Die Geschichte hinter dem Klosterfrau Melissengeist ist so bunt und lebendig wie die Stadt Köln selbst. Maria Clementine Martin, geboren als Wilhelmine Martin am 5. Mai 1775 in Brüssel, hat in ihrem Leben viel erlebt. Nach der Säkularisation ihres Klosters und dem Weggang von napoleonischen Truppen fand sie sich 1825 in Köln wieder. Hier wollte sie Fuß fassen und Erfolg haben – und das gelang ihr mehr als nur einmal.

Sie startete mit dem Verkauf von Kölnisch Wasser, einem Produkt, das nicht nur für seine Frische, sondern auch für seine heilenden Eigenschaften bekannt war. Am 6. November 1825 reklamierte sie ihr Kölnisch Wasser in der Kölnischen Zeitung, und ein Jahr später, am 23. Mai 1826, wurde ihr Unternehmen offiziell im Handelsregister eingetragen. Das war der Beginn eines kleinen Wunderwasser-Imperiums, das sich mit ihrem Melissengeist schnell einen Namen machte.

Die Aufstiegsgeschichte einer Pionierin

Die Umstände ihrer Ankunft in Köln sind etwas nebulös. Vielleicht war es der Wunsch nach einem Neuanfang oder die Hoffnung auf mehr Anerkennung. Was auch immer der Grund war, Martin entwickelte sich zu einer Pionierin in der Welt der Kräuterheilkunde. Ihr Melissengeist, eine Mischung, die zu 79 Prozent aus Alkohol bestand, wurde als „natürlich wirksam“ beworben. Es war eine Zeit, in der alternative Heilmethoden immer mehr an Bedeutung gewannen und sie schaffte es, sich in diesem Markt zu etablieren. Trotz rechtlicher Schwierigkeiten, wie der Anzeige wegen Quacksalberei in Münster, ließ sie sich nicht aufhalten – eine wahre Kämpferin!

In der Folgezeit konnte sie die Kölner Regierung davon überzeugen, dass ihr Produkt von Qualität war, auch wenn einige ihrer Anträge abgelehnt wurden. 1829 erlangte sie schließlich die Erlaubnis, den preußischen Adler auf ihren Produkten zu verwenden, ein Zeichen für den Aufstieg ihrer Marke. Ihr Unternehmen florierte und auch nach ihrem Tod im Jahr 1843 blieb ihr Erbe lebendig: Sie hinterließ ihr Wissen und ihre Rezepte an ihren Gehilfen Peter Gustav Schaeben.

Ein Blick auf die Marke und ihre Geschichte

Unter Schaeben erlebte der Melissengeist einen internationalen Durchbruch und wurde sogar bei der Londoner Weltausstellung 1851 mit einer Preismedaille ausgezeichnet. Das war ein echter Grund zum Feiern! Aber die Geschichte der Klosterfrau ist nicht nur eine Erfolgsgeschichte. Wilhelm Doerenkamp übernahm das Unternehmen während der Weltwirtschaftskrise und trat der NSDAP bei. Im Krieg wurden Strafgefangene in der Produktion eingesetzt, was die dunklen Seiten der Unternehmensgeschichte aufzeigt. Nach dem Krieg erklärte Doerenkamp, er sei aus rein geschäftlichen Gründen der NSDAP beigetreten – ein bisschen zu einfach, oder?

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Mit dem Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit erlebte Klosterfrau einen erneuten Aufschwung. Diesmal wurde die Marke national bekannt, mit Werbesprüchen und auffälligen Leuchtreklamen. Und heute? Die Klosterfrau Healthcare Group beschäftigt über 1500 Mitarbeiter und ist ein fester Bestandteil der deutschen Gesundheitslandschaft.

Ein Buch über eine bemerkenswerte Frau

Am 27. Mai wird im Greven Verlag in Köln das Buch „Klosterfrau – Eine Nonne erobert die Welt“ vorgestellt – eine Hommage an die Gründerin, die es geschafft hat, trotz aller Widrigkeiten ihren Platz in der Geschichte zu finden. Martin Oehlen und Petra Pluwatsch haben sich auf die Spuren von Maria Clementine Martin begeben und ihren Lebenslauf in die Gesellschafts- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts eingebettet. Ein Buch, das sowohl für Geschichtsinteressierte als auch für alle, die sich für die Entwicklung von Heilmitteln und deren Vermarktung interessieren, von Bedeutung ist.

So schließt sich der Kreis von einer mutigen Frau, die aus prekären Verhältnissen stammte und sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzte. Maria Clementine Martin bleibt als Pionierin der Alternative Medizin in Erinnerung – in einer Stadt, die sie nach all den Jahren immer noch als eine ihrer eigenen feiert.