Brücken bauen für ein Zuhause: Wie „Viadukt“ in Köln Hoffnung schenkt
In Köln, und ganz besonders im Veedel Nippes, ist Wohnungslosigkeit ein Thema, das viele betrifft – und nicht nur diejenigen, die als einkommensschwach gelten. Ein Blick in unsere Stadt zeigt, dass fast die Hälfte aller Kölner Haushalte Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein (WBS) für öffentlich geförderte Wohnungen hat. Das klingt nach einer Lösung, aber es ist nicht so einfach, wie man denkt. Die Mieten steigen, und bezahlbarer Wohnraum wird immer rarer. Da ist die Initiative „Viadukt“ ins Spiel gekommen. Sie wurde 2017 ins Leben gerufen, um vermittelnd tätig zu werden und wohnungslose Menschen mit Vermietern zusammenzubringen.
Timotheus Mengelkamp, der Kopf hinter dem Projekt „Viadukt“ der Wohnungslosenhilfe Köln, bringt die Problematik auf den Punkt: „Der bezahlbare Wohnraum fehlt an allen Ecken und Enden.“ Und das betrifft nicht nur die wohnungslosen Menschen selbst. Die BAG Wohnungslosenhilfe hat festgestellt, dass auch einkommensarme Haushalte, Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Studierende, arme Rentner und anerkannte Flüchtlinge vor denselben Herausforderungen stehen. Wohnungslosigkeit ist nicht nur ein individuelles Schicksal; sie ist ein gesellschaftliches Problem, das oft stigmatisiert und die Chancen auf dem Wohnungsmarkt erheblich verringert.
Viadukt bringt Menschen zusammen
„Viadukt“ hat sich zum Ziel gesetzt, alleinstehenden Menschen, Paaren und Familien mit Kindern, die in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe leben, einen Weg in ein neues Zuhause zu ebnen. Im laufenden Jahr konnten bereits 22 Wohnungen für insgesamt 61 Personen vermittelt werden. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Initiative sucht händeringend ehrenamtliche Helfer – vor allem für Renovierungsarbeiten in unsanierten Wohnungen. Wer handwerklich begabt ist oder einfach nur Lust hat, beim Umzug zu helfen, ist herzlich willkommen. Sechs Ehrenamtliche sind bereits aktiv und unterstützen bei den Wohnungsbezügen. Das Engagement wird dringend gebraucht, denn die Nachfrage nach Wohnraum ist enorm.
„Viadukt“ bleibt auch nach Vertragsabschluss Ansprechpartner für beide Mietparteien. Das schafft Sicherheit und Vertrauen in einem Prozess, der oft von Unsicherheit geprägt ist. Denn wenn man bedenkt, dass laut Schätzungen in Deutschland bis zu 531.600 Menschen betroffen sind, wird die Dimension des Problems deutlich. Auch die Bundesregierung hat dies erkannt und verfolgt mit ihrem Nationalen Aktionsplan das Ziel, Obdach- und Wohnungslosigkeit bis 2030 zu überwinden. Das erfordert eine Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Kommunen und der Zivilgesellschaft.
Ein Blick in die Zukunft
Die Maßnahmen sind vielschichtig: von der finanziellen Unterstützung im sozialen Wohnungsbau – hier stehen zwischen 2022 und 2028 ganze 21,65 Milliarden Euro zur Verfügung – bis hin zu Reformen wie dem Wohngeld-Plus. Ab 1. Januar 2023 wurde das durchschnittliche Wohngeld um 55 Prozent erhöht. Das allein zeigt, dass man die Probleme anpackt – und zwar ganz konkret. Aber die Herausforderung bleibt groß, denn der Wohnungsmarkt ist überlastet und die Mieten steigen weiter.
Es ist also nötig, dass jeder Einzelne, sei es durch ehrenamtliches Engagement oder durch das Bereitstellen von Wohnraum, seinen Teil zur Lösung des Problems beiträgt. Eine gesicherte Wohnung ist für viele der erste Schritt in ein selbstbestimmtes Leben. Und auch das Gefühl, zu einem Ort zu gehören, ist unbezahlbar. In Köln, wo die soziale Vielfalt so bunt ist, sollte jeder einen Platz finden können. Dafür braucht es mehr als nur gute Absichten – es braucht Taten und den Willen, gemeinsam etwas zu bewegen.
