Kölner Bauprojekt MiQua: Ein Museum im Stau der Kosten und Zeiten
In der Kölner Innenstadt tut sich was – und das nicht nur in den Cafés und Boutiquen. Der Bau des neuen Jüdischen Museums, das den Namen MiQua tragen wird, zieht sich wie ein Kaugummi und sorgt für Aufregung. Schon seit 2015 werden hier die Bauarbeiten durchgeführt, doch die Kosten schießen weiter in die Höhe. Ursprünglich war man von einem Budget von 190 Millionen Euro ausgegangen – mittlerweile liegt die Schätzung bei bis zu 230 Millionen Euro. Das sind mal eben 40 Millionen Euro mehr, ein ordentlicher Batzen! Die Stadt Köln hat zwar bestätigt, dass man mit Mehrkosten rechnen muss, doch wie hoch diese letztlich ausfallen, wird derzeit noch geprüft.
Ungeplant ist das nicht, denn in der Vergangenheit gab es bereits mehrere solche Kostensteigerungen – zuletzt stiegen die Ausgaben von 127 auf 190 Millionen Euro. Ursprünglich sollte das Museum bereits am 1. Januar 2019 eröffnet werden, und nun spricht man von einer Fertigstellung Ende Juni 2028. Ein langer Atem ist also gefragt! Nach der Bauphase wird es dann noch einen sechsmonatigen Probebetrieb geben, bevor die Türen für die Öffentlichkeit endlich aufgehen.
Verzögerungen und Herausforderungen
Die Gründe für die steigenden Kosten sind vielfältig. Archäologische Funde, die während der Bauarbeiten gemacht wurden, haben das ursprüngliche Baukonzept durcheinandergebracht. Man musste umplanen – und das nicht nur einmal. Auch gestiegene Baupreise und neue Sicherheitsanforderungen, die nach dem Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel 2014 eingeführt wurden, tragen zur Kostenexplosion bei. Besucher werden in Zukunft durch eine Sicherheitsschleuse ins Museum geleitet, was zusätzliche Planung erfordert.
Die jüngsten Nachrichten aus dem Bauprojekt machen die Lage noch komplizierter. Die Kündigung des zuständigen Stahlbauers Ende 2021 hat das Projekt weiter verzögert. Ein zweistufiges Ausschreibungsverfahren musste gestartet werden, um einen neuen Stahlbauer zu finden. Das hat nicht nur die Kosten erhöht, sondern auch die Verträge mit anderen Fachfirmen verlängert. Und, wie könnte es anders sein, die Corona-Pandemie und der Ukrainekrieg haben ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen, dass alles teurer und langsamer wird.
Ein Ort der Erinnerung
Doch das Museum ist mehr als nur eine Baustelle. Es soll ein Ort werden, der 2000 Jahre Stadtgeschichte in der Archäologischen Zone präsentiert. Interessant ist, dass der Standort früher mal ein jüdisches Viertel mit einer mittelalterlichen Synagoge und einem Ritualbad war. Die Arbeiten müssen äußerst vorsichtig durchgeführt werden, um die archäologischen Relikte nicht zu beschädigen. So wurden bei den Ausgrabungen schon Teile römischer Rundbögen gefunden, die bei der weiteren Planung berücksichtigt werden müssen.
Das MiQua wird vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) betrieben, der auch für kulturelle und soziale Aufgaben zuständig ist. Es wird ein Ort sein, an dem historische Erinnerungen an das jüdische Leben in Köln bewahrt werden sollen. Der Zugang zum Museum wird, wie bereits erwähnt, über eine Sicherheitsschleuse erfolgen. Das Projekt hat somit nicht nur architektonische, sondern auch gesellschaftliche Dimensionen, die in der heutigen Zeit wichtiger denn je sind.
In diesem Jahr stehen wichtige Schritte an – die bauliche Fertigstellung des Museums im Juni 2028 ist das Ziel. Ob das gelingt, ist allerdings noch ungewiss. Steigende Baukosten und neue Ausschreibungen sorgen dafür, dass nicht nur die Verantwortlichen, sondern auch die Kölner Bürgerinnen und Bürger auf eine spannende, aber auch nervenaufreibende Zeit blicken. In der Zwischenzeit wird das Medienpädagogische Zentrum und das Prätorium voraussichtlich noch in diesem Jahr fertiggestellt, was ein kleiner Lichtblick in der gesamten Situation ist.
