In Nippes wird bald ein Stück Geschichte abgerissen. Die Siedlung Auf dem Ginsterberg 2–34, einst ein Zuhause für Sinti-Familien, steht vor dem Rückbau. Für knapp 1,7 Millionen Euro wird dieses marode Ensemble, das aus 15 Einfamilienhäusern und einem dreistöckigen Mehrfamilienhaus besteht, in den kommenden zwei Jahren dem Erdboden gleichgemacht. Die Bezirksvertretung Nippes hat einstimmig zugestimmt, und die Entscheidung trifft auf ein geteiltes Echo in der Nachbarschaft.

Die Siedlung wurde in den Jahren 1977 und 1978 erbaut, als Wiedergutmachung für das unermessliche Leid, das Sinti und Roma während des Nationalsozialismus erlitten haben. Doch die Gebäude sind, das muss man leider sagen, in einem katastrophalen Zustand. Kohleheizungen, mickrige Dämmung und einfach verglaste Fenster – das klingt nach einem Ort, der dringend Hilfe gebraucht hätte. In den letzten Jahren hat der Leerstand zugenommen, und die letzten Bewohner haben erst Mitte März ihre Koffer gepackt. Der Anblick der Siedlung erinnert fast an ein Geisterdorf: verrammelte Türen, offene Fenster, Graffiti und Schimmel überall. Ein trauriges Bild.

Vergangenheit und Zukunft

Mehrere Sanierungs- und Neubaupläne sind gescheitert, und das nicht nur wegen der abenteuerlichen Zustände der Gebäude. Auch planungsrechtliche Hürden haben den Fortschritt gehemmt. Der Flächennutzungsplan sieht das Areal als Grünfläche vor, nicht als Wohngebiet. Das wirft natürlich Fragen auf: Was passiert mit der Geschichte, die dieses Areal trägt? Die Stadt hat angekündigt, die Geschichte der Siedlung sichtbar zu machen – vielleicht mit einer Infotafel oder sogar einem Ort des Gedenkens. Eine Möglichkeit, den Erinnerten ein Gesicht zu geben.

Die Geschichte von Sinti und Roma ist in der europäischen Erinnerungskultur lange Zeit marginalisiert worden. Erst seit wenigen Jahren wird der nationalsozialistische Massenmord an über 500.000 Sinti und Roma öffentlich diskutiert. Die Bürgerrechtsbewegung, die ab den 1970er-Jahren forderte, dass das Leid unter dem nationalsozialistischen Regime endlich aufgearbeitet wird, hat hier Großes geleistet. Proteste, Besetzungen und sogar Hungerstreiks im Konzentrationslager Dachau – das ist kein leichtes Erbe. Erst 1982 wurde die Verfolgung von Sinti und Roma in Deutschland offiziell anerkannt. Ein wichtiges, wenn auch verspätetes Zeichen.

Ein lebendiges Gedächtnis

Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg, das seit 1997 existiert, beherbergt eine Dauerausstellung zum Holocaust und geht weiter: Das Projekt „Das vergessene Gedächtnis“ zielt darauf ab, Biografien von Überlebenden und deren Nachkommen zu erzählen. Erinnerungen sollen lebendig gehalten werden, und das geht über den Nationalsozialismus hinaus. Sinti und Roma setzen sich auch heute noch für ihre Rechte ein und protestieren gegen Diskriminierung in vielen europäischen Ländern. Diese Stimmen müssen gehört werden, und es ist wichtig, sie sichtbar zu machen.

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Die Siedlung in Nippes mag bald Geschichte sein, aber die Geschichten der Menschen, die dort gelebt haben, sollten nicht vergessen werden. In einer Stadt, die sich ständig wandelt, ist es wichtig, die Wurzeln nicht zu verlieren und die Erinnerungen lebendig zu halten.