In Mülheim, genauer gesagt an der Romaneystraße, brodelt es gewaltig. Hartmut Menden, ein Anwohner, beobachtet die Bauarbeiten mit einem Unmut, der kaum in Worte zu fassen ist. Die Szenerie, die sich ihm bietet, wird von mächtigen Baggern dominiert, die unbarmherzig Bäume fällen – ein Bild, das an Weiberfastnacht 2023 seinen Anfang nahm und die Anwohner in Aufregung versetzte. Menden, der 2020 in der Gronauer Straße Mehrfamilienhäuser errichtete, war stolz auf den 17 Meter breiten Grünstreifen, der als Sicht- und Schallschutz diente. Doch dieser Schutz ist mittlerweile auf gerade mal fünf Meter geschrumpft. Das ist nicht nur ein Verlust an Natur, sondern auch ein Schlag ins Gesicht für die Anwohner, die hier für Ruhe und Erholung leben wollen.
Die Abholzung ließ nicht lange auf sich warten. Kaum waren die ersten Bäume gefallen, versuchte Menden, die Stadtverwaltung zu erreichen, um einen Baustopp zu erwirken. Doch Karneval, das fröhliche Treiben, machte es ihm nicht gerade leicht, Gehör zu finden. Am Veilchendienstag gelang es ihm schließlich, den südöstlichen Teil des Grünbereichs zu retten. Mit einem Aktenordner voller Dokumente in der Hand, der seine Bemühungen dokumentiert, hat er Kontakt zu verschiedenen Ämtern aufgenommen. Eine Verwaltungsvorlage aus dem Jahr 2006, die festlegt, dass Grünflächen Abstand zur Wohnbebauung und zur Autobahn sichern sollen, könnte ihm vielleicht helfen. Aber die Stadtverwaltung antwortet, dass die gefällten Bäume in unmittelbarer Nähe der Schutzfläche standen und innerhalb der bebaubaren Grundstücksfläche lagen. Ein wenig frustriert schüttelt Menden den Kopf.
Ein Wald im Rückzug
Die Zahlen sind alarmierend: Menden spricht von 150 bis 200 gerodeten Bäumen. Er fragt sich, wie es sein kann, dass bei der Datenermittlung zum Bauprojekt kein Tierbestand festgestellt wurde. Das empfindet er als unzureichend. Immerhin musste er selbst fünf Bäume pflanzen, weil einer für die Tiefgarage weichen musste. Ein bitterer Preis für den Fortschritt, der hier, zumindest auf den ersten Blick, nicht so recht zu passen scheint.
Die Vertical Vision AG Köln, der Bauherr, plant hier eine Produktions- und Lagerhalle mit Verwaltungstrakt. Ein ambitioniertes Projekt, sicher, doch die Anwohner fragen sich, wann und ob die Natur hier überhaupt eine Chance erhält. Zwischen 2023 und Januar 2026 geschah auf dem Grundstück nicht viel, bis die Bagger im Januar 2026 zurückkehrten und Fundamente legten. Denis Khaskin, ein weiterer Anwohner, fragt sich, wer letztlich für mögliche Fehler verantwortlich gemacht wird. Der Unmut wächst, und das nicht nur bei Menden und Khaskin.
Städtebauliche Herausforderungen
Doch was steckt hinter all dem? Das Städtebaurecht, das die rechtliche Qualität und Nutzbarkeit des Bodens festlegt, soll eine geordnete städtebauliche Entwicklung sicherstellen. Zentrales Element ist die Bauleitplanung, die vom Bund geregelt wird. Gemeinden sind zuständig und regeln die flächenbezogenen Anforderungen an Bauvorhaben. Der Flächennutzungsplan gilt für das gesamte Gemeindegebiet, während Bebauungspläne konkrete Festsetzungen enthalten. Dabei werden private und öffentliche Belange, wie Lärmschutz und Naturschutz, berücksichtigt.
Das alles wirkt wie ein kompliziertes Netz, das die Stadtentwicklung steuert. Es gibt das besondere Städtebaurecht, das für gezielte Stadtentwicklungen gedacht ist. Auch wenn hier mit Instrumenten des Bodenrechts wie Vorkaufsrechten und Baulandumlegungen gearbeitet wird, bleibt die Frage, wie gut diese Maßnahmen den Bedürfnissen der Anwohner gerecht werden.
Und so stehen Menden, Khaskin und die anderen Anwohner vor der Herausforderung, sich in diesem Dickicht aus Vorschriften und Bauprojekten zurechtzufinden. Der Alltag in Mülheim wird durch die Bautätigkeiten auf eine harte Probe gestellt, während die Bäume und die Natur um sie herum leise zurückweichen.