Die Erinnerungen an die Aral-Tankstelle am Zollstockgürtel 39 sind so vielfältig wie die Menschen, die sie über die Jahre besucht haben. Nach über 60 Jahren im Herzen von Zollstock hat nun der Abriss begonnen. Vor rund zwei Wochen starteten die Bagger ihre Arbeit und beendeten ein Kapitel, das für viele Kölner ein Stück Heimat bedeutete. Martin Schmidt, der 60-jährige Sohn des Gründers, hat persönliche Erinnerungen an die Tankstelle, die seine Familie seit 1968 betrieb, damals noch unter der Marke Gasolin.

Die Tankstelle war weit mehr als nur ein Ort, um Autos zu betanken. Kurt Schmidt, Martins Vater und ehemaliger Profi-Fußballer bei Fortuna, eröffnete die Tankstelle als sozialen Treffpunkt. Über die Jahre erweiterte sich das Angebot um Süßigkeiten und Tabak. 1973 geschah ein großer Schritt: Die Umstellung auf Aral und die Einführung einer der ersten Portalwaschanlagen in Köln. 1980 wurde ein Minimarkt hinzugefügt, und 1991 folgte ein Neubau mit mehr Zapfsäulen, einem Shop, einer Werkstatt, einer Waschanlage und einem Bistro. Diese Veränderungen trugen dazu bei, dass die Tankstelle ein Anziehungspunkt für die Nachbarschaft und sogar für Prominente wie „Müllers Aap“ und Howard Carpendale wurde.

Ein Ort der Begegnung

Der persönliche Kontakt zu den Kunden war der Familie Schmidt immer wichtig. Viele Stammkunden kannten sich mit Vornamen und schätzten die familiäre Atmosphäre. Im Jahr 2004 wurde die Tankstelle erneut umgebaut, wobei der Fokus auf dem Shop und Bistro lag, während Werkstatt und Autovermietung entfielen. 2018 gab das Ehepaar Schmidt schließlich den Betrieb ab; der Nachfolger führte die Tankstelle noch einige Jahre weiter, bis der Abriss nun die letzte Phase einläutete. Auf dem Gelände sollen künftig 36 Wohnungen entstehen, für die bereits ein Bauantrag bei der Stadt vorliegt.

Um die Erinnerungen lebendig zu halten, teilt die Familie Schmidt ihre Geschichten auf Facebook und erhält viel positive Resonanz. Die Tankstelle war für die Anwohner nicht nur ein praktischer Ort, sondern auch ein Platz der Begegnung und des Austausches. Und so bleibt der Geist der Tankstelle auch weiterhin im Stadtteil lebendig.

Stadtentwicklung und Wandel

Der Abriss der Tankstelle am Zollstockgürtel ist Teil einer größeren Entwicklung, die die Stadt Köln seit Jahrzehnten prägt. Nach dem Ersten Weltkrieg setzten die Stadtväter auf moderne Stadtplanung, die mit der Schaffung von Grünflächen und der Auflockerung der städtischen Struktur einherging. Der innere Grüngürtel, dessen Planung von Oberbürgermeister Konrad Adenauer 1919 initiiert wurde, sollte den Kölnern als Erholungsraum dienen.

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Fritz Schumacher, der den Wettbewerb gewann, stellte einen Generalsiedlungsplan vor, der für eine harmonische Verbindung zwischen Natur und urbaner Bebauung sorgte. Diese Vision hat bis heute Bestand: Der innere Grüngürtel wird als bedeutendes städtebauliches Inventar Kölns angesehen und bietet den Bürgern vielfältige Freizeitmöglichkeiten. Der Abriss der Tankstelle und die anschließende Schaffung von Wohnraum sind Teil dieses kontinuierlichen Wandels, der die Stadt nachhaltig prägt.