Das Ende einer Ära steht bevor. Das traditionsreiche Café Eigel in der Brückenstraße wird nach 175 Jahren am 30. Juni 2026 seine Türen schließen. Ein Ort, an dem sich Generationen von Kölnern getroffen haben, um bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen die Zeit zu genießen, wird bald der Vergangenheit angehören. Chefin Tina Eigel und Betreiber Niko Eigel haben die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen. Letztlich waren es die wirtschaftlichen Herausforderungen, die dem Café den Garaus gemacht haben. Der Rückgang der Gästezahlen nach der Corona-Pandemie, Inflation und veränderte Einkaufsgewohnheiten haben das Café in Bedrängnis gebracht.
Ursprünglich 1851 von Theodor Eigel als kleine Konditorei auf der Schildergasse 36 eröffnet, war das Café ein beliebter Treffpunkt. Männer kamen hier zusammen, um Zeitungen zu lesen und Karten zu spielen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Café vollständig zerstört, doch nach dem Krieg fand es einen neuen Standort in der Hohe Straße, bevor es schließlich in der Brückenstraße neu aufgebaut wurde. Eine Modernisierung der Inneneinrichtung im Jahr 2006 konnte zwar frischen Wind bringen, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ließen sich nicht ignorieren.
Die Gründe für die Schließung
Die wirtschaftlichen Gründe sind vielfältig. Die Umsätze haben das Niveau vor der Pandemie nie wieder erreicht, während die Kosten für Energie und Rohstoffe explosionsartig gestiegen sind. „Die Mehrkosten konnten wir nicht vollständig an die Kunden weitergeben“, so Niko Eigel. Festangestellte Fachkräfte sind das Rückgrat des Cafés, und steigende Personalkosten belasten zusätzlich die ohnehin angespannte Situation. Der Strukturwandel in der Innenstadt, bedingt durch den Online-Handel und das veränderte Einkaufsverhalten, hat seine Spuren hinterlassen. Viele Fachgeschäfte in der Nachbarschaft haben geschlossen, was zu einem spürbaren Rückgang des Publikums geführt hat.
Bis zur Schließung wird das Café weiterhin geöffnet sein, und Stammkunden haben bereits Interesse an Bestellungen von traditionellen Torten geäußert. Es ist eine kleine Chance für die Liebhaber der Pilztorte oder Herrentorte, sich ein letztes Stück ihrer Kindheit zu sichern. Das Angebot umfasst zudem 20 Sorten handgemachte Pralinen und 15 verschiedene Teegebäcksorten, die das Café zu einem besonderen Ort gemacht haben. „Ein Stück Kuchen kostet derzeit 6,40 Euro“, weiß man hier genau, und jeder Euro ist es wert.
Ein Blick auf die Branche
Die Schließung des Café Eigel spiegelt einen besorgniserregenden Trend wider. Rund 100.000 Menschen weniger besuchen mittlerweile Restaurants und Cafés als vor der Pandemie. Eine Studie zeigt, dass über 25 % der Beschäftigten im Gastgewerbe während der Pandemie einen anderen Beruf gewählt haben. Auch die Zahl der Auszubildenden ist um 22 % gesunken, was einen klaren Hinweis auf die Herausforderungen in der Branche gibt. „Das Gastgewerbe steht wie nie zuvor unter Druck“, so die Gewerkschaften, und es ist keine leichte Aufgabe, diesem abzuhelfen.
Energiepreise, Inflation und Löhne, die oft nicht einmal das Mindestlohn-Niveau erreichen, sind nur einige der Probleme, mit denen die Branche kämpft. Nur rund 36 % der Neueinstellungen sind sozialversicherungspflichtig, und die Mehrheit der Betriebe zahlt keinen Tariflohn. Es ist ein Kampf um die Existenz, und das Café Eigel ist nur eines von vielen, die diesen Kampf verloren haben.
Wie es mit dem Raum nach der Schließung des Cafés weitergeht, bleibt ungewiss. Tina und Niko Eigel wünschen sich, dass alle Mitarbeiter gut unterkommen. Während Tina plant, sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen, hat Niko sich vorgenommen, sich um die Silberkännchen zu kümmern. Ein Kapitel in der Kölner Gastronomie geht zu Ende, und viele werden die herzliche Atmosphäre im Café Eigel vermissen.