Ein Buckelwal sorgt aktuell für Aufregung in den Gewässern der Ostsee. Nach wochenlangem Feststecken vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern wurde der rund zwölf Meter lange und etwa zwölf Tonnen schwere Wal nun in einem Lastkahn in Richtung Nordsee transportiert. Die Odyssee des Wals begann am 3. März, als er erstmals im Hafen von Wismar gesichtet wurde. Seither strandete er mehrmals, unter anderem am 23. März auf einer Sandbank vor Niendorf, wo eine Rinne für ihn gebaggert wurde, und am 28. März in der Wismarer Bucht.

Am 30. März lag der Wal erneut im flachen Wasser und bewegte sich in der Nacht zum 31. März nach Norden. Erst am 28. April gelang es einer privaten Rettungsinitiative, das Tier in einen Lastkahn zu leiten, der von den Schiffen „Robin Hood“ und „Fortuna B“ geschleppt wird. Der Schleppverband bewegt sich mit etwa fünf Knoten (9-10 km/h) und hat mittlerweile Fehmarn passiert. Der Wal zeigt Anzeichen von Lebenswillen, singt und bewegt sich, was möglicherweise mit dem steigenden Salzgehalt des Wassers zusammenhängt.

Die Herausforderungen der Rettungsaktion

Die Rettungsaktion ist jedoch nicht ohne Risiken. Kritiker, darunter das Deutsche Meeresmuseum, warnen vor der Stressbelastung, die der Wal durch den Lärm der Umgebung erleiden könnte. Meeresbiologe Fabian Ritter äußert Skepsis über den Gesundheitszustand des Wals und die Erfolgsaussichten der Rettungsversuche. Er hat einen Notfallplan in der Hinterhand, falls der Wal Stress oder Panik entwickelt. Zudem hat der Wal eine traumatische Vorgeschichte, einschließlich Verfangenseins in Netzen und fünf Selbststrandungen.

Ritter empfiehlt, den Wal in Würde sterben zu lassen, da Großwale üblicherweise nur wenige Tage nach wiederholten Strandungen überleben. Netzteile wurden im Maul des Wals entdeckt, was die Nahrungsaufnahme erschwert. Der Zeitpunkt der Freilassung ist entscheidend: Der Wal muss in der Lage sein, Nahrung aufzunehmen und normal zu schwimmen und zu tauchen. Eine erfolgreiche Rettung wird erst dann als gegeben angesehen, wenn der Wal Wochen nach der Freilassung normales Verhalten zeigt.

Kontroversen um den Transport

Die Rettungsaktion wird nicht nur von Biologen, sondern auch von anderen Experten kritisch betrachtet. Madsen, ein dänischer Meeresbiologe, bezeichnete die Methode, den Wal mit Gurten zu ziehen, als „unglaublich schlechte Idee“. Er äußert Bedenken über die Gesundheit des Wals und vermutet, dass der Wal gestrandet ist, um nicht zu ertrinken und einen Ort zum Ausruhen gesucht hat. Er geht davon aus, dass der Buckelwal im offenen Meer nicht überleben kann und kritisiert die Rettungsaktion als „Tierquälerei und Geldverschwendung“.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Verantwortung für den Wal liegt nun bei den Tierärzten, die ihn während des Transports überwachen. Während die Welt die Rettungsaktion verfolgt, bleibt der Ausgang ungewiss. Viele hoffen auf ein Happy End für den Buckelwal, dessen Schicksal bereits viele Herzen berührt hat. Doch die Stimmen der Skeptiker mahnen zur Vorsicht und zum Nachdenken über den Umgang mit unseren Meeren und den darin lebenden Geschöpfen.