Heute ist der 26. Mai 2026 und während Köln sich auf die erste Sommerbrise vorbereitet, blicken wir auf ein bedeutendes historisches Ereignis zurück. Vor genau 40 Jahren, am 28. Mai 1986, fand im Müngersdorfer Stadion die „Parade d’Adieu“ der belgischen Streitkräfte statt. Ein Abschied voller Emotionen, der im Beisein des belgischen Kronprinzen Philippe I. gefeiert wurde – ein Moment, der die städtische Geschichte und die Erinnerungen vieler Kölner geprägt hat.
Die belgischen Truppen hatten ihre Präsenz in Köln seit 1949, als sie von Bonn hierher verlegten. Der Hauptsitz der Streitkräfte war die Etzelkaserne, die während des Zweiten Weltkriegs erbaut wurde. Im Laufe der Jahre verwandelte sich das Umfeld der Kaserne in ein kleines belgisches Dorf. Ein „Quartier Haelen“ wurde errichtet, in dem Offiziere und ihre Familien lebten. Reihenhäuser, größere Häuser für Oberoffiziere und sogar Villen für Generäle – das alles trug zur besonderen Atmosphäre des Stadtwaldviertels bei. Die Kölner erfuhren hier nicht nur von den militärischen Aktivitäten, sondern auch von einem bunten Leben: ein Supermarkt, eine Kindertagesstätte, eine belgische Schule und sogar eine Holzkirche bereicherten das Viertel.
Ein Blick in die Vergangenheit
Was viele nicht wissen: Köln war zeitweise die größte Garnison des Königreichs Belgien im Ausland. Nach dem Ersten Weltkrieg, genauer gesagt nach dem Waffenstillstand von Compiègne, wurden belgische Einheiten nach Deutschland verlegt, auch nach Köln. Und es gab Zeiten, in denen die belgischen Streitkräfte nicht nur als Besatzungstruppen, sondern als Alliierte im Rahmen der NATO wahrgenommen wurden. Im Jahr 1951 begann dieser Wandel. Die Belgier waren nicht mehr nur hier, um zu kontrollieren, sondern um Teil einer gemeinsamen militärischen Strategie zu werden.
Die Zeit verging, und viele Gebäude, die einst mit Leben gefüllt waren, mussten nach dem Abzug der belgischen Truppen eine neue Bestimmung finden. Die Bundesimmobiliengesellschaft übernahm die sanierungsbedürftigen Wohngebäude, und in den denkmalgeschützten Kasernen entstanden neue Wohnungen, Büros und Arztpraxen. Sogar das ehemalige Offizierskasino, der Club Astoria, hat sich gewandelt und wird heute privat betrieben. Und wo einst fröhliches Kinderlachen im Freibad der belgischen Familien zu hören war, ist nun ein Beachvolleyballclub zu finden – der Sand hat die Erinnerungen an die glorreichen Zeiten verdrängt.
Ein geführter Spaziergang in die Geschichte
Bezirksbürgermeister Roland Schüler hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Am 31. Mai lädt er zu einer Führung durch die Hinterlassenschaften der Belgier in Junkersdorf und Müngersdorf ein. Wer sich für die Spuren der belgischen Geschichte in Köln interessiert, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen – eine Anmeldung bis zum 28. Mai ist erforderlich.
Die letzten belgischen Einheiten verließen Köln offiziell im Jahr 2002, und 2003 folgte das Militärgericht. Ein schleichender Abschied, der bis 2004 vollständig abgeschlossen war. Und während die Stadt sich weiterentwickelt, bleibt die Erinnerung an die belgischen Streitkräfte und ihr Leben in Köln lebendig – durch die Gebäude, die Geschichten, die Nachbarschaften und die Menschen, die hier gelebt haben. Die Kölner werden immer einen Platz in ihrem Herzen für die Belgier haben, die einst Teil ihrer Gemeinschaft waren.