In Köln-Porz, wo der Himmel oft mit den Sternen flirtet, nehmen derzeit zwölf mutige Freiwillige an einem einzigartigen Experiment teil: der Langzeit-Bettruhestudie SMC. Ganze 60 Tage verbringen diese Pioniere im Liegen, und das nicht ohne Grund. Durchgeführt wird die Studie vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) in Zusammenarbeit mit der US-Raumfahrtbehörde NASA. Ihr Ziel? Sensomotorische Probleme, die durch die Schwerelosigkeit im Weltraum entstehen, zu erforschen und Lösungen zu finden.
Die Erkenntnisse aus dieser Studie sind von enormer Bedeutung für zukünftige Mondmissionen, insbesondere die Artemis 4 Mission, die 2028 ansteht. Um die Flüssigkeitsverschiebung im Weltraum zu simulieren, liegen die Probanden in einem Bett mit einer Neigung von sechs Grad. Während der Studie absolvieren die Teilnehmer mehr als 100 Experimente, darunter kognitive Tests und Aufenthalte in einem Schlaflabor.
Einblicke in die Studie
Die Bettruhestudie gliedert sich in drei Gruppen: eine Kontrollgruppe, eine Gruppe mit elektrischer Muskelstimulation (EMS) und eine weitere, die ihren Gleichgewichtssinn trainiert. Die Forscher erfassen Veränderungen in Knochendichte, Muskelmasse und Gleichgewichtssinn. Rund um die Uhr betreuen 150 Mitarbeiter die Probanden, externe Besuche sind nicht erlaubt. Für ihre Teilnahme erhalten die Freiwilligen eine Aufwandsentschädigung von 18.000 Euro, wobei viele aus purem Forschungsinteresse dabei sind.
Doch die SMC-Studie ist nur der Anfang. Nach den 60 Tagen im Bett folgt ein weiteres Projekt mit dem Namen SOLIS100, das die Probanden für 100 Tage in totale Isolation versetzt. Auf 130 Quadratmetern ohne Tageslicht müssen sie psychologische und physische Herausforderungen bewältigen. Hier wird nicht nur die Isolation selbst untersucht, sondern auch die Auswirkungen auf Psyche, Gesundheit und Teamdynamik. Die Testpersonen dokumentieren ihre Gesundheitsdaten, während sie sich einer genau abgewogenen und begrenzten Ernährung unterziehen, um Ressourcenknappheit zu simulieren.
Sensomotorik im Fokus
Im Mittelpunkt der SMC-Studie steht die Sensomotorik, also die Fähigkeit des Körpers, Informationen aus den Sinnen wie Sehen, Hören und Fühlen aufzunehmen und entsprechende Bewegungen auszuführen. Diese Fähigkeit ist für AstronautInnen von entscheidender Bedeutung, um sich im Weltraum orientieren und auf Reize reagieren zu können. Während eines Raumflugs passt sich der Körper an die Bedingungen ohne Schwerkraft an. Nach der Rückkehr zur Erde können AstronautInnen jedoch Schwierigkeiten haben, Bewegungen zu kontrollieren, was das Risiko von Stürzen und Verletzungen erhöht.
Körperliches Training ist wichtig, um Muskelabbau vorzubeugen und das Herz-Kreislauf-System zu unterstützen. Dennoch sind zusätzliche Ansätze nötig, um die sensomotorischen Funktionen während und nach Raumflügen aufrechtzuerhalten. Zu diesen Methoden zählen elektrische Muskelstimulation und Training zur Verbesserung der räumlichen Wahrnehmung. In der Studie werden insgesamt vier Gruppen über 88 Tage hinweg verglichen: die EMS-Gruppe, eine Gruppe mit propriozeptivem Training, eine Gruppe mit körperlichem Training plus propriozeptivem Training und eine Kontrollgruppe.
Die Forschungsergebnisse dieser Studien könnten nicht nur das zukünftige Reisen ins All revolutionieren, sondern auch wertvolle Erkenntnisse für die Medizin und Rehabilitation auf der Erde liefern. Die Kölner Freiwilligen schreiben somit Geschichte, während sie sich für die Herausforderungen der nächsten Mondmissionen vorbereiten.