In Köln, genauer gesagt in Höhenhaus, brodelt es. Die Mobilitätswende, ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen, steht vor einem massiven Dilemma, und mitten drin ist Mobilitätsdezernent Ascan Egerer. Seine Entscheidungen kommen nicht immer gut an. Es wird gemunkelt, dass er politische Aufträge häufig ignoriert oder sie nach eigenem Gutdünken interpretiert. Das sorgt im Rathaus für reichlich Irritation und nicht wenige Bürger sind verärgert. Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) hat klargemacht, dass er eine stärkere Einbindung in Egerers Entscheidungen wünscht, insbesondere wenn es um die Mülheimer Brücke geht, die für den Autoverkehr nur noch einspurig genutzt werden soll.

Die Brücke ist ein ganz zentraler Punkt für den Verkehr in der Stadt. Egerers Plan, die Siedlung in Höhenhaus nur über eine Zufahrt für den Autoverkehr zu erschließen, ist ein echter Schock für die 3500 Menschen, die dort leben, und für die Anwohner der Umgebung. Irgendwie ist es nicht nachvollziehbar, dass die Wartezeit für den Bau einer neuen Brücke ganze sechs Jahre betragen soll. Dabei könnte man denken, dass ein Dezernent die politischen Vorgaben umsetzen sollte, anstatt selbst Politik zu betreiben. Es gibt Stimmen, die Egerers Haltung als hinderlich für die Mobilitätswende in Köln ansehen. Denn der Umstieg vom Auto auf alternative Verkehrsmittel sollte nicht auf dem Rücken der Menschen geschehen.

Die Mülheimer Brücke: Ein Sanierungsfall

Die Mülheimer Brücke, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, wird derzeit grundsaniert. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 370 Millionen Euro, wobei der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen etwa 45 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Ein stolzer Betrag, der zeigt, wie ernst die Lage ist. Die Brücke, seit 1949 in Betrieb, hat nicht nur mit Alterserscheinungen zu kämpfen, sondern auch mit dem gestiegenen Verkehrsaufkommen und den erhöhten Achslasten. Tatsächlich wurde bei Brückenprüfungen in 2005 und 2008 festgestellt, dass die Brücke dringend instandgesetzt werden muss. Teile des Brückenzuges sind so marode, dass sie abgerissen und komplett erneuert werden müssen.

Die Sanierung ist ein Mammutprojekt, das seit April 2018 läuft. Aktuell befindet sich die Baustelle in Phase 2, wo die Stahlkonstruktion der Strombrücke ausgetauscht wird. Autos sollen voraussichtlich ab Ende März 2026 wieder in beide Richtungen über die Brücke fahren können, aber die Gesamtfreigabe für den Verkehr ist erst für März 2028 geplant. Die Stadtbahnen der Linien 13 und 18 sollen ab dem 15. September 2024 wieder über die Brücke fahren – ein kleiner Lichtblick inmitten der Baustellenunwägbarkeiten.

Kostenspiel und Geduldsspiel

Die Kosten für die Instandsetzung sind allerdings explodiert. Ursprünglich war von 301,5 Millionen Euro die Rede, jetzt sind es fast 498,2 Millionen Euro – eine Steigerung von 65 Prozent! Die Stadt führt „bauzeitliche Verzögerungen“ und „allgemeine Preissteigerungen im Baugewerbe“ als Gründe an. Das ist schon krass, wenn man bedenkt, dass die Bauzeit sich von ursprünglich vier Jahren auf voraussichtlich elf Jahre verlängert hat. Bei all diesen Zahlen und Fristen bleibt man als Kölner ganz schön auf der Strecke.

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Insgesamt zeigt sich, dass die Mülheimer Brücke nicht nur ein Bauwerk ist, sondern das Schicksal vieler Menschen in Höhenhaus und Umgebung beeinflusst. Die Herausforderungen sind gewaltig, und die Frage bleibt, wie die Politik darauf reagiert. Klar ist, dass die Mobilitätswende ein gutes Stück Geduld erfordert – sowohl von den Entscheidungsträgern als auch von den Bürgern. Der Weg zum Ziel ist steinig und lang, aber vielleicht wird am Ende alles gut. Oder wie sagt man so schön? Man muss die Hoffnung nie aufgeben!