Heute ist der 20.05.2026 und in der Innenstadt von Köln versammeln sich Schüler und Experten, um einen besonderen Tag zu feiern – den Europatag. Ein Highlight dieses Events war der Vortrag des Psychologen und Autors Ahmad Mansour, der mit seiner bewegenden Lebensgeschichte und seinen eindringlichen Forderungen nach einer besseren Extremismusprävention die Zuhörer tief berührte. Mansour selbst ist ein Beispiel dafür, wie aus einem gemobbten Jungen, der in einer kriegstraumatisierten Familie aufwuchs und die Überzeugung hatte, Juden seien Feinde, eine starke Stimme für Frieden und Toleranz werden kann.
Sein Weg war alles andere als einfach. In seiner Jugend fand er einen Mentor in einem Iman, der ihm wie eine Vaterfigur zur Seite stand. Doch dieser Weg führte ihn zunächst in die Fänge der Radikalisierung und zu einer Mitgliedschaft in einer islamistischen Gruppierung. Ein Wendepunkt in seinem Leben war der Überlebensinstinkt, als er einen Terroranschlag in Israel überlebte. Nach diesem Erlebnis zog er 2004 nach Deutschland, um sein Psychologiestudium in Tel Aviv abzuschließen – als einziger Araber in einer Gruppe von Juden. Hier distanzierte er sich von der Muslimbruderschaft und begann, sich aktiv für die Prävention von Extremismus zu engagieren.
Demokratieförderung als Schlüssel
2017 gründete Mansour die Initiative „MIND Prevention“, die sich für Demokratieförderung und Extremismusprävention einsetzt. In seinem Vortrag am Berufskolleg Lindenstraße betonte er, dass Radikalisierungstendenzen nicht auf bestimmte Gesellschaftsschichten beschränkt sind. Auch Antisemitismus und Extremismus sind ein Problem, das alle betrifft. Besonders erschreckend ist, dass die Attraktivität radikaler Theorien durch die sozialen Medien verstärkt wird. Mansour kritisiert den Echokammereffekt, der die Wahrnehmung der Realität verzerrt. Schüler und Schülerinnen lernen, wie wichtig es ist, Fake News von Fakten zu unterscheiden, besonders in einer Zeit, in der Plattformen wie TikTok und Instagram als Hauptkanäle für die Radikalisierung von Attentätern fungieren.
Im Rahmen des Workshops wurde ein Beispiel für Fake News untersucht, das sich als Falschmeldung herausstellte. Solche Erkenntnisse sind entscheidend, um junge Menschen zu stärken und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie Extremismus, Populismus und Deepfakes im Internet erkennen und damit umgehen können. Der klicksafe Expert*innen-Talk, Teil der Kampagne „Keine Likes für Lügen“, zeigt, wie wichtig es ist, präventiv zu handeln und das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen.
Ein Aufruf zur Aktion
Die Botschaft von Ahmad Mansour ist klar: Um Extremismus zu bekämpfen, brauchen wir mehr als nur Maßnahmen. Wir müssen die Gesellschaft sensibilisieren. Ein Dialog über Zugehörigkeit und Identität ist unerlässlich. Mansour berät Eltern, deren Kinder sich radikalisieren, und identifiziert persönliche Krisen und die Suche nach Identität als häufige Ursachen. Es ist ein komplexes Problem, das vielschichtige Lösungen erfordert. Doch mit Engagement und einem klaren Fokus auf präventive Maßnahmen kann ein Weg gefunden werden, um unsere Gesellschaft resilienter zu machen.
Der Europatag in Köln war somit mehr als nur eine Feier. Es war ein eindringlicher Aufruf, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und für eine friedliche Zukunft zu kämpfen. Die Herausforderungen sind groß, doch die Worte von Ahmad Mansour zeigen, dass es möglich ist, eine positive Veränderung herbeizuführen.