Heute ist der 2.05.2026, und wir feiern einen ganz besonderen Anlass: den 70. Geburtstag der beeindruckenden Ulrike Nasse-Meyfarth. Diese Kölnerin ist nicht nur eine Legende im Hochsprung, sondern auch eine Stimme, die sich unermüdlich für Gerechtigkeit im Sport einsetzt. Ihre Karriere begann schon früh, als sie im Alter von 15 Jahren bei den Deutschen Meisterschaften den zweiten Platz belegte, und 1972, mit gerade einmal 16 Jahren, qualifizierte sie sich für die Olympischen Spiele in München. Dort sprang sie gleich in die Geschichtsbücher, indem sie Gold gewann und als jüngste Olympiasiegerin in einem Einzelwettbewerb in der Leichtathletik in die Annalen einging.
Ulrike Meyfarth, die als eine der wenigen Athletinnen den innovativen Fosbury-Flop sprangen konnte, steigerte ihre persönliche Bestleistung auf beeindruckende 1,90 Meter und überquerte sogar die Weltrekordhöhe von 1,92 Metern. Doch ihre Karriere war nicht nur von Höhenflügen geprägt; nach ihrem Olympiasieg erlebte sie auch eine sportliche Krise und hatte Schwierigkeiten, ihre Bestleistung zu steigern. Dennoch bewies sie ihren unermüdlichen Kampfgeist, wurde mehrfach deutsche Meisterin und errang 1982 bei den Europameisterschaften in Athen einen Weltrekord mit 2,02 Metern.
Ein kritischer Blick auf den Sport
In einem aktuellen Interview äußert Nasse-Meyfarth scharfe Kritik an dem ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack, der 2021 verstorben ist. Sie bezeichnete ihn als „Dreckschwein“ und sprach über einen Drohanruf des damaligen IAAF-Generalsekretärs, den sie nach ihrer Absage zur Aufnahme in die „Hall of Fame“ der IAAF erhielt. Diese Absage war für sie eine klare Positionierung gegen den Korruptionsskandal, in den Diack verwickelt war, als er Dopingvergehen russischer Athleten vertuschte.
Darüber hinaus beleuchtet sie die deutsche Erinnerungskultur im Sport, insbesondere den Umgang mit ostdeutschen Olympiasiegern. Ihrer Meinung nach wird das institutionelle Doping in der DDR überbetont, während das Individualdoping im Westen weitgehend ignoriert wird. Nasse-Meyfarth verteidigt das Talentsichtungs- und Fördersystem der DDR und kritisiert die Nichtübernahme dieses Systems nach der Wiedervereinigung als „kurzsichtig und überheblich“. Sie ist überzeugt, dass dies zur aktuellen Misere des deutschen Spitzensports beigetragen hat.
Ein Leben für den Sport
Nasse-Meyfarth studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln und ist Diplom-Sportlehrerin. Ihre Leidenschaft für den Sport lebt sie auch heute noch aus, indem sie seit 1997 als Trainerin beim TSV Bayer 04 Leverkusen und als Talentscout arbeitet. Zudem engagiert sie sich als Mitglied im Kuratorium der Sportstiftung NRW und ist Botschafterin des Vereins Hits fürs Hospiz. Ihre Karriere und ihr Wirken sind nicht nur eine Inspiration für viele junge Athleten, sondern auch ein Beispiel für gesellschaftliches Engagement und Verantwortung.
Ulrike Nasse-Meyfarth, die in Odenthal im Bergischen Land nahe Köln lebt, hat mit ihrem Lebenswerk einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ob in der Arena oder abseits des Sportplatzes – ihre Stimme wird gehört. Es bleibt abzuwarten, ob der Weltleichtathletikverband ihr die Hall-of-Fame-Ehrung erneut anbieten wird. Doch eines ist sicher: Die Geschichte von Ulrike Nasse-Meyfarth ist noch lange nicht zu Ende erzählt.