In Köln-Höhenhaus, genauer gesagt in der Siedlung Schönrath, brodelt es gewaltig. Die rund 3500 Bewohner stehen vor der Herausforderung, dass das Mobilitätsdezernat der Stadt plant, die Brücke am Flachsrosterweg abzureißen. Dies geschieht während einer Sperrung der Bahnstrecke Köln-Wuppertal, und die Vorzeichen sind alles andere als rosig. Die Anwohner fürchten ein Verkehrschaos, das durch die Einschränkung des Autoverkehrs noch verstärkt werden könnte. Der Plan sieht vor, dass die Siedlung nur noch über eine Autozufahrt erreichbar bleibt, was die Sorgen der Bürger nur noch verstärkt.
Aktuell gibt es zwei Hauptzufahrten: Eine führt zur Berliner Straße, die andere über eine marode Brücke zum Dünnwalder Kommunalweg. Die Nord-Verbindung, die über die Brücke führt, soll aufgrund von Stabilitäts- und Sicherheitsmängeln für den Autoverkehr gesperrt werden. Die geplante Behelfsbrücke soll hingegen nur für Radfahrer und Fußgänger nutzbar sein und die Stadt hat bereits die Kosten von etwa 1 Million Euro für diese Lösung veranschlagt. Die Bezirksvertretung Mülheim hat einstimmig gefordert, dass die Behelfsbrücke auch einspurig für Autos befahrbar sein sollte, doch das Mobilitätsdezernat hat erklärt, dass hierfür kein Budget vorhanden ist. Mobilitätsdezernent Ascan Egerer äußerte sich frustriert über die Ablehnung des Vorschlags und die unbefriedigende Situation, während die Zuschauer in der BV-Sitzung ihren Unmut durch Lachen und Zwischenrufe kundtaten.
Ein Verkehrschaos droht
Die Sorgen der Anwohner sind nicht unbegründet. Viele befürchten, dass ihre Siedlung für mindestens sechs Jahre vom Autoverkehr abgeschnitten wird. In dieser Zeit soll die Behelfsbrücke stehen bleiben, bis zur nächsten Sperrung der Bahnstrecke im Jahr 2032. Die Stadt hat zudem mitgeteilt, dass eine Weiternutzung der alten Brücke für Fuß- und Radverkehr aufgrund ihres baulichen Zustands nicht möglich ist. Dies hat die Situation für die Anwohner nicht leichter gemacht. Bezirksbürgermeister Vincent Morawietz kritisierte die mangelnde Kommunikation und die plötzliche Ankündigung der Pläne, die ohne politische Zustimmung umgesetzt werden sollten. Die Bürger fühlen sich übergangen und haben bereits eine Kundgebung am 18. April organisiert, um ihrem Unmut Luft zu machen.
Die betroffenen Einrichtungen in der Siedlung sind dabei vielfältig: drei Kitas, eine Außenstelle des Berufskollegs Ulrepforte, ein Seniorenheim, ein Fußballverein, der Kleingärtnerverein, eine KVB-Haltestelle und eine Kirchengemeinde. Diese Institutionen sind auf einen reibungslosen Verkehr angewiesen, um ihre Nutzer zu erreichen. Die Schließung einer der beiden Zufahrten für Pkw könnte also weitreichende Folgen haben.
Ein Blick in die Zukunft
Die Stadt Köln hat jedoch auch langfristige Pläne: Sobald die Bahnstrecke wieder gesperrt wird, soll eine neue Brücke gebaut werden, die auch für Autos nutzbar sein soll. Dies könnte eine Lösung für die anhaltenden Probleme in der Siedlung darstellen. Dennoch bleibt die Frage, wie die Stadt die Finanzierung für solche Projekte sicherstellen will, zumal die Miete für die Behelfsbrücke jährlich 50.000 Euro beträgt. Es bleibt abzuwarten, wie die Stadtverwaltung auf die wachsenden Sorgen der Bürger eingehen wird, während die Sanierung der Mülheimer Brücke bereits über 11 Jahre dauert und zu erheblichen Kostenüberschreitungen geführt hat.
Die Situation ist also nicht nur eine Herausforderung für die Anwohner in Köln-Höhenhaus, sondern wirft auch grundlegende Fragen zur Verkehrspolitik und zur Planungssicherheit in der Stadt auf. Die Sanierung der großen Rheinbrücken, die bis weit nach 2040 andauern soll, zeigt, dass Köln mit einem gewaltigen infrastrukturellen Erneuerungsbedarf konfrontiert ist. Ob die Stadt aus den Erfahrungen mit der Mülheimer Brücke lernen kann, wird sich zeigen müssen.