In Köln-Deutz, am 21. Mai 1940, geschah etwas, das bis heute im Schatten der Geschichte verweilt. An diesem Tag wurden etwa 1000 Sinti und Roma vom Bahnhof Deutz in die Ungewissheit nach Polen deportiert. Die Umstände waren erschütternd. Zwangsarbeit in Lagern, viele wurden ermordet, andere starben an Krankheiten und Unterernährung. Der Begriff „Samudaripen“ – das Romanes-Wort für „vollständigen Mord“ – ist in unserem gesellschaftlichen Bewusstsein kaum verankert, obwohl er die grausame Realität der Verfolgung widerspiegelt. Es ist eine Geschichte, die erzählt werden muss.

Um der schrecklichen Deportation und den damit verbundenen Leiden zu gedenken, wird am 21. Mai 2026 um 19 Uhr eine Gedenkveranstaltung im VHS-Forum am Neumarkt stattfinden. Die Veranstaltung wird von bedeutenden Institutionen wie dem NS-DOK, der Kölner Volkshochschule und dem Amt für Integration und Vielfalt der Stadt Köln organisiert. Oberbürgermeister Torsten Burmester wird ein Grußwort halten, und das Programm bietet einen Impulsvortrag über die NS-Verfolgung in Kroatien, eine Podiumsdiskussion mit Roma-Vertretern sowie die Möglichkeit zum Austausch. Musikalische Begleitung sorgt für eine besondere Atmosphäre. Die Teilnahme ist kostenlos und wird von vielen Unterstützern wie der Evangelischen Kirche Köln und Region sowie dem Bundesromaverband unterstützt.

Ein dunkles Kapitel der Geschichte

Der Holocaust hinterließ bei Sinti und Roma tiefe Wunden. Bereits seit dem 17. und 18. Jahrhundert waren sie in Europa Fremdenfeindlichkeit ausgesetzt. Die Wahrnehmung, dass Sinti und Roma eine Bedrohung für moderne Kulturwerte darstellten, führte zu einer tief verwurzelten Diskriminierung. Ihr Lebensstil wurde oft als Rückständigkeit betrachtet, während sie durch Zwangsassimilation in die Gesellschaft integriert werden sollten. Diese grundlegende Abwertung führte dazu, dass Sinti und Roma als minderwertige Rasse angesehen wurden, eine Sichtweise, die durch pseudowissenschaftliche Theorien und diskriminierende Gesetze wie die Nürnberger Gesetze von 1935 nur noch verstärkt wurde.

Mit Hitlers Machtergreifung wurden die Kontrollen über die Sinti und Roma weiter verschärft. Sie wurden daran gehindert, ihre Traditionen zu leben und sich zu integrieren. Der Erlass zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“ von 1938 gilt als der Beginn der staatlich organisierten Verfolgung. Im Zweiten Weltkrieg erreichten die Deportationen ihren grausamen Höhepunkt. Schätzungen zufolge verloren 70 bis 80 Prozent der deutschen und österreichischen Sinti und Roma ihr Leben im Holocaust. In Polen starben schätzungsweise 8000 bis 13.000 Roma während des Krieges, oft in Ghettos oder Arbeitslagern.

Die Bedeutung der Erinnerung

Die Gedenkveranstaltung in Köln ist nicht nur eine Möglichkeit, die schrecklichen Ereignisse von 1940 zu reflektieren, sondern auch eine wichtige Gelegenheit, um das Bewusstsein für die fortwährende Diskriminierung von Sinti und Roma zu schärfen. Die Gesellschaft muss sich ihrer Vergangenheit bewusst sein, um aus ihr zu lernen. Der Austausch zwischen den Generationen, das Verständnis der historischen Zusammenhänge und die Anerkennung der erlittenen Unrechtmäßigkeiten sind entscheidend für eine integrative Zukunft.

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Die Unterstützung von Organisationen wie Rom e.V., der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und vielen anderen zeigt, dass wir gemeinsam für Vielfalt und Integration eintreten können. Diese Veranstaltung ist ein Schritt in die richtige Richtung, ein Zeichen, dass die Stimmen der Vergangenheit gehört werden müssen. Denn nur durch das Gedenken können wir die Wunden heilen, die der Antiziganismus und die Verfolgung hinterlassen haben.