In Köln-Porz tut sich Großes! Die Lukas-Kita wird zu einer interreligiösen Friedens-Kita umgestaltet. Das klingt nicht nur spannend, sondern verspricht auch, ein Ort des respektvollen Miteinanders für Kinder unterschiedlichster religiöser und kultureller Hintergründe zu werden. Mit einem Konzept, das sich am Kölner Friedenskindergarten in Tel Aviv-Yafo orientiert, wird die Kita ein Beispiel für gelebte Vielfalt und Kooperation. Inspiriert von diesem Vorbild, das seit 1988 Kinder aus arabischen und jüdischen Familien zusammenbringt, soll hier in Porz eine ähnliche Atmosphäre geschaffen werden.
Eine der treibenden Kräfte hinter diesem innovativen Projekt ist Pfarrer Rolf Theobold von der Evangelischen Kirchengemeinde Porz. Er hat den Friedenskindergarten in Tel Aviv besucht und war beeindruckt von der erfolgreichen Arbeit, die dort seit Jahren geleistet wird. „Es ist beeindruckend zu sehen, wie Kinder in der zweiten und dritten Generation diesen Kindergarten besuchen“, sagt Theobold. Der Austausch von Kinderbildern und Liedern, der bereits stattgefunden hat, ist nur der Anfang einer vielversprechenden Partnerschaft.
Ein Ort der Begegnung
Die Lukas-Kita wird nicht neu gebaut, sondern in den kommenden fünf Jahren weiterentwickelt. Dies ist besonders wichtig, denn der Standort Porz ist bereits multireligiös geprägt und hat ein aktives interreligiöses Netzwerk. Hier leben Menschen mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen, und genau das soll in der Kita auch gelebt werden. Die Kita wird weiterhin zwei Gruppen mit rund 34 Kindern und neun Mitarbeitern haben, wobei die Evangelische Kirchengemeinde Porz als Gebäudeeigentümerin und die Diakonie Michaelshoven als Trägerin der Einrichtung fungieren.
Ein zentrales Merkmal dieser Friedens-Kita wird sein, dass Religion kein Auswahlkriterium bei der Platzvergabe ist. Das Konzept richtet sich auch an nicht-religiöse Familien. Die Initiativgruppe plant zusätzlich Fördermittel, Fortbildungen zur interreligiösen Pädagogik und einen Beirat, der aus Vertretern der Religionsgemeinschaften besteht. So wird ein wertschätzender Umgang mit verschiedenen Glaubensrichtungen bereits im Kindesalter gefördert. Theobold möchte, dass Begegnungen zwischen Kindern und Familien zur Normalität werden und Vorurteile abgebaut werden. Ein ehrgeiziges Ziel, das auf eine religionsübergreifende Geschwisterlichkeit abzielt.
Herausforderungen der interreligiösen Bildung
Doch interreligiöse Bildung ist nicht ohne Herausforderungen. Eine Studie, gefördert von der Stiftung Ravensburger Verlag, hat bereits 2012 Defizite in der interreligiösen Bildung in deutschen Kitas diagnostiziert. Sie ermittelte, dass es in vielen Einrichtungen an entsprechenden Konzepten mangelt. Das ist schade, denn gerade hier könnten Kinder von früh auf lernen, dass Unterschiede eine Bereicherung sind. Einrichtungen wie das Abrahamische Forum in Deutschland e.V. setzen sich für ein friedliches Zusammenleben von Juden, Christen, Muslimen und Bahai ein – eine Initiative, die auch in der neuen Kita in Porz ihren Platz finden könnte.
Die nächsten Schritte in Porz umfassen die Entwicklung eines Masterplans mit konkreten Zielen und Zwischenzielen für die Kindertagesstätte. Der Austausch mit dem Friedenskindergarten in Tel Aviv-Yafo soll vertieft werden, und wichtige Feste sowie die Grundlagen der Religionen sollen kindgerecht in den Kita-Alltag integriert werden. So wird diese Kita nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Ort des interkulturellen Dialogs und der Verständigung.