Grüne Wende im Osten: Mut und Mobilisierung beim Ostkongress in Sassnitz
Heute ist der 28.06.2026 und die Grünen haben ihr Augenmerk auf den Osten gerichtet. Bei ihrem jüngsten „Ostkongress“ in Sassnitz auf Rügen, der vom 26. bis 27. Juni stattfand, war das Ziel, Mut zu machen für die anstehenden Landtagswahlkämpfe in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Und das Motto, „Nah am Menschen. Stark im Wandel“, schien die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wirklich zu motivieren. Johannes Paul Stabenow aus Greifswald berichtete von einer positiven Stimmung in der Versammlung, auch wenn nur etwa 210 Mitglieder anwesend waren – ein kleiner, aber engagierter Kreis.
Ein Wahlkampf-Workshop wurde angeboten, um den Anwesenden nützliche Tipps für den Wahlkampf mit auf den Weg zu geben. Besonders spannend war dabei, dass weniger als 8 % der Grünen-Mitglieder aus den ostdeutschen Flächenländern stammen, insgesamt rund 15.000 Mitglieder. Politikwissenschaftler Benjamin Höhne merkte an, dass die Grünen im Osten weniger auf akademische Milieus angewiesen sind. Stattdessen wird ein Wahlkampfurlaub als Strategie genutzt, um Helfer aus anderen Regionen zu gewinnen – rund 500 Anmeldungen, verteilt auf Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, zeugen von einem gewissen Enthusiasmus.
Ein Blick auf die Herausforderungen
Die Herausforderungen sind allerdings nicht zu unterschätzen. Es gibt Bedenken, dass die Grünen im September den Einzug in die Landtage verpassen könnten. Felix Banaszak, der Parteichef, bleibt optimistisch und hofft auf ein besseres Wahljahr, trotz der durchwachsenen Umfragen. Martin Helbig, der sächsische Grünen-Chef, hebt hervor, dass der Umgang innerhalb der Partei sich verbessert hat, was vielleicht auch die Stimmung hebt.
Doch der Ostkongress war nicht nur eine Pflichtveranstaltung. Die Themen waren vielschichtig: gesellschaftlicher Zusammenhalt, Vertrauen in polarisierten Gesellschaften und die nachhaltige Entwicklung in Ostdeutschland standen auf der Agenda. Es gab zahlreiche Workshops und Diskussionsrunden mit über 35 Referentinnen und Referenten, darunter bekannte Namen wie Tupoka Ogette und Prof. Dr. Maren Urner. Die Fragen, die diskutiert wurden, reichten von der Demokratie junger Menschen im Osten bis hin zu Bildungs- und Aufstiegschancen. Ein breites Spektrum, das zeigt, dass die Grünen versuchen, auf die Bedürfnisse der Bevölkerung einzugehen.
Ein großer Zukunftsplan
Ein neues Büro in Brandenburg an der Havel ist ebenfalls Teil der Strategie, dem Osten mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die Grünen wollen sich stärker positionieren und ihre Botschaften klarer kommunizieren. Schließlich haben die Grünen in der Vergangenheit in Ostdeutschland, insbesondere in Städten wie Leipzig, Potsdam und Berlin, eine treue Wählerschaft. Aber die Partei hat auch ihre Schwierigkeiten. Steffi Lemke, die ehemalige Bundesumweltministerin, bezeichnete die Situation der Grünen in Ostdeutschland als schlecht. Die Wählerbasis ist seit den Nachwendejahren begrenzt, und bei den letzten Wahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg musste die Partei herbe Rückschläge hinnehmen.
Man spürt, dass die Grünen im Osten sich um ihre Identität und Positionierung sorgen. Es gibt Spannungen zwischen Ost- und West-Grünen, die in politischen Fragen immer wieder deutlich werden. Ein Gefühl, im Stich gelassen zu werden, macht sich breit. Katrin Göring-Eckardt und Steffi Lemke haben in der Bundespolitik nicht die Positionen erhalten, die man erwartet hätte. Was die Zukunft bringt? Das bleibt abzuwarten. Doch der Ostkongress war ein Schritt in die richtige Richtung. Irgendwie hoffentlich, dass es nicht der letzte war.
