.
Gerichtsurteil und Strafen
Die Angeklagten bestritten die Raubabsicht und versicherten, dass sie den Schal lediglich später verbrennen wollten. Das Gericht stufte die Tat schließlich als Nötigung ein und stellte das Verfahren ohne Vorstrafe ein. Zwei der Angeklagten wurden zu Sozialstunden verurteilt, während der dritte 300 Euro Geldbuße zahlen musste. Ein Fachanwalt für Strafrecht, Sebastian Schölzel, erklärte, dass die Strafe je nach Einzelfall variieren kann. Der Fall erinnert an einen ähnlichen Vorfall aus dem November 2023, als ein Kölner Fan einen Bayern-Fan bedrohte, um dessen T-Shirt zu fordern. Ein gefährliches Spiel, das schnell aus den Fugen geraten kann.
Ein ganz anderer Fall, der jedoch auf ähnliche Dynamiken hinweist, ereignete sich am 21. Januar 2023, als ein Angeklagter in Frankfurt am Main unter dem Vorwurf der Nötigung stand. Hier ging es um einen Schal von Schalke 04. Die Zeugen waren sich nicht einig, was letztlich zu einem Freispruch des Angeklagten führte. Die Kosten des Verfahrens trug die Staatskasse. So zeigt sich, dass nicht immer klar ist, wo der Unterschied zwischen Raub und Nötigung tatsächlich liegt. Auch die Absicht, die Beute zu behalten oder nicht, spielt eine entscheidende Rolle – ein schmaler Grat, der in der Hitze des Gefechts leicht überschritten werden kann.
Ein Blick auf die Zahlen
<pIn der aktuellen Saison 2024/25 zeigt sich, dass trotz einer gestiegenen Zuschauerzahl bei Fußballspielen – über 25 Millionen Fans in den oberen drei Ligen – die Anzahl der Verletzten zurückgegangen ist. Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) dokumentierte 1.107 Verletzte, was einem Rückgang von über 17% im Vergleich zur Vorsaison entspricht. Die Polizei leitete 4.700 Strafverfahren ein, was ebenfalls einen Rückgang bedeutet, doch es bleibt ein ernstes Problem. Knapp die Hälfte der Straftaten entfallen auf Körperverletzung, Widerstand und Sachbeschädigung, während der Missbrauch von Pyrotechnik in die Höhe geschnellt ist. Ein Zeichen, dass die Probleme im Fußball keineswegs der Vergangenheit angehören.
NRW-Innenminister Herbert Reul äußerte sich besorgt über die über 1.000 Verletzten und forderte ein konsequentes Handeln von Vereinen und Stadionbetreibern. Der Dachverband der Fanhilfen hingegen kritisierte die Vorwürfe zu Gewalt als verzerrt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird. Klar ist, dass die leidenschaftliche Rivalität zwischen den Fans, die auch immer wieder in Übergriffen mündet, ein Thema ist, das mehr denn je Aufmerksamkeit erfordert.