Heute ist der 21.05.2026 und in Deutschland gibt es ernüchternde Nachrichten aus der Welt der Investitionen. Die Attraktivität des Landes für ausländische Unternehmen hat spürbar nachgelassen. Laut einem Bericht von n-tv kündigen ausländische Firmen nur noch halb so viele Investitionsprojekte in Deutschland an wie noch vor acht Jahren. Ein Rückgang, der uns aufhorchen lassen sollte!

Im vergangenen Jahr sank die Zahl der angekündigten Projekte um 10 % auf nur noch 548. Das ist nicht nur ein einfacher Rückgang – es ist der achte in Folge und der niedrigste Stand seit 2009! Henrik Ahlers, der Chef von EY, bezeichnete diese Entwicklung als ein „Alarmsignal für den Standort Deutschland“. Wenn man sich die Zahlen anschaut, wird schnell klar, dass Deutschland im Langzeitvergleich mehr an Boden verloren hat als viele andere große europäische Standorte. Seit dem Rekordjahr 2017 ist die Zahl der Investitionsprojekte um satte 51 % gesunken. Während andere Länder phasenweise Aufwärtstrends zeigen, verzeichnet Deutschland einen kontinuierlichen Abwärtstrend.

Gründe für den Rückgang

Doch was sind die Ursachen für diese negative Entwicklung? Eine hohe Steuerbelastung, kostspielige Arbeitskräfte, teure Energie und eine überbordende Bürokratie zählen zu den häufigsten Kritikpunkten. Es ist kaum verwunderlich, dass auch deutsche Unternehmen beim Investieren im europäischen Ausland zurückhaltender geworden sind. 2025 sank die Zahl der Projekte auf lediglich 484 – ein Rückgang um 24 %. Der gesamte europäische Markt zeigt sich ebenfalls nicht in Hochform: Europaweit wurden 5026 Neuansiedlungs- und Erweiterungsprojekte für 2025 angekündigt, was einem Minus von 7 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Wenn wir uns die Konkurrenz anschauen, bleibt Frankreich der attraktivste Investitionsstandort in Europa, gefolgt von Großbritannien und Deutschland. Frankreich hat allerdings selbst einen dramatischen Rückgang von 17 % zu verzeichnen. Großbritannien sank um 14 %, während die Türkei und Spanien mit Pluszahlen von 7 % bzw. 20 % hinter Deutschland stehen.

Der Druck auf die Industrie

Die Industrie in Deutschland steht unter erheblichem Druck. Internationale Kapitalströme spiegeln die Erwartungen internationaler Investoren wider. Für 2024 ist zu erwarten, dass weniger als ein Drittel der Direktinvestitionen von 2020 nach Deutschland fließen. Das klingt nicht gerade nach einer Erfolgsgeschichte. Der Bestand an ausländischem Kapital in Deutschland mag zwar gestiegen sein, doch die sinkenden Direktinvestitionen machen einen Strich durch die Rechnung. Die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts hat spürbar nachgelassen.

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Die neue Bundesregierung steht vor der dringenden Aufgabe, die Konjunktur zu beleben und langfristige Reformen auf den Weg zu bringen. Es wird dringend nötig sein, in moderne Anlagen zu investieren und die Forschungs- und Innovationsprozesse zu beschleunigen. Auch die Schaffung attraktiver Bedingungen für internationale Fachkräfte ist unerlässlich. Der internationale Druck – insbesondere aus den USA und China – verstärkt die Dringlichkeit dieser Maßnahmen. Die USA profitieren von Kapitalzuflüssen und Investitionsanreizen durch den Inflation Reduction Act (IRA), während handelspolitische Drohungen das Investitionsklima in Europa belasten.

Ein Lichtblick sind die Überlegungen von Mario Draghi, die als Fundament zur Stärkung von Zukunftstechnologien und zur Modernisierung des Industriestandorts dienen könnten. Deutschland bleibt die größte Volkswirtschaft Europas, aber das reicht nicht. Es müssen eigene Impulse gesetzt werden. Die Pläne der neuen Bundesregierung umfassen steuerliche Maßnahmen, darunter Sonderabschreibungen für Anlageinvestitionen und eine Anhebung der Forschungszulage. Das sind Schritte in die richtige Richtung.

Die schwarz-rote Koalition hat mit neuen Sondervermögen Haushaltsmittel zur Verfügung, die investiv eingesetzt werden sollten. Der Sachverständigenrat hat die Bedeutung dieser Investitionen in einem Gutachten unterstrichen. Es gibt bereits Prozesse von der vorherigen Bundesregierung, deren Umsetzung durch den Regierungswechsel gestoppt wurde. Die neue Regierung sollte Initiativen zur Fachkräftegewinnung und industriepolitische Strategien, beispielsweise die Pharmastrategie, aufgreifen. Diese Maßnahmen wurden im Konsens beschlossen und adressieren zentrale Standortnachteile, was Vertrauen in den Standort schaffen könnte.