In Köln-Rodenkirchen, genauer gesagt vor dem Haus Fischenicher Straße 58, sind seit Mitte Juni 2023 drei neue Stolpersteine verlegt worden. Diese kleinen, aber bedeutenden Gedenkplatten erinnern an die jüdisische Familie Neugarten: Albert Isaac, seine Frau Wilhelmine und ihren Sohn Carl. Ihre Geschichte ist eine der Verfolgung und des Leidens, die viele Familien in Deutschland während der dunkelsten Kapitel der Geschichte erleiden mussten.

Die Neugartens lebten seit den 1930er Jahren in der Fischenicher Straße, bis das nationalsozialistische Regime sie zwang, ihre Wohnung zu verlassen. Patrick Mittler, der Vorsitzende des Allgemeinen Bürgervereins Zollstock, betonte bei der Verlegung der Stolpersteine die immense Bedeutung der Erinnerung an die Opfer. Albert, ein 1855 in Witten geborener Metzger, und Wilhelmine, 1861 in Krefeld geboren, mussten 1942 ins Ghetto und später ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert werden. Tragischerweise starb Albert dort am 12. August 1942, Wilhelmine folgte ihm am 16. Mai 1943. Ihr Sohn Carl, der 1885 geboren wurde und als Kaufmann tätig war, wurde aufgrund seiner Ehe mit einer nichtjüdischen Frau zunächst verschont, doch auch er wurde im Oktober 1944 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 11. Dezember 1944.

Widerstand und Gedenken

Ein weiterer Stolperstein, der nun in Rodenkirchen zu finden ist, wurde für Otto Richter verlegt, der vor dem Haus Kalscheurer Weg 29 lebte. Geboren in Schlesien und seit 1924 in Köln ansässig, war Otto ein aktives Mitglied der linken Arbeiterbewegung. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde er verhaftet und für acht Monate in „Schutzhaft“ genommen, unter anderem im Konzentrationslager Esterwegen. Sein Widerstand gegen das Regime hörte nicht auf. 1936 wurde er erneut von der Gestapo festgenommen und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Jahr 1943 war er einer der führenden Köpfe einer kommunistischen Widerstandsgruppe in Köln, die Zwangsarbeiter unterstützte und Flugblätter verbreitete.

Die Gruppe wurde jedoch im November 1944 verraten, und Otto Richter wurde gefangen genommen. Schwer gefoltert, starb er am 20. Dezember 1944 an einer unbehandelten Blutvergiftung in einer Gestapozelle in Brauweiler. Diese Geschichten, die nun durch die Stolpersteine ein Stück weit zurück an die Orte gebracht werden, an denen die Menschen lebten, sind mehr als nur Erinnerungen – sie sind Mahnmale gegen das Vergessen.

Ein starkes Zeichen

Insgesamt gibt es im Veedel nun 14 Stolpersteine, und im gesamten Kölner Stadtgebiet sind es sogar rund 3000. Die Initiative für die neuen Stolpersteine kam von Monika Becker-Volkening, und die Verlegung wurde von Anwohnern, Bezirksbürgermeisterin Sabine Müller sowie weiteren Lokalpolitikern begleitet. Diese Veranstaltungen sind nicht nur ein Zeichen des Gedenkens, sondern auch ein Aufruf, sich aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen.

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Stolpersteine sind mehr als nur Gedenktafeln. Sie sind ein Teil eines größeren Gedächtnisses, das viele Städte in Deutschland prägt. So erinnert man in Berlin, Potsdam und anderen Orten an die Schicksale der Verfolgten. In Berlin beispielsweise wurden Stolpersteine für zahlreiche jüdische Familien verlegt, die vom NS-Regime verfolgt wurden. Der erste Stolperstein wurde 1995 von Gunter Demnig gesetzt, und mittlerweile sind sie das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Interessanterweise müssen diese Stolpersteine regelmäßig gereinigt werden, damit die Geschichten lebendig bleiben – eine Web-App namens „Stolperclean“ bietet Unterstützung für die Pflege dieser Erinnerungen.

Es ist wichtig, dass wir die Geschichten dieser Menschen nicht vergessen, dass wir sie auf diese Weise am Leben halten. Sie erinnern uns daran, wie verletzlich die Freiheit ist und wie wichtig es ist, sich für eine Gesellschaft einzusetzen, die Vielfalt und Menschlichkeit schätzt.