In Gießen, wo die Jugendwerkstatt ein wichtiger Anlaufpunkt für viele junge Menschen ist, haben sich jüngst drei Bundestagsabgeordnete und zwei Landtagsabgeordnete die Zeit genommen, um vor Ort einen Eindruck von der Arbeit zu gewinnen. Frederik Bouffier (CDU), Felix Döring (SPD), Ayse Asar (Bündnis 90/Die Grünen), sowie Yanki Pürsün (FDP) und Nina Heidt-Sommer (SPD) waren da. Ein Besuch, der mehr als nur eine politische Geste sein sollte – es geht um die Zukunft junger Menschen, die oft im Schatten von Sparplänen und Kürzungen steht.

Die Vertreter der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA) waren ebenfalls anwesend und warnten eindringlich vor den massiven Kürzungsplänen in der Kinder- und Jugendhilfe. Besonders in Hessen wurden die Fördermaßnahmen um erschreckende 46,8 Prozent gekürzt. Diese Einschnitte sind nicht einfach nur Zahlen; sie betreffen konkret die Lebensrealität vieler Kinder und Jugendlicher. Christine Lohn, die Geschäftsführerin der BAG EJSA, betonte die Bedeutung der Jugendsozialarbeit für die gesellschaftliche Teilhabe und forderte deren Sicherung und Ausbau.

Erfolge der Jugendwerkstatt

Die Jugendwerkstatt Gießen hat in den letzten fünf Jahren beeindruckende 41 abgeschlossene Qualifikationen vorzuzeigen. Das ist mehr als nur ein Erfolg – es ist ein Lichtblick in einem System, das zunehmend unter Druck steht. Mirjam Aasman, die Geschäftsführerin der Jugendwerkstatt, hebt hervor, wie wichtig Berufsqualifizierung und psychosoziale Beratung für die Integration in den Arbeitsmarkt sind. Hier wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch ein Stück Hoffnung geschenkt.

Ein besonders berührendes Beispiel sind die Geschichten von Batoul Masri und Zilan Shabu. Beide jungen Frauen haben in der Jugendwerkstatt Unterstützung gefunden – für Batoul war es gar die „letzte Chance“. Die Unterstützung durch die Lehrer hat ihr und Zilan nicht nur bei der Qualifizierung geholfen, sondern auch bei der Suche nach einem Platz in der Gesellschaft. Beide streben eine Ausbildung in der Küche der Jugendwerkstatt an. Solche persönlichen Geschichten zeigen, wie wichtig diese Institution für viele ist.

Der Druck auf die Jugendsozialarbeit

Doch trotz der Erfolge gibt es einen Schatten, der über der Jugendwerkstatt schwebt. Die Strukturen der Jugendsozialarbeit stehen durch die aktuellen Sparpläne unter enormem Druck. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat angekündigt, Programme wie die „Respekt Coaches“ zu beenden. Das kann für viele Jugendliche, die dringend Unterstützung benötigen, eine katastrophale Wendung bedeuten.

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Die BAG EJSA hat im Rahmen ihrer Sommerreise nicht nur die Jugendwerkstatt Gießen besucht, sondern auch den Evangelischen Verein für Kinder- und Jugendhilfe Rhein-Main in Frankfurt. Dort tauschten sich die Vertreter der BAG EJSA mit Fachkräften und jungen Menschen aus, und die Gespräche verdeutlichten die zentrale Rolle der Jugendsozialarbeit für die gesellschaftliche Teilhabe. Es wird deutlich: ohne diese Unterstützung bleibt vielen der Weg in Schule, Ausbildung und Arbeitsmarkt versperrt.

Auswirkungen der Kürzungspläne

Die Vorschläge zur Kürzung im Sozialbereich, die in einem internen Arbeitspapier zusammengefasst sind, könnten eine katastrophale Wirkung haben. Sie sehen Einsparungen von mindestens 8,6 Milliarden Euro vor, was nicht nur die Kinder- und Jugendhilfe, sondern auch Menschen mit Behinderungen massiv treffen würde. Solche Einschnitte stehen im Widerspruch zu den Rechten, die durch die UN-Behindertenrechtskonvention und die Kinderechtskonvention garantiert werden. Die verfehlte Prioritätensetzung, die diesen Vorschlägen zugrunde liegt, könnte dazu führen, dass wichtige individuelle Hilfen eingeschränkt oder gar gestrichen werden.

Die Sorgen um Kinder und Jugendliche, die in sozial benachteiligten Verhältnissen leben, werden lauter. Zwei Drittel der Langzeitarbeitslosen haben keine ausreichenden Qualifikationen. Das ist ein alarmierendes Zeichen! In Zeiten, in denen der Bedarf an qualifizierten Fachkräften steigt, werden die Rahmenbedingungen für die Förderung junger Menschen immer schwieriger. Man fragt sich, wie weit der Kahlschlag noch gehen soll, während gleichzeitig die Infrastrukturangebote wie Kitas priorisiert werden.

Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass es an der Zeit ist, die Stimmen derer zu hören, die direkt betroffen sind. Die Jugendwerkstatt Gießen ist ein Ort des Wandels, ein Ort, an dem Träume wieder lebendig werden können – aber sie braucht Unterstützung, um auch weiterhin für viele zur Realität zu werden.