Köln im Kneipenwandel: Abschied von „Bei d’r Tant“ und ein neuer Anfang im Thiebolds-Eck
In der Kölner Kneipenszene bahnt sich eine unerwartete Veränderung an. Die traditionsreiche Kneipe „Bei d’r Tant“, die seit fast 100 Jahren ein beliebter Anlaufpunkt für Jung und Alt ist, schließt vorübergehend. Am kommenden Wochenende, nach dem 4. Juli 2026, wird das Lokal für umfangreiche Sanierungsarbeiten geschlossen. Inhaber Frank Hennes hat diese Nachricht über soziale Medien verkündet und die Wiedereröffnung ist für den 1. September 2026 angedacht – auch wenn das noch nicht in Stein gemeißelt ist. Ein wenig Wehmut schwingt mit, wenn man an die kölschen Klassiker denkt, die hier serviert werden: Halve Hahn und Rievkooche sind nur einige der Spezialitäten, die viele Kölner und Touristen schätzen. Der Name „Bei d’r Tant“ geht übrigens auf die frühere Inhaberin zurück, die den Kindern Süßigkeiten gereicht hat. Nostalgie pur!
Aber die Schließung von „Bei d’r Tant“ ist nicht die einzige Nachricht aus der Kölner Gastronomieszene. Auch das Thiebolds-Eck wird Ende dieses Jahres seine Türen schließen. Ab Neujahr übernimmt Reiner Wilkens das Ruder. Der erfahrene Gastronom, der bereits seit 2010 das Reissdorf-Brauhaus am Griechenmarkt führt, möchte das Thiebolds-Eck neu beleben. Geplant ist eine Wiedereröffnung am 3. Februar 2025. Wilkens hat sich bewusst für die Übernahme entschieden, nachdem die vorherige Betreiberin aufgrund von wiederholten Lärmbeschwerden von der Reissdorf-Brauerei als Unterpächterin gekündigt wurde. Die neuen Pläne beinhalten eine Lärmminderung, die nicht nur die Nachbarn erfreuen dürfte, sondern auch für ein angenehmes Ambiente sorgt. Laut Wilkens bleibt die Einrichtung unverändert, denn das Thiebolds-Eck soll als Veedels-Kneipe für alle Altersgruppen zugänglich bleiben.
Die Herausforderungen der Gastronomie
Die Kölner Gastronomieszene steht momentan unter Druck. Mit über 3.000 Betrieben in der Stadt gibt es viele, die um das Überleben kämpfen. Die Nachwirkungen von Corona, steigende Kosten und Personalnot setzen den Gastronomen zu. Patrick Rothkopf vom DEHOGA Köln beschreibt die Lage als angespannt, insbesondere für die traditionellen Kneipen und Restaurants. Einige bekannte Lokale, wie das „Em Golde Kappes“, mussten bereits schließen. Gleichzeitig gibt es aber auch einen frischen Wind: Neue Restaurants eröffnen in beliebten Vierteln, und innovative Konzepte ziehen jüngere Gäste an. Das neue Restaurant „Heimat“ am Friesenplatz beispielsweise erfreut sich großer Beliebtheit, indem es Regionalität und flexiblen Service großschreibt. Man spürt, dass die Kölner Gastfreundschaft, unabhängig von den angebotenen Speisen und Getränken, nach wie vor ein zentrales Element bleibt.
Zusammengefasst, die Kölner Kneipenszene ist im Wandel – und die Schließungen von Traditionslokalen wie „Bei d’r Tant“ und Thiebolds-Eck sind Teil davon. Dennoch gibt es Hoffnung auf neue Konzepte und ein Comeback der Geselligkeit. Ob das neue Thiebolds-Eck die Erwartungen erfüllen kann, bleibt abzuwarten. Bis dahin heißt es für die Kölner: Erinnerungen an alte Zeiten bewahren und gleichzeitig den Blick nach vorn richten.
