In Köln-Ehrenfeld, genauer gesagt an der Peter-Lustig-Grundschule, tummelten sich neulich etwa 60 Kinder und Eltern im Wendehammer der Wilhelm-Schreiber-Straße. Der Verkehr war dort gesperrt – und das aus gutem Grund. Die Kinder hatten die Chance, in einer sicheren Umgebung zu spielen, Go-Carts zu fahren, zu malen und Buttons zu basteln. Selbstgebastelte Schilder mit auffälligen Aufschriften wie „Autos, nein danke“ und „Sicher zur Schule“ zierten den Wendehammer und zeugten von dem unübersehbaren Engagement der Schulgemeinschaft.
Während der Aktionswoche unter dem Motto „Selbst und sicher zur Schule“ wurde die Straße morgens und nachmittags für die Dauer von 30 Minuten gesperrt. Ziel der Aktion? Das drängende Problem des Hol- und Bringverkehrs durch Elterntaxis zu thematisieren. Jochen ten Hoevel, ein engagierter Vater, hob die Gefahren hervor, die für die Schüler bestehen, da am östlichen Rand des Wendehammers kein Gehweg vorhanden ist. Kinder müssen den Wendehammer überqueren, wo die Elterntaxis manövrieren – eine gefährliche Situation, die nicht hingenommen werden sollte.
Kiss & Ride und seine Herausforderungen
Der Wendehammer ist offiziell als Kiss & Ride-Zone ausgewiesen. Eltern dürfen ihre Kinder dort absetzen – was allerdings nicht ohne Folgen bleibt. Schätzungen zufolge werden 20 bis 30 Prozent der über 300 Schüler mit dem Auto zur Schule gebracht, was nicht nur zu Rückstaus führt, sondern auch das Unfallrisiko für alle Verkehrsteilnehmer erhöht. Die Wilhelm-Schreiber-Straße ist schlichtweg nicht breit genug für den Hol- und Bringverkehr. Das ist nicht nur frustrierend für die Eltern, sondern vor allem gefährlich für die Kinder.
Die Schulgemeinschaft plant bereits, die Erkenntnisse aus der Aktionswoche auszuwerten. Mögliche Lösungen könnten die Einrichtung eines Zebrastreifens oder alternative Kiss & Ride-Zonen an der Frohnhofstraße oder Rochusstraße sein. Simone Kraus von Kidical Mass betont die Dringlichkeit, dass Kinder selbstständig zur Schule gehen. Ein Schritt in die richtige Richtung, um die Selbstständigkeit der Kleinsten zu fördern und gleichzeitig das Verkehrsaufkommen zu reduzieren.
Inspiration aus Neubiberg und andere kreative Lösungen
In Neubiberg hat man das Problem des Elterntaxis erfolgreich mit „Kiss-and-Ride“-Zonen angepackt. Diese speziellen Bereiche ermöglichen es Eltern, ihre Kinder sicher absetzen zu können, ohne den Verkehr zu blockieren. Kinder können dann den restlichen Weg zur Schule zu Fuß gehen. Es gibt sogar einen Abhol- und Bringdienst in Form eines „Kiss-and-Go“-Bereichs, der den Verkehrsfluss verbessert. Solche Lösungen könnten auch für Köln von Bedeutung sein.
Darüber hinaus gibt es kreative Ansätze in vielen Städten, um die Sicherheit auf dem Schulweg zu erhöhen. Schulweghelfer, Fußgängerampeln und sogar der „Laufbus“, bei dem Gruppen von Kindern gemeinsam zur Schule gehen, sind allesamt Maßnahmen, die die Selbstständigkeit der Kinder fördern. Und ganz ehrlich, das klingt einfach nur gut!
Ein Blick in die Zukunft der Schulwegsicherheit
Der Verkehrsclub Schweiz (VCS) hat sich seit über 40 Jahren dem Thema Schulwegsicherheit verschrieben und bietet eine Toolbox an, die verschiedene Ansätze zur Verbesserung der Schulwegsicherheit umfasst. Dazu gehören nicht nur Kiss-and-Ride-Zonen, sondern auch Aktionen wie „walk to school“ und „Pedibus“, bei denen Kinder gemeinsam zur Schule gehen. Solche Initiativen könnten auch in Köln zur Anwendung kommen und langfristig die Verkehrssituation an Schulen verbessern.
Die temporäre „Schulstraße“ in Ossendorf ist Teil einer bundesweiten Aktionswoche von Kidical Mass. In Köln sind für 2024 vier „Schulstraßen“ als Pilotprojekt geplant, was die Hoffnung weckt, dass den über 88 Kölner Schulen, die Bedarf angemeldet haben, bald geholfen wird. Auch wenn die Wartezeit lang ist, könnte es der erste Schritt in eine sichere Zukunft für unsere Kinder sein.