In Schwäbisch Gmünd, einer charmanten Stadt, die tief in der Geschichte verwurzelt ist, geschieht derzeit etwas ganz Besonderes. Die Restaurierung einer Eisenbahn-Belvedere-Pergola aus dem 19. Jahrhundert hat begonnen und lässt nicht nur die Herzen der Geschichtsfreunde höher schlagen. Dieses historische Bauwerk, das um 1860 errichtet wurde, entstand als Reaktion auf den Bau der Bahnlinie Stuttgart – Aalen und war einst ein beliebtes Postkartenmotiv. Komischerweise sind ähnliche Bauwerke nur noch in Köln-Müngersdorf zu finden – ein Stück Kölner Geschichte, das in Gmünd nun mit viel Hingabe und Engagement wieder zum Leben erweckt wird.
Das Amt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und die Deutsche Denkmalstiftung haben sich bereit erklärt, den Wiederaufbau zu unterstützen. Für 2026 wurde ein Zuschuss von 70.000 Euro in Aussicht gestellt. Doch wie so oft bei solch ehrgeizigen Projekten gibt es auch hier eine Finanzierungslücke von rund 250.000 Euro. Bei einem Gesamtbudget von etwa 1,6 Millionen Euro wird diese Herausforderung nicht einfach. Der Gmünder Fabrikant Johann Baptist Ott, der durch den Eisenbahnbau einen Teil seines Grundstücks verlor, kann also nicht ganz unrecht haben, wenn er sich fragt, was aus all den schönen Dingen wird.
Rückblick und aktuelle Arbeiten
Die Pergola wurde einst von Baurat Georg Morlock entworfen – eine Reparationsleistung, die nach den Bedürfnissen der damaligen Zeit entstand. Doch im Jahr 2022 war ein Not-Abbruch notwendig, nachdem eine gebrochene Leitung unerwartete Schäden verursachte. Die historischen Einzelteile wurden sorgfältig nummeriert und geschützt, um sie für die Zukunft zu bewahren. Aktuell umfasst die Baustelle die Sanierung einer beeindruckenden 50 Meter langen Sandsteinmauer und die Errichtung von Bohrpfählen sowie Schrägankern zur Stabilität. Eine neue Bodenplatte wurde ebenfalls geschaffen, um den Wiederaufbau zu ermöglichen. Das alles geschieht mit dem Ziel, den Denkmaltag im September 2026 auf dieser neuen Grundlage zu feiern. Wer hätte gedacht, dass so viel Arbeit in der Wiederbelebung eines alten Traums steckt?
Die Pläne gehen weiter. Der vollständige Wiederaufbau soll bis zum Denkmaltag 2027 abgeschlossen sein. Tragischerweise ist der begleitende Architekt Paul Waldenmaier verstorben, und das Statikbüro Bergmann hat einige Aufgaben übernommen. Das gibt dem Projekt einen etwas bittersüßen Beigeschmack. Der Verein Eisenbahn-Belvedere-Pergola plant zudem eine Charity-Veranstaltung zur Finanzierung, vielleicht sogar in Verbindung mit dem Denkmaltag. Ideen sprießen wie frische Blumen – und es bleibt spannend, was da noch auf die Beine gestellt wird.
Denkmalschutz im Fokus
In Zeiten, in denen die Kultur oft im Schatten anderer Themen steht, ist es ermutigend zu sehen, wie der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien seit 2009 bis 2025 rund 547 Millionen Euro in den Denkmalschutz investiert hat. Über 3.000 national bedeutsame Kulturdenkmäler und historische Orgeln in Deutschland wurden saniert. Das aktuelle Denkmalschutz-Sonderprogramm unterstützt die Sanierung von mehr als 140 kulturell bedeutsamen Denkmälern. Beispiele wie das Mittelmeerhaus im Botanischen Garten in Berlin oder der Eltzer Hof in Eltville zeigen, wie wichtig es ist, diese Schätze zu bewahren.
Die Restaurierung der Eisenbahn-Belvedere-Pergola ist mehr als nur ein lokales Projekt. Sie ist ein Teil des großen Ganzen, das die deutsche Kulturlandschaft prägt. Wer die Chance hat, sich an der Finanzierung zu beteiligen, kann dies über das Spendenkonto des Vereins Eisenbahn-Belvedere-Pergola-Schwäbisch-Gmünd e.V. tun (IBAN: DE71 6145 0050 1001 3707 38). Es ist eine Einladung an alle, Teil dieser aufregenden Reise in die Vergangenheit zu werden und gleichzeitig die Zukunft ein Stück weit mitzugestalten.