Gewalt am Wasserfest: Wenn politische Spannungen überkochen
Es war ein sonniger Tag am 4. Juli, als das Wasserfest an der Rummelsburger Bucht für viel Trubel sorgte. Hunderte Menschen genossen das Bühnenprogramm und die zahlreichen gastronomischen Angebote. Dennoch nahm das Fest eine tragische Wendung. Am südlichen Ende der Zillepromenade, wo auch die Stände der verschiedenen Parteien standen, soll der AfD-Politiker Hartmut Naß, seines Zeichens Schatzmeister des AfD-Bezirksverbands Lichtenberg, einer Frau unvermittelt ins Gesicht geschlagen haben. Ein gewalttätiger Vorfall, der die Gemüter erhitzte.
Wie es zu diesem Vorfall kam? Es war eine eher skurrile Situation: Zwei Frauen mit einem Hund näherten sich dem AfD-Stand. Eine der Frauen griff nach „mehreren Gegenständen von geringem Wert“ und steckte sie in einen Hundekot-Beutel – eine eher unkonventionelle Art, mit den Goodies am Stand umzugehen. Naß, anscheinend nicht erfreut über diese Aktion, reagierte mit Gewalt und schlug der Frau ins Gesicht. Die Berliner Polizei nahm umgehend Anzeige wegen Körperverletzung auf, während die betroffene Frau nicht im Fokus der Ermittlungen steht.
Politische Spannungen und Proteste
Die Situation an diesem Tag war angespannt. Der AfD-Stand war nicht nur ein Ort für Informationen, sondern auch Ziel von Protesten unter dem Motto „AfD am Wasserfest? Nicht mit uns“. Rund 20 bis 30 Personen demonstrierten gegen die Präsenz der Partei. Ein Floß, geschmückt mit dem Transparent „AfD versenken“, paddelte über den Rummelsburger See und verstärkte die Proteststimmung. Die AfD bezeichnete die Proteste in einem Facebook-Posting als „linken Schwachsinn“ und gab sich dennoch geschmeichelt über die Aufmerksamkeit, die sie erhielt.
Hartmut Naß hat bislang auf eine Anfrage der Berliner Morgenpost nicht reagiert. Seine Rolle als Vorsitzender des Vereins „Gemeinschaft für sozialtherapeutische und sozialpädagogische Hilfen Berlin/Brandenburg e. V.“ wirft zudem Fragen auf, wie sich solche Vorfälle auf das Ansehen der politischen Arbeit auswirken können. Der Vorfall hat bereits eine Diskussion über Gewalt und Intoleranz in der politischen Auseinandersetzung entfacht. In diesem Kontext plant die AfD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung, eine Resolution „Für einen fairen und gewaltfreien Wahlkampf in Lichtenberg“ einzubringen, die Gewalt, Einschüchterungen, Bedrohungen und Sachbeschädigungen gegen politische Mitbewerber verurteilen soll.
Ein besorgniserregender Trend
Der Vorfall in Lichtenberg ist nicht isoliert. Laut den aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) stiegen politisch motivierte Straftaten um 40,2 %. Das ist der stärkste Anstieg seit 2001. In den letzten zehn Jahren haben sich die Fallzahlen mehr als verdoppelt, was die Besorgnis über die zunehmende Gewalt in der politischen Landschaft verstärkt. Politisch motivierte Gewalttaten erreichten mit 4.107 Fällen einen Höchststand, und die Zahl der rechtsmotivierten Straftaten stieg um 47,8 %. Die Sicherheitsbehörden stehen vor der Herausforderung, auf diese Entwicklungen zu reagieren.
Die Zunahme an Hasskriminalität, die um 28 % auf 21.773 Fälle anstieg, ist alarmierend und zeigt, wie tief die gesellschaftlichen Spannungen sitzen. Angriffe auf Amtsträger und Parteirepräsentanten sind ein zentrales Problem, das nicht ignoriert werden kann. Der Vorfall am Wasserfest ist ein weiteres Beispiel für die Spannungen, die in der politischen Arena kochen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und ob die geplanten Maßnahmen der AfD tatsächlich zu einer Entspannung führen können.
